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Hebräisch

Als Hebräisch gilt die kanaanäische Teilsprache des nordwestlichen Zweigs der semitischen Sprachen. Die Verwendung und Pflege sowohl des klassischen Bibel-Hebräisch als auch des nachalttestamentlichen Mittel-Hebräisch ist auch in der Schweiz einerseits an die wechselvolle Geschichte der jüdischen Gemeinden (Judentum) und andererseits an die seit dem frühen 16. Jahrhundert im Gefolge von Humanismus und Reformation sich entwickelnde Hebraistik gebunden.

Das Druckerzeichen von Johannes Froben im Hebraicum Psalterium, herausgegeben von Konrad Pellikan, Basel 1516 (Universitätsbibliothek Basel, FNP IX 6, S. 5).
Das Druckerzeichen von Johannes Froben im Hebraicum Psalterium, herausgegeben von Konrad Pellikan, Basel 1516 (Universitätsbibliothek Basel, FNP IX 6, S. 5).
Hebraicum Psalterium, herausgegeben von Konrad Pellikan, gedruckt bei Johannes Froben, Basel 1516 (Universitätsbibliothek Basel, FNP IX 6, S. 6).
Hebraicum Psalterium, herausgegeben von Konrad Pellikan, gedruckt bei Johannes Froben, Basel 1516 (Universitätsbibliothek Basel, FNP IX 6, S. 6). […]

Erste inschriftliche Spuren des Hebräisch in der Schweiz stammen aus dem Hochmittelalter. 1937 wurden in Basel jüdische Grabsteine aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts gefunden, 1997 in Zürich – im früheren Haus der Familie Ben Menachem – Fresken mit hebräischen Beischriften aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. In der Zentralbibliothek Zürich und in anderen schweizerischen Bibliotheken, unter anderem in Bern, Basel und Genf, werden gegen 400 hebräische Manuskripte aufbewahrt. Das Jüdische Museum der Schweiz in Basel bietet eine reiche Übersicht über die Verwendung des Hebräisch seit dem 17. Jahrhundert, als viele Schweizer Juden in der gemeinen Herrschaft Baden zu leben gezwungen waren; 1776-1866 wurden allen Juden die Gemeinde Lengnau und Endingen im aargauischen Surbtal als Wohnorte zugewiesen. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurden im Jüdisch-Deutschen und im Westjiddischen viele hebräische Begriffe verwendet (Jiddisch). Im 20. Jahrhundert lebte das Hebräisch in den jüdischen Gemeinden und Institutionen fort, in Religionsunterricht, Tagesschulen, Erwachsenenbildung und an den Talmud-Hochschulen. Zentren sind Montreux, wo 1927-1985 Elijahu Botschko und sein Sohn Mosche wirkten, und seit 1954 Kriens. Die 1902 in Basel gegründete Buchhandlung Victor Goldschmidt, die sich 1943 zum Verlag erweiterte, veröffentlichte und tradierte nach der Zerstörung des deutschen Verlagswesens durch die Nationalsozialisten jüdische Literatur. Das nach dem Zweiten Weltkrieg gestiegene Interesse auch nichtjüdischer Kreise an der Judaistik und Hebraistik zeigte sich unter anderem in der Gründung neuer Institutionen: 1981 des Instituts für jüdisch-christliche Forschung in Luzern (IJCF), 1982 der Schweizerischen Gesellschaft für Judaistische Forschung (SGJF) und 1998 das Institut für Jüdische Studien an der Universität Basel. 1945 rief die Stiftung für Kirche und Judentum (SKJ) die Zeitschrift «Judaica» ins Leben.

Die christliche Hebraistik nahm im Gebiet der heutigen Schweiz zu Beginn der Neuzeit einen starken Aufschwung. Sie wurde durch den hebräischen Buchdruck in Basel (u.a. von Johannes Froben und Heinrich Petri) und Zürich (von Christoph Froschauer) gefördert. Bedeutende Gelehrte wirkten im 16. und 17. Jahrhundert in Zürich (Konrad Pellikan, Johann Heinrich Hottinger und Nachkommen), in Basel (Sebastian Münster, Johannes Buxtorf Vater und Sohn) und Genf (Daniel Le Clerc). Die neuere internationale und interkonfessionelle, an den schweizerischen Universitäten vertretene Sprachwissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts befasst sich vorwiegend mit dem Hebräisch des Alten Testaments und den verwandten semitischen Sprachen wie Aramäisch, Akkadisch und Arabisch. Das 1953 gegründete «Hebräische und aramäische Lexikon zum Alten Testament» stellt den bedeutendsten Beitrag zur hebräischen Lexikografie in der Nachkriegszeit dar. Die Bibelsprachen werden an allen theologischen Fakultäten und an einigen Gymnasien gelehrt.

Quellen und Literatur

  • K.J. Lüthi, Hebräisch in der Schweiz, 1926
  • Kdm BS 3, 1941, 36-40
  • J. Prijs, Die Basler hebr. Drucke (1492-1866), 1964
  • J. Prijs, Die hebr. Hs., bearb. von B. und D. Prijs, 1994
  • S.G. Burnett, From Christian Hebraism to Jewish Studies, 1996
  • O. Franz-Klauser, «Die hebr. Hs. der Burgerbibliothek Bern», in Judaica 1999, 247-271
  • E. Robert, Entre orthodoxie et critique: les études hébraïques et le discours sur le judaïsme au 17e siècle autour de l'Académie de Lausanne (1588-1739), Liz. Lausanne, 1999
  • T. Willi, «Hebraica Veritas in Basel», in Supplements to Vetus Testamentum, 2002
Weblinks

Zitiervorschlag

Ernst Jenni: "Hebräisch", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.11.2007. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047423/2007-11-29/, konsultiert am 18.05.2022.