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World Jewish Congress (WJC)

Der WJC wurde 1936 im Zeichen der Solidarität mit den verfolgten Juden im nationalsozialist. Deutschland, der Bekämpfung des Antisemitismus in Europa, der Unterdrückung der Juden in der Sowjetunion sowie der polit. Erfordernisse einer jüd. Sozial- und Migrationspolitik in Genf gegründet (Judentum). Hervorgegangen war der WJC hauptsächlich aus dem 1919 gegr. Comité des délégations juives. Bei der Konstituierung des WJC mit 208 Delegierten aus 32 Ländern wurde der Rabbiner Stephen Samuel Wise als Präs. der Exekutive und Nahum Goldmann als Vorsitzender der Administration gewählt. In Genf, dem Sitz des Völkerbunds, bestand ein ständiges Sekretariat mit Gerhart Riegner, wobei der Schweizer Paul Guggenheim als Rechtsberater wirkte. Auch das Relief Committee for the War-Stricken Jewish Population unter Alfred Silberschein arbeitete 1940-45 als Hilfsorganisation des WJC in Genf. 1940 wurde der Hauptsitz des WJC von Paris nach New York verlegt. Der WJC machte in der freien Welt die Vernichtungspolitik im nationalsozialistisch beherrschten Europa bekannt. Nach 1945 setzte er sich für die Menschenrechtserklärung der UNO, die Bekämpfung von Rassismus und die Restitution geraubten Eigentums ein. Er agierte zugunsten der Juden in kommunist. und arab. Staaten und suchte den Dialog mit dem Vatikan und Repräsentanten des Islams. In Genf existiert weiterhin ein Verbindungsbüro zur UNO. In den 1990er Jahren führte der WJC mit dem Mandat der World Jewish Restitution Organization die Verhandlungen mit Schweizer Wirtschaftsverbänden über die Frage der sog. nachrichtenlos gebliebenen Vermögen von Opfern der nationalsozialist. Verfolgung. 2004 erschütterte eine Affäre um unterschlagene Gelder kurzfristig das Vertrauen des Schweiz. Israelitischen Gemeindebunds in den WJC.

Quellen und Literatur

  • Protocole du Premier Congrès Juif Mondial, 1936
  • Unity in Dispersion: a History of the WJC, 1948
  • D. Afoumado, «Le Congrès juif mondial face à l'antisémitisme nazi, 1936-1940», in Revue d'histoire de la Shoah 179, 2003, 190-207
  • C. Fink, Defending the Rights of Others, 2004
  • Enz. jüd. Gesch. und Kultur 2, 2012, 411-417