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SalomonVolkart

21.5.1816 Niederglatt, 24.12.1893 Winterthur, reformiert, von Niederglatt und ab 1853 von Winterthur. Winterthurer Kaufmann und liberaler Politiker sowie Unternehmer im Überseehandel.

Porträt von Salomon Volkart. Fotografie, 1870 (Winterthurer Bibliotheken, 172970).
Porträt von Salomon Volkart. Fotografie, 1870 (Winterthurer Bibliotheken, 172970).

Salomon Volkart war der Sohn des Baumeisters Johannes Volkart und der Anna geborene Wipf sowie Bruder des Johann Georg Volkart. Er besuchte das Landknabeninstitut in Zürich, die damals beste Primarschule für Knaben aus der Zürcher Landschaft, und 1831-1832 das angesehene Institut Hüni in Horgen, eine private Mittelschule, an der Söhne aus begüterten Landfamilien eine kaufmännische Ausbildung erhielten (Eliten). Dort freundete er sich mit Eduard Fierz an, dem Bruder von Heinrich Fierz, für den Volkart später nach Indien reisen sollte. 1832 begann er eine kaufmännische Lehre beim Zürcher Handels- und Bankhaus Caspar Schulthess & Cie. im Rechberg (Schulthess). Als Kaufmann der Olivenölfirma von Andrea Croce in Genua reiste Volkart ab 1836 kreuz und quer durch Italien. Ab 1839 arbeitete er als Kassier bei der deutschen Firma Stellinger & Co. in Neapel, bis diese 1844 durch eine Brandkatastrophe schweren Schaden erlitt. Volkart kehrte in seine Heimat zurück und unternahm 1844-1845 im Auftrag verschiedener Spinnereien und Färbereien aus der Schweiz, Italien und Österreich eine Reise über Italien, Malta und Ägypten nach Indien, um bestehende Handelskontakte zu stärken und neue zu knüpfen (Handel). Im Frühjahr 1846 stellte er sich in den Dienst der Winterthurer Färberei und Stoffdruckerei Gebrüder Greuter & Rieter (Indiennes), für die er verschiedene Geschäftsreisen in Europa tätigte (Textilindustrie). 1847 nahm er als Kavallerieoberleutnant in den Reihen der bundestreuen Zürcher Truppen am Sonderbundskrieg teil (Sonderbund). Volkart heiratete 1848 Emma Sulzberger, Tochter des Winterthurer Stadtrats und Finanzamtmanns Johann Heinrich Sulzberger. Das Paar hatte sechs Kinder.

Porträts von Salomon Volkart. Links: mit Emma Sulzberger, Daguerreotypie, um 1850, 21,5 x 16,4 cm (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich, LM-96971.1); rechts: Öl auf Leinwand von Alois Balmer, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Daguerreotypie von ca. 1850 (Winterthurer Bibliotheken, 172969).
Porträts von Salomon Volkart. Links: mit Emma Sulzberger, Daguerreotypie, um 1850, 21,5 x 16,4 cm (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich, LM-96971.1); rechts: Öl auf Leinwand von Alois Balmer, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Daguerreotypie von ca. 1850 (Winterthurer Bibliotheken, 172969). […]

Mit seinem Bruder Johann Georg Volkart gründete Salomon Volkart 1851 die Kollektivgesellschaft Gebrüder Volkart mit Niederlassungen in Winterthur und Bombay. Während sein Bruder den Handelsbetrieb in Bombay leitete, betreute Salomon Volkart die Geschäfte in Europa von Winterthur aus. Zweck der Firma war der Export europäischer Manufakturwaren (v.a. Papier, Seife, Streichhölzer, später auch Uhren, Textilien, Maschinen) nach Indien und der Import indischer Rohstoffe (v.a. Baumwolle, aber auch Öle, Tee, Kaffee, Kakao, Gewürze, Kautschuk) nach Europa (Überseehandel). Ihre guten Beziehungen zu Geschäftspartnern im In- und Ausland, ihr kaufmännisches Wissen und nicht zuletzt die wirtschaftlichen und rechtlichen Strukturen, welche Grossbritannien als Kolonialmacht in Indien etabliert hatte (Kolonialismus), nutzten die Brüder, um ihr Vermögen zu vermehren und ihr Unternehmen auszubauen (Niederlassung in London und sechs weitere Filialen auf dem Subkontinent). Nach dem Tod Johann Georg Volkarts im Jahr 1861 führte Salomon Volkart die Firma allein weiter. Er übergab 1875 die aktiven Geschäfte an seinen Sohn Georg Gottfried Volkart, blieb aber stiller Teilhaber.

Salomon Volkart galt als tatkräftiger Organisator sowie einflussreicher und ambitionierter Unternehmer, der sich nicht darauf beschränkte, seine eigene Firma zu entwickeln. Das Exportgeschäft mit Rohstoffen aus Indien setzte erhebliche und langfristige Kredite voraus. Da diese von den englischen Geschäftsbanken nur sehr restriktiv vergeben wurden, gründete Volkart mit anderen Winterthurer Kaufleuten und Industriellen 1862 die Bank in Winterthur, deren Verwaltungsrat er 1876-1883 präsidierte. Diese Bank sollte 1912 mit der Toggenburger Bank zur Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) fusionieren, die später in der UBS aufging. Volkart war zudem 1865 Mitgründer der Hypothekarbank in Winterthur, 1871 der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) und 1875 der Schweizerischen Unfallversicherungs-Actiengesellschaft in Winterthur. Politisch betätigte er sich 1866-1873 als liberaler Gross- bzw. Kantonsrat des Kantons Zürich und wirkte 1868-1869 als Verfassungsrat bei der Ausarbeitung der neuen Kantonsverfassung von 1869 mit. 1852-1871 vertrat er die freie Hansestadt Bremen als Konsul in Winterthur.

Quellen und Literatur

  • Stadtarchiv Winterthur, Winterthur, Firmenarchiv Gebrüder Volkart, STAW Dep 42.
  • Winterthurer Bibliotheken, Winterthur, Sammlung Winterthur.
  • Der Landbote, 27.12.1893.
  • Reinhart, Georg: Gedenkschrift zum fünfundsiebzigjährigen Bestehen der Firma Gebr. Volkart, 1926, S. 13-16.
  • Leibacher, Oskar: Schweizer eigener Kraft. Lebensskizzen berühmter Auslandschweizer, 1936, S. 18-22.
  • Peter, Hans: «Salomon Volkart», in: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, 6, 1956, S. 45-63.
  • Peyer, Hans Conrad: «Aus den Anfängen des schweizerischen Indienhandels. Briefe Salomon Volkarts an Johann Heinrich Fierz 1845-1846», in: Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1961, 1960, S. 107-119.
  • Anderegg, Jakob: Volkart Brothers 1851-1976. A Chronicle, Bd. 1, 1979, S. 25-32, 126-128 (Typoskript, Winterthurer Bibliotheken, Sondersammlung).
  • Rambousek, Walter Heinrich; Vogt, Armin; Volkart, Hans Rudolf: Volkart. Die Geschichte einer Welthandelsfirma, 1990, S. 41-43.
  • Dejung, Christof: Die Fäden des globalen Marktes. Eine Sozial- und Kulturgeschichte des Welthandels am Beispiel der Handelsfirma Gebrüder Volkart 1851-1999, 2013, S. 47-53, 175-182.
Weblinks
Normdateien
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VIAF

Zitiervorschlag

Christian Baertschi: "Volkart, Salomon", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 06.03.2024. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/030963/2024-03-06/, konsultiert am 13.04.2024.