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Jakobiner

Ein Jakobiner zwingt Adel und Klerus, ihre Privilegien abzugeben. Karikatur aus dem Jahr 1793 von Paul Usteri. Aquarellierte Zeichnung (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen.
Ein Jakobiner zwingt Adel und Klerus, ihre Privilegien abzugeben. Karikatur aus dem Jahr 1793 von Paul Usteri. Aquarellierte Zeichnung (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen. […]

Ursprünglich meint der Begriff J. die Mitglieder des Jakobinerclubs (1789-94) während der Franz. Revolution. Als Geisteshaltung umfasst er die Vertreter einer radikalrevolutionär-demokrat. Ideologie. Diese orientierte sich an Jean-Jacques Rousseau und an Revolutionären wie Maximilien Robespierre und Louis Antoine Saint-Just. In der Eidgenossenschaft und den zugewandten Orten bildeten die J. in den 1790er Jahren eine kleine, von Aristokraten und den meisten Patrioten verachtete, frankophile Minderheit. Als erste fundamentale und aktive Gegner der Patrizierherrschaft erlangten sie zeitweise regional begrenzten Einfluss. Als Hauptexponenten gelten Jacques de Grenus in Genf, Josef Anton Rengger im Fürstbistum Basel, Louis Reymond in der Waadt, einige Mitglieder des Club helvétique, aber auch Radikalrevolutionäre wie Aloys Jost in Graubünden, Joseph Ronca in Luzern und Chrétien Desloges im Wallis. Die J. rechtfertigten Gewalt zum Umsturz aristokrat. Regierungen bzw. zur Sicherung der neuen Ordnung. Sie traten für (männl.) Wahlrechtsdemokratie, Zentralismus, ausgedehnte Volksrechte und Abflachung der Vermögensunterschiede ein. Gleichzeitig verfolgten sie das Ideal einer einfachen, tugendhaften und sittenstrengen Gesellschaft.

Quellen und Literatur

  • A. Czouz-Tornare, «A la recherche d'un jacobinisme helvétique», in Annales historiques de la Révolution française, 1990, Nr. 282, 422-445
  • L. Chocomeli, J. und Jakobinismus in der Schweiz, 2006