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Kosovo

Die zum Osmanischen Reich (Türkei) gehörende Region Kosovo im Südosten Europas wurde nach den Balkankriegen von 1912-1913 Serbien und Montenegro einverleibt. Im 1918 gegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen kam sie ganz zu Serbien. 1945 wurde Kosovo im Rahmen der jugoslawischen Volksrepublik autonomes Gebiet. 1989 erfolgte die direkte Unterstellung unter Serbien mittels einer dringlichen Staatsproklamation und damit die Aufhebung der Autonomie. Das Statut verursachte Spannungen zwischen der albanischen Bevölkerungsmehrheit, die eine eigenständige Republik forderte, und den Serben, die im Namen des historischen Erbes auf der Zugehörigkeit des Gebiets zu Serbien bestanden. Während des Bürgerkriegs und Zerfalls Jugoslawiens (1991-1999) nahmen die Spannungen zu. Der Konflikt zwischen der serbischen Bundesarmee und den albanischen Unabhängigkeitskämpfern entwickelte sich zu einer regionalen Krise, als massenweise Flüchtlinge (im März 1999 schätzungsweise 500'000) in die Nachbarländer Nordmazedonien, Albanien und Griechenland strömten. Nach der militärischen Intervention der Nato im Februar 1999 wurde Kosovo der Interimsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo (Unmik) unterstellt. Das nach dem allgemeinen Wahlrecht gewählte kosovarische Parlament ernannte den Präsidenten und die Regierung.

Die Schweiz beteiligte sich an der internationalen Mission durch die Entsendung von Sachverständigen in die Unmik und die Organisation für  Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie durch Flüchtlingshilfe in den Nachbarländern, Entminungsaktionen und Förderung der Medien im Kosovo. Die Krise führte ausserdem zu einem verstärkten Engagement der Schweizer Armee im Rahmen einer grossen internationalen humanitären Friedensaktion. Eine aus 195 freiwilligen Militärpersonen gebildete Schweizer Kompanie (Swisscoy) ist im Rahmen der Nato-Mission KFOR (Kosovo Force) unter UNO-Mandat als Dienstleistungseinheit im Einsatz. 2005 sprach sich der schweizerische Bundesrat für eine formelle Unabhängigkeit Kosovos aus. Die Einwanderung in die Schweiz setzte 1965 ein (weniger als 1000 Saisonarbeiter) und nahm nach 1988 sprunghaft zu. Ab 1981 formierte sich die kosovarische politische Bewegung grösstenteils in der Schweiz und Führer der UÇK («Befreiungsarmee») hielten sich bis 2001 in der Schweiz auf. Anfang des 21. Jahrhunderts lebten rund 200'000 Kosovoalbaner – rund ein Zehntel der kosovarischen Bevölkerung – in der Schweiz (1999 145'000 Aufenthalter und 50'000 Asylsuchende). Am 17. Februar 2008 erklärte Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien, die vom Bundesrat am 27. Februar 2008 anerkannt wurde.

Quellen und Literatur

  • Le Monde diplomatique, April 1998; Mai 1999.
  • Neue Zürcher Zeitung, 10.4.2001; 6.6.2006.
  • Bericht 2005 über den Einsatz der Schweizer Kompanie (Swisscoy) in der multinationalen Kosovo Force (KFOR), 2006.
  • Bericht innere Sicherheit der Schweiz 2005, 2006.
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Jasna Adler: "Kosovo", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.05.2022, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047846/2022-05-03/, konsultiert am 28.06.2022.