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Contraves

Contraves in Seebach-Glattbrugg (Opfikon). Luftbilder von Werner Friedli, 1958, und der Zürcher Comet Photo AG, 1966 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, LBS_H1-021382 und Com_F66-07746).
Contraves in Seebach-Glattbrugg (Opfikon). Luftbilder von Werner Friedli, 1958, und der Zürcher Comet Photo AG, 1966 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, LBS_H1-021382 und Com_F66-07746).

Rüstungs- und Hightechunternehmen mit Schwerpunkt in den Bereichen militärische Verteidigung, zivile Elektronik und Raumfahrt.

Die Contraves wurde 1936 im zürcherischen Erlenbach vom Physiker Fritz Fischer und vom Mathematiker und Ballistikexperten Hans Brändli als Studiengesellschaft für artilleristische Fliegerabwehr (contra aves) gegründet. Zu Beginn ihrer Geschäftstätigkeit stand sie im Verbund mit der Société genevoise d'instruments de physique (SIP), dem Zürcher Elektrotechnikunternehmen Albiswerk (Siemens-Albis) sowie der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (WO, Oerlikon-Bührle) unter der Leitung des Industriellen Emil Georg Bührle. Dieser trat 1942 die Nachfolge des Politikers und Geschäftsmanns Heinrich Roman Abt an der Spitze des Verwaltungsrats an und gliederte das Unternehmen am Ende des Zweiten Weltkriegs vollständig in die WO ein. Während des Kalten Kriegs expandierte die Contraves dank neu entwickelter Entfernungsmesser, Feuerleitsysteme, Radargeräte zur Flugabwehr (System Fledermaus) sowie Boden-Luft- und Boden-Boden-Raketen (Panzerabwehrlenkwaffe Mosquito, Waffenproduktion und Waffenhandel). Um ausländische Märkte (insbesondere in Nato-Ländern) zu erschliessen und den durch die Schweizer Neutralität gegebenen Handelsschranken auszuweichen, eröffnete sie Anfang der 1950er Jahre ein Montagewerk in Schweden sowie die Tochtergesellschaft Contraves Italiana in der Nähe von Rom. Letztere zählte 1960 bereits 650 Angestellte, gegenüber gut 1000 am Stammsitz in Zürich-Seebach. Ende der 1960er Jahre geriet die Contraves wegen illegaler Waffenausfuhr nach Südafrika und Nigeria unter Konzernchef Dieter Bührle in die Kritik. Neben der Rüstung wurde Contraves auch in der zivilen Elektronik (Messgeräte) und in der Medizinaltechnik tätig und beteiligte sich am europäischen Raumfahrtprogramm (Entwicklung von Satelliten, Montage von Teilen der Ariane-Trägerraketen). Mit dem Feuerleitsystem Skyguard trug das Unternehmen zum internationalen Erfolg der 35-mm-Fliegerabwehr-Kanone der Oerlikon-Bührle-Gruppe bei.

Armeeschulung mit Contraves-Flugabwehrsystem auf dem Militärflugplatz Meiringen. Links: Zwei Feuerleitgeräte 75 Skyguard und eine 35-mm-Flab-Kanone 63 mit einem Soldaten am optischen Zielzuweisungsgerät im Vordergrund. Rechts: eine 35-mm-Flab-Kanone 63, links dahinter ein getarntes Feuerleitgerät 75 Skyguard. Fotoreportage der Zürcher Comet Photo AG, 1979 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Bestand Comet Photo AG, Com_LC1690-001-010 und -011).
Armeeschulung mit Contraves-Flugabwehrsystem auf dem Militärflugplatz Meiringen. Links: Zwei Feuerleitgeräte 75 Skyguard und eine 35-mm-Flab-Kanone 63 mit einem Soldaten am optischen Zielzuweisungsgerät im Vordergrund. Rechts: eine 35-mm-Flab-Kanone 63, links dahinter ein getarntes Feuerleitgerät 75 Skyguard. Fotoreportage der Zürcher Comet Photo AG, 1979 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Bestand Comet Photo AG, Com_LC1690-001-010 und -011).

Der kommerzielle Misserfolg des Lenkwaffensystems Adats (Air Defense Anti Tank System) in den 1980er Jahren liess sich auch durch den 1989 erfolgten Zusammenschluss zur Oerlikon-Contraves-Gruppe mit den beiden Standbeinen Raumfahrt (Oerlikon Contraves Space) und Wehrtechnik (Oerlikon Contraves Defence) nicht wettmachen; mit dem Ende des Kalten Kriegs spitzte sich die Lage weiter zu. Die Firma beschäftigte 1998 über 2445 Personen (bei einem Umsatz von 601 Mio. Franken), 2002 waren es gut 1700 (Umsatz 331,7 Mio. Euro). Nach verschiedenen Sanierungsversuchen übernahm 1999 die deutsche Rheinmetall-Gruppe den Rüstungsbereich der Oerlikon-Contraves; die Raumfahrtabteilung ging 2009 an die Schweizer Ruag-Space-Gruppe (Rüstungsbetriebe), die 2021 in Beyond Gravity umbenannt wurde.

Quellen und Literatur

  • Zentralarchiv der Rheinmetall AG, Wuppertal und Haan.
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Thomas Gmür; Matthieu Leimgruber: "Contraves", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.05.2023, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/041809/2023-05-23/, konsultiert am 14.07.2024.