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Homöopathie

Die H. begann 1827-30, rund dreissig Jahre nach ihrer Begründung durch Samuel Hahnemann, an versch. Orten der Schweiz Fuss zu fassen, zuerst in Basel, wo mit Franz Josef Siegrist der erste homöopath. Arzt der Schweiz lebte, bald darauf auch in den Kt. St. Gallen, Zürich, Glarus, Bern und Genf. Die H. ist eine alternative Heilmethode (Naturheilkunde), mit welcher die Krankheit durch stark verdünnte und verschüttelte Substanzen, die bei der Prüfung am Gesunden ähnl. Symptome wie diejenigen des zu heilenden Kranken hervorrufen, geheilt werden soll. Die Vertreter der H. mussten sich ständig gegenüber der Schulmedizin (Medizin) behaupten und sich gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, die H. sei unwissenschaftlich oder Scharlatanerie.

Die erste homöopath. Ärztegesellschaft der Schweiz, die Société gallicane d'homéopathie, wurde 1832 in Genf von Pierre Dufresne gegründet, bestand aber nur wenige Jahre. 1856 gründeten die drei Deutschschweizer Ärzte Samuel Zopfy, Karl Krieger und Theophil Bruckner den noch heute bestehenden Schweiz. Verein Homöopath. Ärzte (SVHA). Dieser lehnte sich im Lauf seiner Geschichte zeitweilig stark an den dt. Zentralverein Homöopath. Ärzte und besonders an die süddt. Homöopathen an, mit denen einige Zeit jährlich gemeinsame wissenschaftl. Versammlungen abgehalten wurden. Bis 1927 umfasste der SVHA nur die Deutschschweizer homöopath. Ärzte. Auf Initiative des Genfers Pierre Schmidt, des wohl bedeutendsten Schweizer Homöopathen des 20. Jh., wurde der SVHA 1927 reformiert und vereinte nun die homöopath. Ärzte der gesamten Schweiz. Damit begann auch eine vermehrt vom umliegenden Ausland unabhängige Entwicklung der Schweizer H.

Immer wieder gab es in der Schweiz homöopath. Ärzte, die einen internat. Ruf genossen, so im 19. Jh. Emil Schädler und Bruckner, um die Jahrhundertwende Theophil Mende und Antoine Nebel père, im 20. Jh. Pierre Schmidt und dessen Schüler Jost Künzli, Adolphe Voegeli und Rudolf Flury, die als homöopath. Lehrer in Europa nach 1945 eine bedeutende Rolle spielten.

Eigene homöopath. Spitäler, wie Anfang des 20. Jh. das homöopath. Sanatorium Davos oder das Merian-Iselin-Spital in Basel, existierten jeweils nur für kurze Zeit, ebenso die versch. in der Schweiz erschienenen homöopath. Zeitschriften. 1999-2005 wurde die H. zusammen mit den vier anderen alternativen Heilmethoden anthroposoph. Medizin, Neuraltherapie, Phytotherapie und traditionelle chines. Medizin provisorisch in den Leistungskatalog der Grundversicherung der Krankenkassen aufgenommen. Die Volksinitiative "Ja zur Komplementärmedizin", welche u.a. die Wiedereinführung dieser fünf Methoden in die Grundversicherung forderte, wurde am 17.5.2009 von 67% des Stimmvolks angenommen.

Quellen und Literatur

  • A. Erlach, Gesch. der H. in der Schweiz, 1827-1971, 2004