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Corsinge-Handel

Jurisdiktionsstreit zwischen Genf und Savoyen. Im Mandement von Jussy, Lehen aus ehemals bischöfl. Besitz, verfügte die Republik Genf über die Souveränität. Auch in Corsinge (heute Gem. Meinier), einer savoy. Enklave im Mandement von Jussy, besass Genf drei Häuser aus diesem Besitz. 1666 brachte ein savoy. Pfarrer die letzte Kommunion in eines der drei Häuser, worauf Genf seine Souveränität verletzt sah und Bewaffnete in das Dorf schickte. Gleichzeitig wurde in der Stadt Genf François de la Grave aus Laconnex (Savoyen) verhaftet und hingerichtet, weil er auf dem der Genfer Gerichtsbarkeit unterworfenen Boden einen Mord begangen hatte. Der savoy. Botschafter protestierte in der Eidgenossenschaft. Bern und Zürich nahmen Mediationsverhandlungen auf, beide Seiten rüsteten auf. Sekundiert von Ludwig XIV. meldete Hzg. Karl Emanuel II. von Savoyen Reservatsrechte auf die Stadt an und verlangte, dass Genf am Turiner Hof seine Niederlage eingestehen müsse. Die Republik schickte auf Druck der in der Stadt stationierten und mit allen Vollmachten ausgestatteten bern. und zürcher. Gesandten eine Abordnung nach Turin. Gleichzeitig, im Frühling 1668, eroberte Frankreich die Freigrafschaft Burgund, was die Position Genfs zusätzlich schwächte. Unter dem Einfluss des franz. Botschafters musste Genf von den Souveränitätsansprüchen auf Corsinge zurücktreten, wobei Savoyen den Vertrag nie ratifizierte. Eine weitere Folge der Affäre war, dass Hzg. Karl Emanuel II. mit dem Bau von Schloss Bellerive (heute Gem. Collonges-Bellerive) 1667 den Frieden von Saint-Julien brach.

Quellen und Literatur

  • AEG, Portefeuilles de pièces historiques
  • StABE, Genf-Bücher, Bd. B
  • A.-L. Poncet, Les châtelains et l'administration de la justice dans les mandements genevois sous l'Ancien Régime (1536-1792), 1973
  • B. Braun-Bucher, Der Berner Schultheiss Samuel Frisching 1605-1683, 1991, 308-358