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SamuelSchmid

8.1.1947 Rüti bei Büren, reformiert, von Attiswil. Jurist, Berner National- und Ständerat, Bundesrat der Schweizerischen Volkspartei, später der Bürgerlich-Demokratischen Partei.

Samuel Schmid (links), neuer Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, und der Generalstabschef Hans-Ulrich Scherrer stellen der Presse das Leitbild der Armee XXI vor. Fotografie vom 27. Februar 2001 © KEYSTONE / Lukas Lehmann.
Samuel Schmid (links), neuer Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, und der Generalstabschef Hans-Ulrich Scherrer stellen der Presse das Leitbild der Armee XXI vor. Fotografie vom 27. Februar 2001 © KEYSTONE / Lukas Lehmann.

Samuel Schmid, Sohn des Dorflehrers und Gemeindepräsidenten Heinrich Schmid und der Gertrud geborene Anderegg, wuchs in Rüti im Berner Seeland zusammen mit zwei Brüdern auf und besuchte nach der Volksschule das Gymnasium in Solothurn. 1971 heiratete Schmid die Lehrerin Verena Ramser, Tochter des Bankprokuristen Willi Ramser, mit der er drei Söhne hat. Er studierte an der Universität Bern Rechtswissenschaften und schloss 1973 als Fürsprecher ab. Anschliessend arbeitete er in einem Berner Anwaltsbüro und eröffnete nach erfolgreicher Notariatsausbildung 1978 mit 31 Jahren eine eigene Advokatur in Lyss. Im Militär stieg er bis zum Oberst auf und kommandierte 1993-1996 ein Infanterieregiment.

Bereits mit 17 Jahren trat Schmid der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), der späteren Schweizerischen Volkspartei (SVP), bei. 1972 wurde er in den Gemeinderat von Rüti gewählt, dem er 1974-1982 als Gemeindepräsident vorstand. Er gehörte 1982-1993 dem Grossen Rat des Kantons Bern an und war als Präsident der Verfassungskommission massgeblich an der Totalrevision der inhaltlich gründlich erneuerten Berner Verfassung beteiligt. Politisch stand er lange im Schatten seines sechs Jahre älteren Bruders Peter Schmid, der von 1979 bis 1998 Regierungsrat des Kantons Bern war.

Obwohl Samuel Schmid Präsident des bernischen Gewerbeverbands war, landete er bei den Nationalratswahlen 1991 nur auf einem Ersatzplatz. Erst 1994 rückte er in den Rat nach und wirkte dort namentlich bei der Reform der Bundesverfassung und den bilateralen Verträgen mit der Europäischen Gemeinschaft (EG) mit. Schmid befürwortete zwar den UNO-Beitritt, hob sich in finanz-, wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen aber kaum von den Standpunkten des Zürcher SVP-Flügels ab, indem er sich beispielsweise gegen die Einführung einer Mutterschaftsversicherung stellte. Seine Positionierung, die zurückhaltende Art und der Wille zum Konsens verhalfen ihm längerfristig zu mehr Gewicht innerhalb der SVP-Fraktion, die er 1998-1999 präsidierte. 1999 folgte seine Wahl in den Ständerat. 

Als Bundesrat Adolf Ogi im Oktober 2000 seinen Rücktritt bekannt gab, stellte die seit 1930 fast immer im Bundesrat vertretene Berner SVP Schmid als ihren Kandidaten auf. Die SVP-Fraktion nominierte die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer und den Thurgauer Regierungsrat Roland Eberle, die dem dominant gewordenen Zürcher Flügel der SVP unter Christoph Blocher näherstanden als Schmid. Am 6. Dezember 2000 wählte die Vereinigte Bundesversammlung Schmid im sechsten Wahlgang mit 121 Stimmen in die Landesregierung; ausschlaggebend dabei waren die Stimmen aus anderen Fraktionen. Weitere Stimmen erhielten der Aargauer Ulrich Siegrist und Rita Fuhrer.

