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JohannSchneider-Ammann

18.2.1952 Sumiswald, reformiert, von Hasle bei Burgdorf. Maschinenbauunternehmer, Berner Nationalrat und Bundesrat der Freisinnig-Demokratischen Partei.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann richtet sich nach seiner Wiederwahl 2015 an die Vereinigte Bundesversammlung. Fotografie aufgenommen während der Gesamterneuerungswahl des Bundesrats vom 9. Dezember 2015 (Parlamentsdienste, Bern; Flickr).
Bundesrat Johann Schneider-Ammann richtet sich nach seiner Wiederwahl 2015 an die Vereinigte Bundesversammlung. Fotografie aufgenommen während der Gesamterneuerungswahl des Bundesrats vom 9. Dezember 2015 (Parlamentsdienste, Bern; Flickr).

Johann Niklaus Schneider, Sohn des Ernst Schneider, Tierarztes, und der Elisabeth geborene Hofmann, Fabrikangestellte, wuchs mit fünf Geschwistern im Emmental auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Langenthal 1968-1972 (Matura Typus C) studierte er Elektrotechnik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich und schloss als diplomierter Elektroingenieur 1977 ab. 1978 heiratete er die Tierärztin Katharina Ammann, Tochter des Ulrich Ammann und der Katharina geborene Schellenberg. Das Paar hat zwei Kinder.

Schneider-Ammann war 1978 bis 1981 als Projektleiter beim Rüstungskonzern Oerlikon-Bührle tätig. 1981 trat er ins Maschinenbauunternehmen seines Schwiegervaters in Langenthal ein. Nach Abschluss eines Nachdiplomstudiums in Unternehmensführung (Paris, 1982-1983) übernahm er 1984 die operative Leitung der Firma Ammann. 1990-2010 war er Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Ammann-Gruppe, die er zu einem global tätigen Unternehmen mit 3000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 1 Mrd. Franken weiterentwickelte. Er erwarb Beteiligungen an mehreren grossen Industriefirmen (MikronSwatch Group, Implenia) und bekleidete verschiedene Verwaltungsratsmandate. 1999-2010 war Schneider-Ammann Präsident des Verbands der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem und Vizepräsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse. Er sass im Vorstandsausschuss des Schweizerischen Arbeitgeberverbands und des Berner Handels- und Industrievereins. Zudem engagierte er sich in der Vereinigung Schweizer Unternehmer in Deutschland und in der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern.

Johann Schneider-Ammann, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Ammann-Gruppe, posiert vor Strassenbaumaschinen am Hauptsitz der Firma in Langenthal. Fotografie aufgenommen am 16. Juli 2004 (KEYSTONE / Gaëtan Bally, Bild 20081835).
Johann Schneider-Ammann, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats der Ammann-Gruppe, posiert vor Strassenbaumaschinen am Hauptsitz der Firma in Langenthal. Fotografie aufgenommen am 16. Juli 2004 (KEYSTONE / Gaëtan Bally, Bild 20081835).

Johann Schneider-Ammann durchlief die gleiche Karriere wie sein Schwiegervater, die zuerst an die Spitze von Verbänden und von dort – als Mitglied der Freisinnig-Demokratischen Partei – in die grosse Kammer der Bundesversammlung führte. Nach seiner Wahl in den Nationalrat (1999) trat Schneider-Ammann sogleich als gewichtiger Wirtschaftsvertreter auf und wurde in die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) gewählt. Er engagierte sich für eine aktive Rolle der Schweiz innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums; eine politische Integration der Schweiz in die Europäische Gemeinschaft lehnte er jedoch ab. Seine Motion für die Versicherung des privaten Delkredere-Risikos durch die Exportrisikogarantie wurde als Postulat überwiesen. Als Bundesrat Hans-Rudolf Merz im Sommer 2010 seinen Rücktritt bekanntgab, war Schneider-Ammann bald als möglicher Nachfolger im Gespräch. Am Wahltag (22. September 2010) erwiesen sich die Parteikollegin Karin Keller-Sutter und Jean-François Rime von der Schweizerischen Volkspartei als seine stärksten Konkurrenten; erst im fünften Wahlgang setzte sich Schneider-Ammann gegen Letzteren mit 144 zu 93 Stimmen durch (absolutes Mehr 119). Er übernahm das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (EVD). Bei den Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats am 14. Dezember 2011 wurde er im Amt bestätigt und erhielt diesmal 159 Stimmen. 2016 war er Bundespräsident.

