de fr it

Geleit

Das G. (lat. conductus, mittelhochdt. geleite) war ursprünglich die Begleitung von Reisenden, v.a. Kaufleuten, und Gütern durch Bewaffnete zum Schutz vor Überfällen. Ebenfalls als G. bezeichnete man die Gebühr, die der Schirmherr für diesen Schutz erhob. Bei Überfällen in seinem Geleitsbezirk hatte er die Beraubten zu entschädigen. Vom G. ist die Fuhrleite (ital. forletto) begrifflich zu unterscheiden, die andere hist. Wurzeln hat. Diese Gebühr wurde am Gotthard und an den Bündnerpässen nach dem Aufkommen der Strackfuhr erhoben und sollte die lokalen Transportgesellschaften für den Wegunterhalt und den Schneebruch entschädigen (Säumerei).

Das G. war im ma. Europa ein königl. Sonderfriede auf Verkehrswegen (Strassen, schiffbare Flüsse, Seewege). Die Gebühr für das G. diente anfangs ausschliesslich der Wegsicherung und nicht wie Weg- und Brückengelder dem Unterhalt der Verkehrsträger. Wie die Zölle zählte auch das G. zu den Regalien, die ab dem 13. Jh. durch königl. Verleihung an fürstl. Landesherren, ab dem 14. Jh. auch an Städte gelangten, wie z.B. 1365 ein Drei-Meilen-Geleitsrecht an Bern.

Das G. erscheint in allen friedenssichernden ma. Rechts- und Ordnungsinstrumenten, so in Landfrieden, Stadtrechten und Landrechten. Marktprivilegien enthielten ein besonderes Marktgeleit. Bündnispartner sicherten sich in der Regel gegenseitig sicheres G. (salvum conductum) zu. Da dieses v.a. den Transit- und Handelsverkehr betraf, war es vom 14. Jh. an Gegenstand nachbarl. Absprachen. Von den Eidgenossen wurde es erstmals im Pfaffenbrief 1370 für den Nord-Süd-Verkehr überregional geregelt. Spätere Neuordnungen im Geleitswesen einzelner Orte mussten vor die Tagsatzung gebracht werden. Wegen der relativen Sicherheit der eidg. Territorien trat ab dem 15. oder 16. Jh. anstelle des bewaffneten G.s der gesiegelte Geleitsbrief, den Obrigkeiten v.a. Kaufleuten zum Schutz vor willkürl. Zollforderungen ausstellten.

Geleitsrechte konnten wie Herrschaftsrechte getauscht, verkauft, verpfändet und vererbt werden. Sie kamen vom 15. Jh. an mit den Adelsherrschaften mehrheitlich an Städte und Länder und wurden zu Merkmalen der Territorialherrschaft. Obrigkeiten verpachteten sie meist mit den Zöllen an Städte, Gem. oder Private, die das G. an den Zollstätten erhoben.

In diesem Umfeld wandelte sich das G. allmählich zu einem Zoll auf eingeführter Kaufmannsware und wurde deshalb auch mitunter als solcher bezeichnet, so im Fürstbistum Basel als "Hauptzoll" oder im Staat Bern als "Landzoll". Die sich im 18. Jh. anbahnenden Reformen im Zollwesen betrafen daher auch das G., das z.B. Bern ab 1743 als Gewichtszoll nur noch an Grenzzollstätten einzog. 1762 vereinbarten Luzern, Basel, Bern und Solothurn im Transitfrachtverkehr die Einführung obligator. Ladeausweise, Vorläufer der heutigen Frachtbriefe, die u.a. als Quittung für die Bezahlung des G.s an den Zollstätten im Landesinnern vorzuweisen waren.

Nach 1803 sorgten die Kantone, nunmehr Inhaber der Geleitsrechte, mit strassenpolizeil. Vorschriften für den Schutz der Verkehrswege. Das G., das nun als "Geleitzoll" bezeichnet wurde und seiner ursprüngl. Bestimmung entfremdet war, verschwand in der Schweiz überall spätestens 1848 mit der allg. Aufhebung der Binnenzölle.

Quellen und Literatur

  • Idiotikon 3, 1490-1495
  • HRG 1, 1481-1489
  • G.R. Wiederkehr, Das freie G., 1977
  • H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kt. Luzern im 18. Jh., 1979, 492
  • LexMA 4, 1204 f.
  • M. Bundi, Zur Besiedlungs- und Wirtschaftsgesch. Graubündens im MA, 21989, 615-626