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Modegewerbe

Die Berufe des M.s zur Herstellung von Kleidung und Schuhwerk (Schuhindustrie) waren zur Zeit des zunftorientierten Handwerks (Zünfte) den Männern vorbehalten. Die Frauen waren zwar im Familienbetrieb willkommene Mitarbeiterinnen, eine eigenständige handwerkl. Tätigkeit wurde ihnen jedoch untersagt. Ausgenommen vom Verbot waren die unterbezahlten Weissnäherinnen und Weberinnen sowie die Witwen, die den Familienbetrieb bis zur Übernahme durch einen Sohn weiterführten. Trotz gewerbl. Deregulation übten in der Schweiz auch im 19. Jh. noch fast ausschliesslich Männer den Kürschner-, Schuhmacher-, Schirmmacher- oder Schneiderberuf aus (Textilindustrie). In Frauenhände gelangten hingegen die spezialisierten Berufe der Modistin (Putzmacherin), der Damen-, Knaben-, Korsett- und Wäscheschneiderin (Weissnäherin). Auch das Leder-, Pelz- und Schirmnähen lag meist in Frauenhänden. Im 20. Jh. waren laut gewerbestatist. Erhebungen die Hälfte bis zwei Drittel der - meist unselbstständig - im Bekleidungsgewerbe Erwerbstätigen Frauen.

Unter dem wachsenden Konkurrenzdruck der Konfektionsmode (Bekleidungsindustrie) organisierten sich die selbstständigen Berufsfrauen, allen voran die Damenschneiderinnen, wie ihre männl. Kollegen in Gewerbeverbänden. So entstanden ab 1916 Sektionen in Zürich, Winterthur, St. Gallen, Bern, Biel und Basel und anderenorts. 1920 schlossen sich die Arbeitgeberinnen der Modebranchen in Aarau zum Schweiz. Frauengewerbeverband (SFGV) zusammen, zu dem sich in der Folge auch städt. und regionale Frauengewerbeverbände als Sektionen gesellten. Der SFGV, der 1922 dem männerdominierten Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) beitrat, setzte sich für die Besserstellung der gewerbetreibenden Frauen ein und nahm Stellung zu berufs- und frauenspezif. Fragen, u.a. im ab 1921 existierenden eigenen Organ "Das Frauengewerbe" (ab 1958 "Die Frau im M.", ab 1974 "Bulletin"). Zur Hebung des Berufsstandes engagierte sich der SFGV u.a. für die Reform des branchenspezif. Ausbildungs- und Prüfungswesens und setzte dabei 1936-37 die Meisterinnenprüfung durch. Auch am Zustandekommen des Gesamtarbeitsvertrags 1946-47 war er aktiv beteiligt. Seinen Mitgliedern bot er Weiterbildung in Betriebswirtschaft (z.B. Kurse in Verkaufstechnik, Betriebsrationalisierung, Personalführung) und eine Stellenvermittlungsplattform. In der Krise der 1930er Jahre griff der SFGV zur Selbsthilfe mit jährlichen öffentl. Modeschauen in grösseren Städten und Berufslagern für stellenlose Schneiderinnen. Der Frauengewerbeverband beteiligte sich auch an der Saffa (1928, 1958) und an den Landesausstellungen. Die Aufnahme von Männern in den Verband hatte 1976 die Umbenennung in Schweiz. Modegewerbeverband (SMGV) zur Folge.

Ab 1950 zeichneten sich allg. Krisenerscheinungen im europ. M. ab. Diese Tendenz spiegelte auch der Mitgliederschwund des SFGV/SMGV (1922 900; 1958 1'450; 1979 750; 1999 715). Einst gefragte Modeberufe wie Corsetiäre und Modistin verschwanden, und neue, etwa im Modeschmuckgewerbe, kamen auf. Auch erforderte der sich beschleunigende Wandel der Mode zunehmend den Einsatz modernster Technik vom Design (CAD-Design) bis zur Produktion sowie den Ausbau des Marketings.

Das schweiz. M. orientierte sich anfänglich ausschliesslich am Design internat. Modeschöpfer, was auch die damaligen Studienreisen des SFGV nach Paris illustrieren. Während der Isolation der Schweiz im 2. Weltkrieg organisierte der SFGV die Schweizer Modewochen in Zürich. Der Durchbruch einer eigenen Designer-Szene erfolgte jedoch später. So stehen den Jungdesignern seit 1978 die nationalen Präsentations- und Verkaufsplattformen Textil & Mode Center in Zürich und seit 1993 jene der Gwand in Luzern zur Verfügung. Der SMGV ging ab den 1990er Jahren zur Ausbildung und Förderung schweiz. Designer über, u.a. im 1994 gegr. Schweiz. Weiterbildungszentrum Worb.

Quellen und Literatur

  • HSVw 1, 488-492
  • «Das Gewerbe in der Schweiz», in 100 Jahre Schweiz. Gewerbeverband, 1979
  • 75 Jahre Schweiz. Modegewerbeverband SMGV 1920-1995, 1995