Im Sommer 2011, kurz nach Schneider-Ammanns Amtsantritt, leitete der Bundesrat eine Verwaltungsreform ein, die sich insbesondere auf das EVD auswirken sollte (2013 Schaffung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, SBFI, im umbenannten Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung, WBF). Zum Bedauern des WBF-Vorstehers erschwerte die Annahme der sogenannten Masseneinwanderungsinitiative der SVP 2014 die Teilnahme der Schweiz am akademischen Austauschprogramm Erasmus sowie am damals angelaufenen Forschungsförderungsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union (EU). Besonders wichtig war dem ehemaligen Unternehmer die duale Berufsbildung mit Lehre im Betrieb und Unterricht an der Berufsschule. Als Wirtschaftsminister hatte Schneider-Ammann sich mit den Folgen der weltweiten Banken- und Finanzkrise des Jahres 2008 auseinanderzusetzen. Nach einem leichten Einbruch wurde die Vollbeschäftigung bald wieder erreicht; und die Exportindustrie arrangierte sich erfolgreich mit dem hohen Frankenkurs. Vorrangig war die rasche Erholung aber der dynamischen Wirtschaftsentwicklung an sich zuzuschreiben (Konjunktur). Als Wirtschaftsliberaler setzte er sich für eine vermehrt unternehmerisch orientierte Agrarpolitik und für ein Agrarabkommen mit der EU ein. Das löste kontroverse Diskussionen aus, sodass der Bundesrat 2014 einen Reformstopp in der Agrarpolitik ankündigte. Kritik wurde Schneider-Ammann wegen mangelnder Aufsicht über die Schweizer Hochseeflotte zuteil (Schifffahrt); der Bund fuhr deswegen 2017 einen Verlust von ca. 200 Mio. Franken ein. Im Mai 2018 plante er eine Lockerung der Ausführungsbestimmungen für Kriegsmaterial, musste dieses Vorhaben aber, nach breiter Kritik auch von Seiten des Parlaments, im Herbst desselben Jahres wieder zurückziehen (Waffenproduktion und Waffenhandel). Erfolgreicher war Schneider-Ammann bei seinem Einsatz für einen besseren Marktzugang der Schweizer Industrie ausserhalb Europas. Als Glanzpunkt seiner Amtszeit gilt das im Jahr 2013 zustande gekommene Freihandelsabkommen mit China (Aussenwirtschaft, Freihandel).

Durchbruch in den Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit China. Beitrag in der Tagesschau-Hauptausgabe des Fernsehens der deutschen Schweiz vom 13. Mai 2013 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF).
Durchbruch in den Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit China. Beitrag in der Tagesschau-Hauptausgabe des Fernsehens der deutschen Schweiz vom 13. Mai 2013 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF). […]

Ende Januar 2014 berichtete die Sendung Rundschau des Schweizer Fernsehens, die Ammann-Gruppe habe bis 2007 Firmenvermögen von insgesamt über 250 Mio. Franken auf Offshore-Plätzen in Luxemburg und Jersey deponiert, um Steuern zu optimieren. Diese Enthüllungen setzten ihm zu und waren dem Bild des bodenständigen Patrons, das er gerne von sich gezeichnet hatte, abträglich. Im September 2018 gab Schneider-Ammann seinen Rücktritt bekannt.

Johann Schneider-Ammann erhielt nach seiner Wahl in den Bundesrat 2010 das Ehrenbürgerrecht von Langenthal, 2012 dasjenige von Affoltern im Emmental. Im Militär hatte er den Rang eines Obersten im Generalstab inne. 2019 verlieh ihm die Universität Bern den Ehrendoktor. Ab 2020 nahm Schneider-Ammann wieder einzelne Verwaltungs- und Stiftungsratsmandate an.

Quellen und Literatur

  • Der Bund, 11.9.2010; 25.4.2020.
  • Altermatt, Urs: «Johann Schneider-Ammann», in: Altermatt, Urs (Hg.): Das Bundesratslexikon, 2019, S. 716-722.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Tobias Kaestli: "Schneider-Ammann, Johann", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 06.12.2022. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046584/2022-12-06/, konsultiert am 28.02.2024.