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KlaraWendel

1804, 29.10.1884 St. Urban (Gem. Pfaffnau), kath., heimatlos. 1824 wurde W. in Einsiedeln wegen Diebstahls festgenommen und nach Luzern überführt. Ihre Denunziationen führten zur sog. Richterswiler Konferenz, die erstmals eine interkant. Koordination zur Verfolgung entwurzelter Menschen ("Gauner") beschloss. W.s zuerst beiläufige, später aufgrund zweifelhafter Verhörmethoden ausgeschmückte Aussage während des sog. Gaunerprozesses 1824-26, der aufgeklärte Luzerner Schultheiss Franz Xaver Keller, der 1816 tot in der Reuss gefunden worden war, sei auf Anstiftung kirchenfreundl. Kreise ermordet worden, löste eine erneute Untersuchung und eine polit. Affäre aus, welche die Differenzen innerhalb der Luzerner Aristokratie zutage treten liess. W. wurde zu einer zwölfjährigen erschwerten Zuchthausstrafe verurteilt. Anschliessend durfte sie das Stadtgebiet Luzerns bis an ihr Lebensende nicht verlassen, was ihr 1839 erlassen wurde. Es folgten Jahre ohne festen Wohnsitz, mehrere Aufenthalte in der Sentianstalt und rund 20 Unterstützungsgesuche an den Luzerner Armen- und Waisenrat, denen stattgegeben wurde. 1862 liess sich W. in Malters nieder, wo sie bis zur Einweisung in die Irrenanstalt St. Urban 1883 lebte.

Quellen und Literatur

  • G. Widmer, Clara W., 1983
  • B. Baur, Vom "Gaunerwesen" zur "Heimatlosenfrage", Liz. Basel, 1990
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 1804 ✝︎ 29.10.1884
Systematik
Politik (1848-)