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Nonkonformismus

Der Begriff N. ist aus der Religions- (Täufer, Pietismus) und der allg. Kulturgeschichte bekannt. In den 1960er Jahren erhielt er in mehreren Ländern (franz. Existenzialisten, Beatniks) eine spezifisch kulturpolit. Bedeutung, auch in der Schweiz. Als grosse Parteien und Verbände fest in die Konkordanzdemokratie eingebunden waren und im geistigen Klima während des Kalten Kriegs eine radikalere Linksopposition aussichtslos schien, entstand eine diffuse Bewegung gegen den herrschenden Konformismus. Diese nannten Gegner seit den frühen 1960er Jahren, v.a. aber seit dem Eklat am Schriftstellertag an der Expo (1964) N. Der Begriff wurde aber nur teilweise auch zur Selbstbezeichnung verwendet. Der N. richtete seine Kritik v.a. gegen den Befreiungsmythos, das Verhalten im 2. Weltkrieg, die zentrale gesellschaftl. Stellung der Armee (z.B. Dienstverweigerung), die Ausländerpolitik, den Isolationismus, Missstände in Schule, Kirche und Strafvollzug sowie gegen gewisse Politiker. Als Exponenten galten u.a. die Schriftsteller Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Walter Matthias Diggelmann und Peter Bichsel sowie die Redaktoren und Journalisten Roman Brodmann, Rolf R. Bigler und Mario Cortesi. Mangels fester Strukturen bleibt die Abgrenzung willkürlich. 1961-67 publizierten Nonkonformisten zuerst v.a. in der "Zürcher Woche", dann auch in der "Weltwoche". Paul Ignaz Vogels Zeitschrift "Neutralität" (1963-74) diente lange als Organ. Als mit der Jugend- und Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre eine breite ausserparlamentar. Opposition entstand, verlor der N. rasch an Bedeutung.

Quellen und Literatur

  • SLA, N.-Archiv von F. Lerch
  • H. Fleig, «Über den Schweiz. N.», in Discordia Concors, hg. von M. Sieber, 1968, 659-673
  • F. Lerch, Muellers Weg ins Paradies, 2001
  • T. Barfuss, Konformität und bizarres Bewusstsein, 2002
  • R. Sidler, Arnold Künzli, 2006