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Deutscher Bund

Auf dem Wiener Kongress im Juni 1815 gegr. Zusammenschluss dt. Einzelstaaten zu einem Staatenbund. Der aus 39 Mitgliedern bestehende D. zerbrach 1866 am preuss.-österr. Krieg. Neben den dt. Fürsten (inkl. Fürstentum Liechtenstein) gehörten dem D. auch die Könige von Dänemark (für Holstein und Lauenburg), Grossbritannien (für Hannover) und der Niederlande (für Luxemburg und Limburg) an. Österreich und Preussen waren nur mit einem Teil ihres Staatsgebietes dem D. angegliedert. Einziges Bundesorgan war der Bundestag in Frankfurt, der als ständiger Gesandtenkongress unter österr. Vorsitz zusammentrat. Für wichtige Entscheide konnte er zur Bundesversammlung erweitert werden. Im Kriegsfall sollte ein Bundesheer aus Kontingenten der Einzelstaaten den Schutz übernehmen. Der österr. Staatskanzler Metternich bestimmte weitgehend die Politik des D.s.

Die Restauration des monarchisch-konservativen Systems wirkte sich ab 1815 auch auf die Schweiz aus. Von den Karlsbader Beschlüssen (1819) bis zur Aufhebung des 2. Fremdenkonklusums (1838) bestand ein wesentl. Teil der Aussenpolitik der Tagsatzung in der Bearbeitung von Beschwerden der Grossmächte, insbesondere des D.s, gegen die zahlreichen Emigranten in der Schweiz. 1822 mischte sich Metternich in die inneren Angelegenheiten der Eidgenossenschaft ein, um gegen die Aufnahme polit. Flüchtlinge zu protestieren. Die Tagsatzung beschloss daraufhin im Juli 1823 das Presse- und Fremdenkonklusum, das die Pressefreiheit und die bisherige grosszügige Handhabung der Asylpolitik einschränkte. 1836 erliess die Tagsatzung ein neues Fremdenkonklusum. Diesmal waren die als Geheimbünde wirkenden deutschen Arbeitervereine ausschlaggebend für diplomat. Interventionen des D.s.

Das Vorgehen der radikal-liberalen Mehrheit im Krieg von 1847 gegen den kath.-konservativen Sonderbund sah Metternich im Lichte der Auseinandersetzung zwischen den Tendenzen der Revolution und der Erhaltung. Er suchte die Solidarität der europ. Mächte, um eine Intervention zugunsten der konservativen Kräfte zu erreichen, scheiterte jedoch. Der schnelle Sieg der eidg. Truppen über den Sonderbund liess keine militärische Einmischung mehr zu. Die Spannungen in den polit. Beziehungen zwischen der Schweiz und den dt. Staaten erhöhten sich mit dem Badischen Aufstand von 1848-49. Daran beteiligten sich auch republikanisch gesinnte dt. Emigranten in der Schweiz, die seit längerem zu Schweizer Liberalen Kontakte gepflegt hatten. Zudem benutzten die in Süddeutschland kämpfenden Freischärler die Schweiz als Basis für ihre Aktionen. In der Folge kam es zu Grenzbesetzungen durch preuss. Interventionstruppen. Mehrere tausend Soldaten der regulären badischen Armee, die sich der Revolution angeschlossen hatten, flüchteten in die Schweiz. Österreich war jedoch nicht bereit, eine Allianz mit Preussen zur Massregelung der Schweiz einzugehen. Um Schlimmeres abzuwenden, liess der Bundesrat die Hauptverantwortlichen aus der Schweiz ausweisen. 1851 hob der Deutsche Zollverein wegen der Flüchtlingspolitik des Bundes die der Schweiz in den 1830er Jahren zugestandenen Zollerleichterungen auf.

Im Neuenburgerhandel war der D. nicht bereit, die preuss. Ansprüche militärisch mitzutragen. Er billigte einzig die Forderung Preussens nach Einstellung des Verfahrens gegen die aufständischen Royalisten in Neuenburg und gestand dessen Truppen das Recht zum Durchmarsch in die Schweiz zu. Dieses Verhalten lag in der Struktur und den Grundgesetzen des D.s begründet, der mit einer Ausnahme in allen aussenpolit. Krisen neutral blieb und sich insbesondere weigerte, sein politisches und militärisches Potential zur Wahrung der Interessen Österreichs und Preussens in deren nicht zum D. gehörigen Provinzen einzusetzen.

Quellen und Literatur

  • DDS 1-2
  • Qu. zur Gesch. des D.s. 3/2, 1998
  • K. Urner, Die Deutschen in der Schweiz, 1976
  • T. Schieder, Vom D. zum Dt. Reich 1815-1871, 1991
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