Der Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport Samuel Schmid besucht die Swisscoy im Kosovo. Bericht in der Tagesschau-Hauptausgabe des Fernsehens der deutschen Schweiz vom 2. April 2001 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF).
Der Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport Samuel Schmid besucht die Swisscoy im Kosovo. Bericht in der Tagesschau-Hauptausgabe des Fernsehens der deutschen Schweiz vom 2. April 2001 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF). […]

Schmid übernahm 2001 von Bundesrat Ogi die Leitung des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). In seinem Kampf für eine Modernisierung und Professionalisierung von Armee und VBS stand er oft zwischen den Traditionalisten und den Armeegegnern (Gruppe Schweiz ohne Armee, GSoA). Das Reformprojekt Armee XXI, das eine Reduktion der Truppenstärke auf 100'000-120'000 Armeeangehörige, einen Verzicht auf die Führungsebenen Regiment und Korps, die Möglichkeit des Durchdienens sowie Beiträge zur Friedensunterstützung im Ausland vorsah, fand 2003 klare Mehrheiten bei Parlament und Volk (76% Ja-Stimmen). Turnusgemäss wurde er 2005 Bundespräsident.

Konflikte mit der SVP überschatteten seine Amtszeit als Bundesrat; diese wurden jeweils nur scheinbar beigelegt, ohne jedoch die internen Differenzen zu überwinden. 2002 bezeichnete Nationalrat Christoph Blocher Schmid als «halben SVP-Bundesrat», weil er von den anderen Parteien ausgewählt worden sei. Nach der Abwahl von Bundesrat Blocher und Schmids Weigerung, zurückzutreten, eskalierte 2007 der Zwist und Letzterer wurde von den Sitzungen der SVP-Fraktion ausgeschlossen. Daraufhin trat Schmid mit seiner Ortssektion Rüti der neu gegründeten Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) bei. Diese verfügte fortan mit ihm und der anstelle von Blocher gewählten Eveline Widmer-Schlumpf über zwei Sitze in der Landesregierung, während die SVP als wählerstärkste Partei für knapp zwei Jahre keinen Bundesrat mehr stellte. 

Samuel Schmid und Eveline Widmer-Schlumpf an der Gründungsversammlung der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) in Glarus. Fotografie vom 1. November 2008 (KEYSTONE / EQ IMAGES / Urs Bucher, Bild 335056404)
Samuel Schmid und Eveline Widmer-Schlumpf an der Gründungsversammlung der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) in Glarus. Fotografie vom 1. November 2008 (KEYSTONE / EQ IMAGES / Urs Bucher, Bild 335056404) […]

Schmids Position war schwach, weil seine frühere Partei die meisten Vorlagen aus seinem Departement bekämpfte. Nachdem im Sommer 2008 auch noch ein Führungsfehler von ihm publik geworden war – er hatte den Gesamtbundesrat nicht informiert, dass gegen den von ihm vorgeschlagenen Chef der Armee, Roland Nef, eine Strafuntersuchung im Gange war –, gab der auch gesundheitlich angeschlagene Schmid am 12. November 2008 seinen Rücktritt per Ende Jahr bekannt. Nach seinem Abgang zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, unterstützte die BDP lediglich noch als Berater und präsidierte 2011-2020 die Winterhilfe Schweiz. 2017 trat er als Leiter der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) erneut ins Rampenlicht, als die Dopinguntersuchung an den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 zu einer Sperre Russlands für die Spiele in Pyeongchang 2018 führte.

Im Rückblick bilanzierte der Berner Bund 2017, dass der bodenständige Bundesrat mit einem guten Draht zur Bevölkerung zwar alle seine Volksabstimmungen gewonnen sowie die Armee gegen grossen Widerstand verkleinert und modernisiert habe, er nach seinem Rücktritt aber primär als tragische Figur in Erinnerung geblieben sei. Der bedächtige Konkordanzpolitiker war in eine Zeit der Polarisierungen geraten, denen er sich nicht entziehen konnte. Samuel Schmid erhielt 2009 von seiner Wohngemeinde Rüti bei Büren die Ehrenbürgerschaft.

Quellen und Literatur

  • Samuel Schmid: Mein Leben, 2020
  • Das Magazin, 15.2.2003.
  • Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2004.
  • Hubacher, Helmut: Aktenzeichen CH. Micheline, Moritz, Merz + Co, 2004, S. 85-96.
  • Der Bund, 7.12.2017.
  • Feuz, Patrick: «Samuel Schmid», in: Altermatt, Urs (Hg.): Das Bundesratslexikon, 2019, S. 666-672.
Weblinks
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VIAF

Zitiervorschlag

Diego Hättenschwiler: "Schmid, Samuel", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.03.2022. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043244/2022-03-22/, konsultiert am 23.05.2022.