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Johann GeorgVolkart

27.12.1825 Niederglatt, 29.5.1861 Bombay, reformiert, von Niederglatt. Winterthurer Kaufmann und Unternehmer im Überseehandel.

Porträts von Johann Georg Volkart. Links: mit Lilly Schönemann anlässlich ihrer Verlobung in Bombay, Daguerreotypie, um 1850, 12,9 x 9,8 cm (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich, LM-96971.9); rechts: Öl auf Leinwand von Alois Balmer, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Daguerreotypie von ca. 1850 (Winterthurer Bibliotheken, 172963).
Porträts von Johann Georg Volkart. Links: mit Lilly Schönemann anlässlich ihrer Verlobung in Bombay, Daguerreotypie, um 1850, 12,9 x 9,8 cm (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich, LM-96971.9); rechts: Öl auf Leinwand von Alois Balmer, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Daguerreotypie von ca. 1850 (Winterthurer Bibliotheken, 172963). […]

Johann Georg Volkart war der Sohn des Baumeisters Johannes Volkart und der Anna geborene Wipf sowie Bruder des Salomon Volkart. 1845 begann er eine kaufmännische Lehre bei Heinrich Fierz im Baumwolltuch- und Seidenexportgeschäft Hüni & Fierz in Horgen. Nach deren Abschluss reiste Volkart 1847 nach Bombay und arbeitete dort als Baumwolleinkäufer für das deutsche Unternehmen Huschke, Wattenbach & Co. (Handel). Bereits 1848 wurde ihm die Leitung der dortigen Niederlassung übertragen (Kaufleute). Als die Filiale in Bombay 1850 geschlossen wurde, kehrte Volkart in die Schweiz zurück. Im selben Jahr heiratete er Lilly Schönemann, Tochter des Hans Carl Schönemann, aus Braunschweig. Das Paar hatte keine Kinder.

Mit seinem Bruder Salomon Volkart gründete er 1851 von der Schweiz aus die Firma Gebrüder Volkart mit Niederlassungen in Winterthur und Bombay. Sie legten bereits bei der Gründung fest, dass Johann Georg Volkart den Sitz in Bombay leiten sollte, wohin er noch im Frühjahr zurückkehrte, während sein Bruder in Winterthur blieb. Johann Georg Volkarts Aufgabe war es, für den Absatz europäischer Konsumgüter wie Textilien, Uhren oder Schmuckwaren in Indien zu sorgen und zugleich Ausfuhraufträge für die Rohstoffe aus dieser britischen Kolonie zu erhalten (Kolonialismus). Zuerst importierte Gebrüder Volkart Kaffee, Gewürze und Kokosfasern nach Europa, in den 1860er Jahren wurde aber zunehmend Baumwolle zum wichtigsten Handelsgut des Unternehmens (Überseehandel). Aus gesundheitlichen Gründen weilte Volkart zwischen 1854 und 1856 immer wieder in Europa und nachdem er 1857 neue Filialen in Colombo und Cochin eröffnet hatte, ernannte er Henry L. Brodbeck zum Teilhaber und Leiter der Geschäfte in Indien. Daraufhin kehrte Volkart nach Winterthur zurück. Als Brodbeck 1859 verstarb, reiste Volkart abermals nach Indien und übernahm dort erneut die Leitung. Kurz vor seiner geplanten Rückkehr nach Europa verstarb er 1861. Vermutlich erlag er den ungünstigen Auswirkungen des Klimas oder einer tropischen Krankheit. Da Johann Georg Volkart bis zu seinem frühen Tod hauptsächlich in Bombay tätig gewesen war, hat er in Winterthur weit weniger Spuren hinterlassen als sein Bruder Salomon, der die Firma fortan allein weiterführte.

Quellen und Literatur

  • Stadtarchiv Winterthur, Winterthur, Firmenarchiv Gebrüder Volkart, STAW Dep 42.
  • Anderegg, Jakob: Volkart Brothers 1851-1976. A Chronicle, Bd. 1, 1979, S. 33-35 (Typoskript, Winterthurer Bibliotheken, Sondersammlung).
  • Rambousek, Walter Heinrich; Vogt, Armin; Volkart, Hans Rudolf: Volkart. Die Geschichte einer Welthandelsfirma, 1990, S. 44-45.
  • Dejung, Christof: Die Fäden des globalen Marktes. Eine Sozial- und Kulturgeschichte des Welthandels am Beispiel der Handelsfirma Gebrüder Volkart 1851-1999, 2013, S. 51-53, 175-182.
Weblinks
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VIAF
Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 27.12.1825 ✝︎ 29.5.1861

Zitiervorschlag

Christian Baertschi: "Volkart, Johann Georg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 06.03.2024. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/030962/2024-03-06/, konsultiert am 16.04.2024.