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Oberengadiner Seen

Die Oberengadiner Seen sind über den jungen Inn miteinander verbunden und liegen im obersten Teil des Engadins. Sie bilden eine in der Nacheiszeit entstandene, von Südwesten nach Nordosten verlaufende Seenlandschaft mit den Hauptseen Silsersee (romanisch Lej da Segl), Silvaplanersee (Lej da Silvaplauna), Champfèrersee (Lej da Champfèr) und St. Moritzersee (Lej da San Murezzan). Der Silsersee ist mit seinen 4,14 km2 der grösste See Graubündens.

Fischer auf dem Silvaplanersee präsentieren dem Fotogafen Albert Steiner stolz ihre beiden rund fünfzig Zentimeter langen Forellen (Fotostiftung Schweiz, Winterthur) © 2020 Bruno Bischofberger, Meilen.
Fischer auf dem Silvaplanersee präsentieren dem Fotogafen Albert Steiner stolz ihre beiden rund fünfzig Zentimeter langen Forellen (Fotostiftung Schweiz, Winterthur) © 2020 Bruno Bischofberger, Meilen. […]

1288 übergab der Bischof von Chur seine Rechte am St. Moritzer- und Stazersee sowie am Lej Giazöl als Erbpacht an die Familie von Planta. Um 1400 betrug deren Pachtzins von Mitte Mai bis Ende September 500 Fische pro Woche (Freitag), kleine Pächter in der Region hatten insgesamt 3225 Fische pro Jahr abzuliefern. 1526 verlor der Bischof seine Rechte am Silsersee. 1869 kaufte Johannes Badrutt einen Teil der Fischereirechte am Silsersee auf, die schliesslich 1943 von der Gemeinde Sils im Engadin/Segl erworben wurden. Ein kleinerer Teil der Fischereirechte blieb in privater Hand. Die Fischerei in den Seen, im Inn und im Lej Giazöl bildete bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Nahrungsquelle.

Ein erstes Kraftwerk in der Charnadüraschlucht am Inn lieferte ab 1887 Strom für das Hotel Kulm in St. Moritz. 1892 nahm ein oberes Charnadüra-Kraftwerk seinen Betrieb auf, das den St. Moritzersee als Staubecken für seine Stromproduktion nutzte (Stauwerke). Die Gemeinde St. Moritz ersetzte 1932 die beiden älteren Anlagen durch das neue Kraftwerk Islas. Die Wasserkraftprojekte am Silsersee von 1905 und 1918 wurden dagegen nach heftigen und langwierigen Auseinandersetzungen 1934 vom Bundesgericht abgelehnt. Doch während des Zweiten Weltkriegs vereinbarten die Gemeinden St. Moritz, Stampa, Sils und Silvaplana 1944, die Oberengadiner-Seen als Ausgleichsbecken zu nutzen. 1946 sammelte die Cumünaunza Pro Lej da Segl 100'000 Fr. für Sils und 200'000 Fr. für Stampa, um deren Verzicht auf Konzessionserteilung, der sich auf 100 Jahre erstreckt, zu kompensieren. 1947 wurden in Sils-Baselgia und in Silvaplana-Champfèr Wehranlagen erstellt sowie bei Maloja Flusskorrekturen durchgeführt. Obwohl für die Stromerzeugung einzig die natürliche jährliche Seespiegelschwankung ausgenutzt werden durfte, erhöhte das Kraftwerk Islas seine Produktion um ein Mehrfaches. Die 1882 projektierte Bootsverbindung von St. Moritz nach Maloja, die einer Schleuse zwischen St. Moritz Bad und dem Champfèrersee bedurft hätte, wurde nicht realisiert. 1889-1914 bestand auf dem St. Moritzersee ein Motorbootbetrieb, der seit 1908 auch auf dem Silsersee konzessioniert ist. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts dienten die Oberengadiner Seen, die im Winter zufrieren, vorab winter- und sommersportlichen Zwecken wie etwa Polo, Turfrennen, Skimarathon und diversen Wassersportarten. Zum Schutz der gesamten Seenlandschaft wurde 1966 der Verein Pro Surlej gegründet.

Quellen und Literatur

  • Boppart, Rudolf: Sils im Engadin, 1980, S. 70-80.
  • Margadant, Silvio; Maier, Marcella; Lütscher, Michael: St. Moritz. Eine aussergewöhnliche Geschichte, 1993, S. 20-27.
  • Maier, Marcella; Langhans, Jetti et al.: Die Oberengadiner Seen, 19952.
  • Milani, Franco: Die weisse Kohle von St. Moritz und Celerina. 100 Jahre seit der Integration des Elektrizitätswerks in die Gemeinde St. Moritz, 135 Jahre elektrisches Licht in St. Moritz, 2014.
Weblinks
Weitere Links
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Zitiervorschlag

"Oberengadiner Seen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 26.01.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047568/2021-01-26/, konsultiert am 22.09.2021.