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Ansichtskarten

Rigi und Pilatus, nach einer Zeichnung von Emil Nolde, um 1896 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Rigi und Pilatus, nach einer Zeichnung von Emil Nolde, um 1896 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann). […]

Am 1. Oktober 1869 führte die österreichisch-ungarische Postverwaltung in Wien die Korrespondenzkarte ein, später umbenannt in Postkarte. Ihr Erfolg war überwältigend, weil diese Karte nur das halbe Porto eines Briefes kostete und einfacher zu beschreiben war. Deutschland, Grossbritannien, Belgien und die Schweiz schlossen sich 1870 der stürmischen Entwicklung an. Geschickte Hoteliers, Bäder und Handelshäuser setzten die neuen Postkarten als Werbeträger ein. Weil die immer grösser werdenden Abbildungen die Grussbotschaften schliesslich auf den Kartenrand verdrängten, beschloss die schweizerische Oberpostdirektion 1905, die Kartenvorderseite zu halbieren. Die rechte Seite wurde der Marke, dem Stempel und der Adresse zugeteilt, die linke dagegen war der Korrespondenz vorbehalten. Diese Anordnung blieb seither unverändert. Somit entwickelte sich aus der Korrespondenz- bzw. Postkarte zuerst die Bildpostkarte und sukzessive die Ansichtskarte. Die ersten beiden Kartenarten werden bis heute ausschliesslich von der Post verkauft, da sie ein aufgedrucktes Postwertzeichen (Marke) aufweisen. Dagegen werden die Ansichtskarten privat hergestellt und vertrieben. Wie rasant sich die Neuerung in der Schweiz durchsetzte und zum eigentlichen Volksmedium avancierte, belegt die Zahl von ca. 22 Mio. Ansichtskarten, die 1902 gedruckt wurden. Solch hohe Auflagen waren nur möglich dank der Erfindung neuer Druckverfahren und Schnelldruckmaschinen. Die wichtigsten Reproduktionsverfahren zur Herstellung von Postkarten und Ansichtskarten waren: Holzschnitt, Stahlstich, Steindruck, Lichtdruck, Photochrom-, Bromsilber-, Farbraster- und Offsetdruck. Die ersten Ansichtskarten dienten Unternehmen, Hotels und Kurorten als Reklame, dann folgten Ortsansichten, Glückwünsche zu allen Anlässen, schliesslich eine Vielfalt von Motiven. Ansichtskarten waren stets auch Sammlerobjekte. Insbesondere das Bildmaterial der Ansichtskarten von 1880-1940 ist aus historischer wie aus kunsthistorischer Sicht von grosser Bedeutung.

Quellen und Literatur

  • W. Till, Alte Postkarten, 1983 (21992)
  • K. Käppeli, Schweizer Ansichtskarten 1894-1925, 1985