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Ägyptologie

Die Ägyptologie, d.h. die wissenschaftliche Erforschung der alten Hochkultur Ägyptens, etablierte sich in der Schweiz als eigene universitäre Disziplin erst Jahrzehnte nach Frankreich (Jean-François Champollion, 1831) und Deutschland (Karl Richard Lepsius, 1842), etwa gleichzeitig mit England (William Matthew Flinders Petrie, 1892). Den ersten Lehrstuhl für Ägyptologie errichtete 1891 die Universität Genf. Inhaber waren bis 1914 Edouard Naville, nach einem Unterbruch (Lehrauftrag von Georges Nagel ab 1944) seit 1950 Charles Maystre, Robert Hari und Michel Valloggia. In Genf besteht seit 1964 auch der einzige Schweizer Lehrstuhl für Koptologie (Rodolphe Kasser, bis 1997). Zweites Zentrum für Ägyptologie wurde 1957 Basel, wo Ursula Schweitzer, Siegfried Morenz und Erik Hornung lehrten; seit 2000 ist Antonio Loprieno Ordinarius für Ägyptologie. Einen ab 1890 von Johann Jakob Hess und 1923-1929 von Eugène Dévaud bekleideten Lehrstuhl für Ägyptologie und Assyrologie wies auch Freiburg auf. Hier lehrte 1968-1981 Werner Vycichl als Titularprofessor für Ägyptologie, Koptologie und hamitosemitische Sprachwissenschaft; seither besteht noch ein Lehrauftrag für Ägyptologie. An der Universität Neuenburg versah 1913-1939 Gustave Jéquier, der nach Naville bedeutendste Schweizer Ägyptologe, einen Lehrstuhl für Ägyptologie. In Zürich etablierte sich die Ägyptologie nach Johann Jakob Hess (1918-1936 Professor für orientalische Sprachen) erst wieder 1964 mit Peter Kaplony (bis 2000, seither Lehrauftrag). Die von Naville und Jéquier begründete Schweizer Feldforschung in Ägypten wird durch das 1931 von Ludwig Borchardt gegründete Schweizerische Institut für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde (Leiter ab 1938 Herbert Ricke, ab 1971 Gerhard Haeny, seit 1987 Horst Jaritz) sowie durch die Genfer Ägyptologie (u.a. auch vom Kantonsarchäologen Charles Bonnet) fortgeführt. Die grössten Sammlungen ägyptischer Kunst besitzen das Musée d'art et d'histoire in Genf und das Antikenmuseum in Basel. Der Ägyptologie widmen sich namentlich auch die Genfer Société d'Égyptologie und die Schweizerische Gesellschaft für orientalische Altertumswissenschaft. Auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts erfreute sich die Ägyptologie grosser Beliebtheit: Die Ausstellung über Tutanchamun mit 120 Objekten aus Kairo im Antikenmuseum Basel zog 2004 über 600'000 Besucher an.

Quellen und Literatur

  • E. Staehelin, «Die schweiz. Ägyptologie», in Göttinger Misz. 17, 1975, 9-13
  • E. Staehelin, «Die Ägyptologie in der Schweiz», in Die Afrika-Forschung in der Schweiz, hg. von H. Huber, 1976, 150-164
  • W.R. Dawson et al., Who was Who in Egyptology, 31995
  • J.-L. Chappaz, S. Poggia, Collections égyptiennes publiques de Suisse, 1996
  • A. Küffer, R. Siegmann, Unter dem Schutz der Himmelsgöttin, 2007
Weblinks

Zitiervorschlag

Thomas Schneider: "Ägyptologie", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.10.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/040320/2010-10-13/, konsultiert am 05.12.2022.