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Kaffee

Werbung für Kaffeezusatz, um 1904 (Privatsammlung; Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Werbung für Kaffeezusatz, um 1904 (Privatsammlung; Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann). […]

Durch einen Reisebericht des Augsburger Arztes und Botanikers Leonhard Rauwolf aus dem Jahre 1582 erhielten die Europäer von dem ursprünglich aus Südäthiopien stammenden Kaffee erstmals Kenntnis. In der Schweiz war es der Orientreisende Johann Jakob Ammann, der den «Türkentrank» 1618 öffentlich bekannt machte. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts breitete sich das exotische Getränk in Europa aus. Der vorwiegend in den neu entstehenden Kaffeehäusern (Cafés) ausschliesslich von Männern konsumierte Kaffee wurde aus medizinischen, moralischen und ökonomischen Gründen bald Gegenstand heftiger Kontroversen. Diese hatten jedoch nicht verhindern können, dass das Kaffeetrinken bei begüterten Städtern in der Schweiz bereits Ende des 18. Jahrhunderts zur festen Gewohnheit geworden war. Während der Konsum von Kaffee in gewissen Gegenden bei der ländlichen Bevölkerung in Form von Milchkaffee oder Kaffeemus Verbreitung fand, war er beispielsweise im Tessin zur selben Zeit noch nicht üblich. Grundsätzlich waren aber die Surrogate aus billigeren Rohstoffen (verschiedene Getreide, Feigen, Eicheln und vor allem Zichorien) bis nach dem Zweiten Weltkrieg gebräuchlicher, trotz oder wegen der im 19. Jahrhundert neu dazugekommenen Konsumentengruppen der Frauen, Arbeiter und Kinder.

Die Verarbeitung des Rohkaffees verlagerte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von den Cafetiers der Kaffeehäuser und den Haushalten vermehrt in die Grossröstereien. Neuentwicklungen kamen dazu: 1912 eröffnete die deutsche Kaffee-Handels-AG (HAG) die erste Fabrik zur Herstellung koffeinfreien Kaffees in der Schweiz. Nestlé brachte 1938 den in der Schweiz produzierten löslichen Nescafé auf den Markt. Dank dem Wirtschaftsaufschwung und dem – im Vergleich zu den anwachsenden Einkommen – relativ niedrigen Preis stieg das Genussmittel Kaffee nach dem Zweiten Weltkrieg zum Alltagsgetränk auf und verdrängte den Surrogatkaffee aus seiner Führungsposition (Nahrungs- und Genussmittelindustrie). 2002 wurden 70'624 t Kaffee (zu einem guten Viertel aus Brasilien und Kolumbien stammend) importiert, wobei dieser hauptsächlich in der Schweiz für den Inlandkonsum aufbereitet wurde. Rund 65 Röstereien belieferten den Schweizer Markt, viele davon nur die Gastronomie. Neben den beiden grössten Produzentinnen Nestlé (löslicher Kaffee) und Migros (Röstkaffee) figurieren als weitere wichtige Hersteller von Kaffeeprodukten Coop, Merkur, Kraft Jacobs Suchard und Haco. Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von ca. 8,6 kg Kaffee in den Jahren 1990-1998 lag die Schweiz im europäischen Mittelfeld.

Quellen und Literatur

  • Johann Jacobs Museum, Zürich
  • U. Heise, Kaffee und Kaffeehaus, 1987, (mit Bibl.)
  • D.U. Ball, «Aspekte zur Kaffee-Kultur in der Schweiz», in Schweizer Volkskunde 81, 1991, 2-14
  • H.J. Teuteberg, «Kaffee», in Genussmittel: ein kulturgeschichtl. Hb., hg. von T. Hengartner, C.M. Merki, 1999, 81-115, (mit Bibl.)
  • Genuss und Nüchternheit. Gesch. des Kaffees in der Schweiz vom 18. Jh. bis zur Gegenwart, hg. von R. Rossfeld, 2002
Weblinks
Kurzinformationen
Kontext Zichorie

Zitiervorschlag

Albert Pfiffner: "Kaffee", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.07.2007. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/030205/2007-07-18/, konsultiert am 29.09.2022.