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AnnaPestalozzi-Schulthess

9.8.1738 Zürich, 11.12.1815 Yverdon, reformiert, von Zürich. Hausmutter, Finanzverwalterin und Geldgeberin der Pestalozzi-Institute.

Porträt von Anna Pestalozzi-Schulthess. Öl auf Leinwand (104,5 x 86,0 cm mit Rahmen) von Georg Friedrich Adolph Schöner, 1804 (Aargauer Kunsthaus, Aarau; Fotografie Jörg Müller).
Porträt von Anna Pestalozzi-Schulthess. Öl auf Leinwand (104,5 x 86,0 cm mit Rahmen) von Georg Friedrich Adolph Schöner, 1804 (Aargauer Kunsthaus, Aarau; Fotografie Jörg Müller).

Anna, genannt Nanette, Schulthess war das erste Kind des Kaufmanns Hans Jakob Schulthess (1711-1789) und seiner Frau Anna Holzhalb (1711-1781). Mit ihren fünf jüngeren Brüdern wuchs sie in einem angesehenen und vermögenden Haushalt auf. Im elterlichen Geschäft, einem Zuckerbäckerladen im Haus «Zum Pflug» am Rüdenplatz in Zürich, half sie mit und erwarb sich dadurch zusätzlich zum Schulwissen kaufmännische Fähigkeiten, die ihr später zugutekamen. Nach dem frühen Tod des gemeinsamen Freundes Johann Kaspar Bluntschli, genannt Menalk, begann 1767 das leidenschaftliche Werben Johann Heinrich Pestalozzis um die Hand Annas gegen den vehementen Widerstand ihrer Eltern. Davon zeugt eindrücklich der heimliche Briefwechsel bis zu ihrer Hochzeit am 30. September 1769 in Gebenstorf. Am 18. August 1770 wurde Hans Jakob Pestalozzi geboren, der nach dem Idol Jean-Jacques Rousseau Jacqui gerufen wurde.

Mit geliehenem Geld kaufte Johann Heinrich Pestalozzi Land bei Birr und liess den Neuhof bauen, wo ab 1774 die ersten Kinder in die Armenanstalt einzogen. Anna Pestalozzi kümmerte sich um das gesamte Hauswesen, die Finanzen und unterrichtete die Mädchen in Hausarbeiten und im Spinnen. Ihre Mitgift, die sie erst nach der Geburt des Sohnes erhielt, trug wesentlich zur Finanzierung des Neuhofs bei. Rund 50 Personen wohnten und arbeiteten auf dem Neuhof, darunter 37 Kinder. 1778 steckte Anna Pestalozzi erneut Geld aus dem Familienvermögen der Schulthess in die Armenanstalt, obwohl ihr klar war, dass der Neuhof nie florieren würde. 1780 war alles Geld aufgebraucht, die Armenanstalt am Ende und der Neuhof überschuldet. Auch andere Projekte, das Waisenhaus in Stans und das Institut in Burgdorf, scheiterten, aber immer konnte Johann Heinrich Pestalozzi auf die tatkräftige und moralische Unterstützung seiner Frau zählen.

1807 übersiedelte Anna Pestalozzi, bald siebzigjährig, nach Yverdon, wo ihr Mann im Schloss ein neues Institut aufbaute, das Schüler und Schülerinnen aus ganz Europa besuchten. Anna Pestalozzi war der ruhende Pol des Instituts. Als dieses 1813 vor dem Ruin stand, rettete sie es mit einem Teil ihrer Erbschaft. 1815 starb Anna Pestalozzi nach kurzer Krankheit im Schloss in Yverdon.

Spendenaufruf für ein neues Grab von Anna Pestalozzi-Schulthess in der Schweizerischen Lehrerinnen-Zeitung, 20. Januar 1927 (ETH-Bibliothek Zürich, e-periodica) und Aufnahme des Grabs auf dem Friedhof von Yverdon-les-Bains (Centre de documentation et de recherche Pestalozzi, Yverdons-les-Bains).
Spendenaufruf für ein neues Grab von Anna Pestalozzi-Schulthess in der Schweizerischen Lehrerinnen-Zeitung, 20. Januar 1927 (ETH-Bibliothek Zürich, e-periodica) und Aufnahme des Grabs auf dem Friedhof von Yverdon-les-Bains (Centre de documentation et de recherche Pestalozzi, Yverdons-les-Bains). […]

Quellen und Literatur

  • Pestalozzi, Johann Heinrich: Sämtliche Briefe, Bde. 1-2, bearb. von Emanuel Dejung, Hans Stettbacher, 1946 (Briefe an und von Anna Schulthess 1767/1769).
  • Hager, Fritz-Peter; Tröhler, Daniel (Hg.): Anna Pestalozzis Tagebuch, 1993, S. 5-72 (Neue Pestalozzi-Studien, 1).
  • Schifferle, Dagmar; Klaas Meilier, Brigitta (Hg.): Meine getreue Schulthess. Aus dem heimlichen Briefwechsel zwischen Anna Schulthess und Heinrich Pestalozzi, 1996.
  • Silber, Käte: Anna Pestalozzi-Schulthess und der Frauenkreis um Pestalozzi, 1932.
  • Centre de documentation et de recherche Pestalozzi (Hg.): Anna Pestalozzi-Schulthess, 1986 (Broschüre).
  • Eikenbusch, Gerhard: Wie eine Feder im Flug. Vermutungen über Johann Heinrich, Jacques und Anna Pestalozzi, 1989.
  • Schifferle, Dagmar: Anna Pestalozzi-Schulthess, 1738-1815. Ihr Leben mit Heinrich Pestalozzi, 1998.
  • Centre de documentation et de recherche Pestalozzi (Hg.): Anna Pestalozzi... née Schulthess. A l’occasion du bicentenaire de sa mort, 2015.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF
Kurzinformationen
Variante(n)
Anna Pestalozzi (Ehename)
Anna Schulthess (Taufname)
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 9.8.1738 ✝︎ 11.12.1815

Zitiervorschlag

Widmer, Maya: "Pestalozzi-Schulthess, Anna", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 17.09.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043924/2020-09-17/, konsultiert am 26.11.2020.