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Röstigraben

Unter R. versteht man den latent stets vorhandenen und sich an versch. politischen und kulturellen Fragen immer wieder artikulierenden Gegensatz zwischen dem dt. und dem franz. Landesteil der Schweiz. Der Ursprung des Ausdrucks bleibt bis anhin im Dunkeln. Das Bild des Grabens, der die beiden grossen Landesteile trenne, kam mit der Verstärkung des bereits vor 1914 bestehenden Binnengegensatzes durch die gegenläufigen Parteinahmen in der franz. Schweiz für Frankreich und in der dt. Schweiz für Deutschland in den ersten Monaten des 1. Weltkriegs auf und beherrscht seither die gegenseitige Wahrnehmung. Das Epitheton "Rösti" kam wahrscheinlich erst in den 1970er Jahren hinzu, als mit der Entzauberung des "Konkordanzwunders" nach 1968, mit der Wirtschaftskrise nach 1973, mit der Auswirkung des Jurakonflikts und der zunehmenden Bedeutung der sprachregional organisierten Medien ein Gegensatz zwischen den Landesteilen v.a. in den Medien wieder hochgespielt wurde.

Die Metapher scheint sich zuerst in der dt. Schweiz eingebürgert zu haben und dann auch in den anderen Sprachregionen übernommen worden zu sein. Sie wird v.a. im publizist. Bereich zur Bezeichnung unterschiedl. Abstimmungsverhaltens, u.a. in der Europa-Frage, verwendet, findet aber auch Anwendung zur plakativen Umschreibung hist. kultureller Unterschiede im schweiz. Mittelland. Sie hat geringe analyt. Kraft, ihre Suggestivwirkung führte aber in den an solchen Grabenbildern interessierten Medien zu den Analogiebildungen des Polentagrabens zur Südschweiz, des Bratwurstgrabens zur Ostschweiz oder des Läckerligrabens zur Region Basel.

Quellen und Literatur

  • C. Büchi, "R.", 2000
  • C. Büchi, «"R." - die Gesch. einer erfolgreichen Metapher», in ZAK 60, 2003, 4-8
  • R.: Ausstellungskat. Lausanne, 2006