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Ostgoten

Germ. Volk, östl. Zweig der Goten, hervorgegangen aus den Greutungen, die 375 von den Hunnen unterworfen wurden und von da an als Ostrogoten (wörtlich "die durch den Aufgang der Sonne glänzenden Goten", nach dem myth. König Ostrogotha) in den Quellen erwähnt werden. Die O. blieben bis zum Feldzug Attilas gegen Gallien 451, an dem sie teilnahmen, unter hunn. Herrschaft. 454 siedelten sie sich unter der Königsfamilie der Amaler als Föderaten des röm. Reichs in Pannonien (Donauraum) an. 473 teilten sie sich auf; eine Minderheit schloss sich den Westgoten (Wisigoten) an; die Mehrheit folgte Thiudimir und Theoderich (dem späteren Theoderich dem Grossen) und liess sich in Makedonien nieder. Theoderich, der als Geisel eine röm. Ausbildung erhalten hatte, wurde 481 von allen O. als Herrscher anerkannt. 488 erhielt Theoderich vom Ks. Zenon das Recht zur Eroberung Italiens, weil dieser dem dort regierenden Heerführer Odoaker weniger traute als dem Goten. Nach der Ermordung Odoakers 493 festigte Theoderich durch Heiratsverbindungen mit den Westgoten, Franken und Burgundern seine Stellung. Auf dem Höhepunkt seiner Macht herrschte er über Italien, und sein Einfluss erstreckte sich von Spanien über Gallien bis zum Rhein und nach Pannonien, also auch über Teile der heutigen Schweiz; Rätien blieb bis 536 Teil des ostgot. Reichs. 506 erlaubte Theoderich den vom Frankenkönig Chlodwig I. besiegten Alemannen, sich südlich des Bodensees anzusiedeln. Die Regierungszeit Theoderichs, der von Germanen und Römern anerkannt wurde, stellte die letzte friedl. Phase der antiken Kultur dar. Nach dem Tod Theoderichs 526 erleichterten innere Wirren unter seinen Nachfolgern das Eingreifen von Byzanz im Zuge der justinian. Rekuperationspolitik; die Siege der Feldherren Belisar (540) und v.a. des Narses (gegen die got. Könige Totila und Teja 552) setzten der ostgot. Herrschaft über Italien ein Ende. Die überlebenden O. gingen in anderen germ. Völkern auf.

Quellen und Literatur

  • Jordanès, Histoire des Goths, hg. von O. Devillers, 1995
  • H. Wolfram, Gesch. der Goten, 1979
  • Der neue Pauly 9, 2000, 91 f.