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JohannesKünzle

3.9.1857 Hinterespen (Gem. Tablat), 7.1.1945 Zizers, kath., von Gossau (SG). Sohn des Johann, Bauern und Gärtners, und der Anna Maria geb. Fürer. Kollegien in St. Gallen und ab 1874 in Einsiedeln. 1877-80 Theologiestud. in Löwen, bischöfl. Seminar in St. Gallen, 1881 Primiz. Seelsorger in mehreren Gem. St. Gallens und der übrigen Ostschweiz. K. wirkte 1909-20 in Wangs nebenbei als "Kräuterpfarrer". Nach dem kirchl. Verbot seiner Praxis gab er seine Pfarrerstelle dort 1920 auf und machte seine Nebentätigkeit zum Hauptberuf. Seine persönl. Apotheke einheim. Wildpflanzen entwickelte er in Zizers zu einem grösseren Unternehmen. Die Ärzteschaft erreichte ein gerichtl. Verbot seiner Praxis, aber K. gewann 1922 eine landesweit beachtete Abstimmung über die Zulassung der Naturheilpraxis in Graubünden, weshalb das entsprechende Gesetz als "Lex K." bezeichnet wurde. Das Werk "Chrut und Uchrut" (über zwei Mio. Exemplare, u.a. ital., franz. und rätorom. Übersetzungen) machte ihn 1911 berühmt. Von seinem 1945 erschienenen "Grossen Kräuterheilbuch" wurden über 250'000 Stück verkauft, sein "Volkskalender" (ab 1918) erreichte Auflagen von bis zu 200'000 Exemplaren. Theologisch war K. ein Antimodernist, politisch sympathisierte er mit den autoritären Regimes seiner Zeit. Das Produktionszentrum der Parerba SA, die seit 2000 Kräuter Pfarrer Künzle AG heisst und Teil der Ars Vitae AG ist, befindet sich heute in Quartino.

Quellen und Literatur

  • Pfarrer K.s Volkskal. 36, 1957, 61-64
  • C. Abbondio-Künzle, Gedenkschr. zum 100. Geburtstag des Chrüterpfarrers Johann K., 1857-1945, 1957
  • P. Egloff, «Joh. K., Pfr.», in Neu-Splügen wurde nicht gebaut, 1987, 50-72
  • Ostschweizer Erfinder und Pioniere, Ausstellungskat. St. Gallen, 1988
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Lebensdaten ∗︎ 3.9.1857 ✝︎ 7.1.1945