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Agnelli

Ab dem 17. Jahrhundert belegte Verleger- und Druckerfamilie aus Mailand. 1746 nahmen die Gebrüder Gian Battista, Federico und Antonio in Lugano die erste "privilegierte" Druckerei in den Tessiner Vogteien in Betrieb, nachdem ihnen die Eidgenossen 1745 ein Druckereimonopol für 20 Jahre gewährt hatten. In Mailand leitete Antonio weiterhin das Familienunternehmen, sorgte aber gleichzeitig für den Vertrieb der in Lugano verlegten Schriften. Der Abt Gian Battista war bis zu seinem Tode (1788) Redaktor der Wochenschrift Nuove di diverse corti e paesi, die dank seinen Beziehungen zu politischen Führungskreisen verschiedener italienischer Staaten zu einer der meistverbreiteten italienischer Zeitungen wurde. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Lugano zum nach Venedig wichtigsten Erscheinungsort antijesuitischer Druckerzeugnisse. Dies brachte den Agnelli einerseits rechtliche Probleme mit der Eidgenossenschaft, andererseits wurden ihre Publikationen vom italienischen Markt ausgeschlossen. Nach dem Tode von Gian Battista brach zwischen dem Luganer und dem Mailänder Zweig der Familie ein erbitterter Erbstreit aus, der zum Bruch führte. In der Folge mussten die Agnelli von Lugano ein eigenes Vertriebsnetz auf dem italienischen Markt aufbauen. Federicos Sohn Giuseppe und sein Neffe Federico der Jüngere eröffneten in Mailand eine Zweigniederlassung. Von 1789 an nahm die Druckerei eine betont profranzösische Haltung ein und wurde zu einem wichtigen Kanal für Übersetzung, Druck und Verbreitung der für Italien bestimmten revolutionären Propaganda. Während der antifranzösischen Unruhen in Lugano von 1799 wurde die Druckerei zerstört und geplündert; danach verweigerte die provisorische Regierung die Erlaubnis zur Wiedereröffnung. Dies veranlasste die Agnelli, definitiv nach Mailand überzusiedeln, allerdings unter Beibehalt geschäftlicher Interessen und Beziehungen zu Lugano wie auch des dortigen Immobilienbesitzes.

Quellen und Literatur

  • A. Gaggioni, «Le vicende politiche della tipografia dei fratelli Agnelli, 1745-1799», in AST 7, 1961, 317-340
  • C. Caldelari, «Un libro chiave per la storia del giansenismo italiano stampato e presentato da Giovan Battista Agnelli», in AST 12, 1962, 575-582
  • U. Fink, Die Luzerner Nuntiatur 1586-1873, 1997, 283-288
  • C. Caldelari, Bibliografia luganese del Settecento, 1999
Weblinks
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Zitiervorschlag

Fabrizio Mena: "Agnelli", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.04.2001, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043594/2001-04-09/, konsultiert am 17.08.2022.