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KarlJaspers

23.2.1883 Oldenburg (Niedersachsen), 26.2.1969 Basel, reformiert, ab 1967 von Basel. Sohn des Carl, Amtshauptmanns und späteren Bankdirektors, und der Henriette geborene Tantzen. 1910 Gertrud Mayer, aus einer jüdischen Familie. Karl Jaspers besuchte die Schulen in Oldenburg. 1901 begann er das Studium der Jurisprudenz in Freiburg im Breisgau und München, brach es aber ab und studierte ab 1902 Medizin und Psychologie in Berlin, Göttingen und Heidelberg. 1909 promovierte er zum Dr. med. an der Psychiatrischen Uniklinik Heidelberg und 1913 habilitierte er in Psychologie an der Universität Heidelberg. Dort wirkte er ab 1916 als Professor für Psychologie und ab 1921 als Professor für Philosophie, bis er 1937 von den Nationalsozialisten seines Amts enthoben wurde. Nach den Jahren der inneren Emigration – ab 1943 unterstand er einem Publikationsverbot – erfolgte 1945 die Wiedereinsetzung. 1948-1961 war er schliesslich Professor für Philosophie an der Universität Basel. 1947 erhielt er den Goethepreis und 1958 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Jaspers durchlebte als Erwachsener zwei Weltkriege. Der Erste Weltkrieg führte ihn zu seiner Philosophie – die erst im Nachhinein und unter seinem Protest einer Form der deutschen Existenzphilosophie zugeordnet wurde – der Zweite Weltkrieg zur Geschichtsphilosophie, in der er mit Hilfe des Begriffs der "Achsenzeit" ein Konzept von Weltgeschichte auf empirischer Basis entwarf. In der Nachkriegszeit bis zu seinem Tod nahm Jaspers immer wieder in kritischer Weise Stellung zu politischen Fragen seiner Zeit. In allen philosophischen Disziplinen bestach er durch Originalität, moralische Integrität und intellektuelle Redlichkeit. Ihnen verdankte er den Ruf an die Basler Universität, den er mit der Begründung annahm, hier fände er die freiheitlich-bürgerlichen Bedingungen für seine weitere philosophische Arbeit vor.

Jaspers' Philosophie ist geprägt von der Erfahrung der eigenen Begrenztheit auf Grund seiner Lungenerkrankung, aber auch von der Begrenztheit naturwissenschaftlicher Welt- und Menschenerklärung: Freiheit lässt sich empirisch nicht beweisen. Diese Erfahrung bildet den Ausgangs- wie Endpunkt seines Denkweges, der, von der Psychopathologie des einfühlenden Verstehens ("Allgemeine Psychopathologie" 1913) ausgehend, in seinem dreibändigen Hauptwerk "Philosophie" (1932) gipfelnd, schliesslich in der Mahnung im Umgang mit moderner Technik politisch seinen Ausdruck fand. ("Die Atombombe und die Zukunft des Menschen" 1958). Jaspers' Denken ist ab 1933 zusätzlich geprägt durch die Erfahrung, dass Freiheit nur in dem Masse ist, in dem alle frei sind: politische Freiheit bedingt die existenzielle.

Entsprechend kritisierte Jaspers in der Folgezeit jede Form von Totalitarismus und verliess Basel auch nach seiner Emeritierung 1961 nicht mehr, da er sich in der Bundesrepublik der 1960er Jahre politisch nicht beheimatet wusste ("Wohin treibt die Bundesrepublik?" 1966).

Jaspers begründete keine Schule. Seine ausgefeilte Systematik und umfassende Synthetik, seine Weltoffenheit, Sensibilität und Orientierung am Detail machen insbesondere seine Spätphilosophie ab 1958 zum ersten Versuch einer "Weltphilosophie", in der sich alle Schulen überwinden sollen und sich selbst die europäische Philosophie zur Welt hin öffnen und zur Diskussion stellen soll. Die Bedingung der Möglichkeit dieser Diskussion liegt Karl Jaspers zufolge in der Grundfrage nach der Kommunikationsfähigkeit der einzelnen Wahrheitsansprüche verschiedener Völker: Wurzeln sie in einem "philosophischen Glauben", der Freiheit will, kann Kommunikation prinzipiell gelingen, und sich Wahrheit als das uns Verbindende zeigen.

Quellen und Literatur

  • Primärbibl. der Schr. Karl Jaspers', hg. von C. Rabanus, 2000
  • Dt. Literaturarchiv Marbach, Nachlass
  • H. Arendt, Karl Jaspers, 1958
  • K. Salamun, Philosophie, Erziehung, Univ., 1995
  • H. Saner, Karl Jaspers, 1996
  • G. Treiber, Philosophie der Existenz, 2000
  • Karl Jaspers' Philosophie, hg. von R. Wisser et al., 2003
Weblinks
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VIAF

Zitiervorschlag

Nicolas Füzesi: "Jaspers, Karl", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.01.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/041197/2008-01-29/, konsultiert am 07.02.2023.