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HermannStaudinger

In seinem Labor für organische Chemie an der ETH Zürich, um 1916 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv).
In seinem Labor für organische Chemie an der ETH Zürich, um 1916 (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv).

23.3.1881 Worms, 8.9.1965 Freiburg i.Br., prot., Deutscher. Sohn des Franz, Gymnasiallehrers, und der Auguste geb. Wenck. 1) 1906 Dora Förster (->), 2) 1927 Magda Woit, Biologin, Tochter des Oscar, Arztes und lett. Diplomaten. 1899 Botanikstud. in Halle, Wechsel nach Darmstadt zum Chemiestud., 1900 erstes Examen bei Wilhelm Staedel, dann zwei Semester in München bei Oskar Piloty im Labor von Adolf von Baeyer. 1901 Rückkehr nach Halle, 1903 Promotion bei Daniel Vorländer. 1903-07 Assistent bei Johannes Thiele in Strassburg, 1907 Habilitation in Strassburg. 1907-12 ao. Prof. in Karlsruhe und 1912-26 o. Prof. für organ. Chemie an der ETH Zürich. 1926-51 Prof. und Direktor des Instituts für organ. Chemie der Univ. Freiburg i.Br. 1940 Gründung und bis 1956 Leitung des Instituts für makromolekulare Chemie. S. entdeckte die Substanzklasse der Ketene in Strassburg, die heute bei der Synthese neuer Antibiotika auf β-Lactambasis (Penicilline, Cephalosporine) eine grosse Rolle spielen (Staudinger-Cycloaddition), sowie in Zürich die Umsetzung organ. Azide mit Hilfe von Phosphorverbindungen zu primären Aminen (Staudinger-Reaktion), die als Staudinger-Ligation in die moderne chem. Biologie eingegangen ist. Am bedeutendsten aber waren S.s Arbeiten über die Struktur von Cellulose, Kautschuk und anderen Naturstoffen, die er in Zürich begann und in Freiburg ausbaute. Sie machten ihn zum Wegbereiter der Polymerchemie. Von ihm stammt der Begriff Makromolekül. 1947 gründete er die Zeitschrift "Die makromolekulare Chemie". S. verfasste über 500 wissenschaftl. Artikel sowie mehrere Bücher und setzte sich gegen die Verwendung von Giftgas im Krieg und ganz generell für den Frieden ein. 1953 Nobelpreis für Chemie.

Quellen und Literatur

  • Arbeitserinnerungen, 1961 (mit Werkverz.)
  • Das wissenschaftl. Werk von Hermann S., hg. von M. Staudinger et al., 7 Bde., 1969-76
  • DSB 13, 1-4
  • C. Priesner, Der wissenschaftl. Nachlass von Hermann S. (1881-1965) im Dt. Museum, 1982
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 23.3.1881 ✝︎ 8.9.1965

Zitiervorschlag

Hans-Jürgen Hansen: "Staudinger, Hermann", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.11.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/044507/2012-11-07/, konsultiert am 28.01.2023.