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Postwertzeichen

Postwertzeichen sind von der Post herausgegebene Briefmarken, Postkarten, Streifbänder und Briefumschläge mit Wertaufdruck. Sie dienen dem Absender als Nachweis, dass er die beanspruchte postalische Dienstleistung im Voraus bezahlt hat.

Basler Taube, 1845. Im Buchdruckverfahren produzierte Marke von Melchior Berri (Museum für Kommunikation, Bern).
Basler Taube, 1845. Im Buchdruckverfahren produzierte Marke von Melchior Berri (Museum für Kommunikation, Bern). […]

Bevor Postwertzeichen eingeführt wurden, bezahlte in der Regel der Empfänger das Porto. Zur Rationalisierung des Postwesens führte England 1840 Briefmarken ein, die sogenannte Penny black (ein Penny) und die Penny blue (zwei Pence). Nach den guten Erfahrungen, die damit gemacht wurden, beschloss der Kanton Zürich per 1. März 1843 die Einführung von Marken (Zürich 4 mit Frankaturwert 4 Rappen; Zürich 6 mit Frankaturwert 6 Rappen). Der Kanton Genf folgte am 30. September 1843 mit dem Postwertzeichen Doppelgenf (zweimal 5 centimes), Basel-Stadt am 1. Juli 1845 mit der Basler Taube (2,5 Rappen). Nach der Übernahme der kantonalen Postbüros durch den Bund 1849 erschienen 1850 die ersten Bundesmarken, die das Schweizer Wappen und ein Posthornsymbol trugen. Zusätzlich zu den sogenannten Dauermarken werden Postwertzeichen für spezielle Zwecke ausgegeben: Jubiläums- und Gedenkmarken (seit 1900), Dienstmarken (seit 1918), Flugpostmarken (1919-1988), Sondermarken (seit 1937), Werbemarken (seit 1954), Europamarken (seit 1957) und Wohltätigkeitsmarken (Pro Juventute seit 1913, Pro Patria seit 1938). 1911-2011 waren Postwertzeichen auch in Verkaufsautomaten erhältlich und seit 1912 werden sie auch in Markenheftchen abgegeben. Während der beiden Weltkriege verkauften militärische Einheiten sogenannte Soldatenmarken, die aber nicht frankaturgültig waren. Der Verkaufserlös floss in die Fürsorgekassen der Einheiten.

Allgemeine Briefmarke der Schweizer Post, 1850. Lithografie von Carl Durheim (Museum für Kommunikation, Bern).
Allgemeine Briefmarke der Schweizer Post, 1850. Lithografie von Carl Durheim (Museum für Kommunikation, Bern). […]

Die Gestaltung neuer Briefmarken wird seit 1901 als Wettbewerb ausgeschrieben oder einem Künstler direkt in Auftrag gegeben (Karl Bickel, Hans Hartmann, Celestino Piatti u.a.). Eine Jury trifft eine Auswahl, die bis 1997 dem zuständigen Departementsvorsteher zum Entscheid unterbreitet wurde, seither der Geschäftsleitung der Post. Die Briefmarken sind Botschafter ihres Landes und sollen mit ihrer Gestaltung den Geschmack der Postkunden und Sammler treffen. Sie widerspiegeln die kulturelle und mentale Befindlichkeit der Bewohner und Bewohnerinnen der Schweiz. Bis in die 1940er Jahre zierten vorwiegend nationale Symbole die Briefmarken: Helvetia, Tell, Wappen, Landschaften, Trachten, ab 1927 berühmte Schweizer Persönlichkeiten (1945 mit Susanna Orelli erstmals eine Frau, ab 1971 mit Robert Koch und Frederick Banting auch ausländische Personen), Krieger und Schlachten (1941-1945), historische Ereignisse, Architektur, Volksbräuche, Berufe, Fauna und Flora. Seit den 1990er Jahren werden auch moderne Gemälde abgebildet, Comicsfiguren (Globi, Pingu, Titeuf) sowie aktuelle Ereignisse (Expo.02). Der Druck der Marken erfolgte bis 1930 durch die Eidgenössische Münzstätte in Bern, anschliessend bis Mitte 2002 durch die Wertzeichendruckerei der Post. 1931-2001 druckte auch die Firma Hélio-Courvoisier AG in La Chaux-de-Fonds Briefmarken im Auftrag der Post. Seither produzieren verschiedene in- und ausländische Druckereien die Marken. Ab den 1860er Jahren wurde im grossen Rahmen mit dem Sammeln begonnen: Handel und Fälschungswesen setzten ein, Kataloge (erstmals ab 1909 Zumstein in Bern), Zeitschriften und Fachliteratur wurden vertrieben, Vereine gegründet. Die ersten waren 1883 der Schweizerische Philatelistenverein Zürich und 1884 der Zürcher Briefmarkensammler-Verein. 2009 waren ca. 7200 Philatelisten in 135 Vereinen organisiert. Die Anzahl der produzierten Marken betrug 1980 715 Mio., 1995 715 Mio. und 2009 420 Mio. Das Museum für Kommunikation in Bern besitzt die weltweit grösste, öffentlich zugängliche Sammlung an Postwertzeichen.

Quellen und Literatur

  • M. Hertsch, Schweizer Briefmarken, 1973
  • A. Schwarzenbach, «Schweizer Briefmarken», in Ab die Post, hg. von K. Kronig, 1999, 142-149
Weblinks
Kurzinformationen
Kontext Briefmarken, Philatelie

Zitiervorschlag

Jean-Claude Lavanchy: "Postwertzeichen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 26.03.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046683/2015-03-26/, konsultiert am 08.02.2023.