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Muralto

Ursprünglich aus der Lombardei stammende Adelsfam., die in Locarno seit dem 12. Jh. belegt ist und sich nach Como, Mailand und Balerna verzweigte. Die M. gehörten zu den Fam. der Capitanei di Locarno. 1191/1192 wurden Gaffo (->) und Beltramo vom Bf. von Como mit einem um 1380 zerstörten Schloss in M. belehnt, das der Fam. wahrscheinlich ihren Namen gab. Die M. waren in der Verwaltung der Pieve Locarno, wo sie einen Teil des Schlosses S. Biagio und einen Teil des castello Visconteo von Locarno besassen, sehr einflussreich. Zudem gehörten ihnen zahlreiche Ländereien im Mendrisiotto, in der Capriasca und im Veltlin. 1447-49 widersetzten sie sich der Herrschaft Gf. Franchino Ruscas. Nach dem Abzug der Mailänder mussten jene M., die an der Revolte teilgenommen hatten, in versch. ital. Städten Exil suchen. Einige von ihnen begründeten den Zweig von Como, der im 16. Jh. ausstarb. Francesco, einer ihrer Nachkommen, verfasste eine Chronik von Como (1492-1520). 1528-57 war Galeazzo (->) Erzpriester der Kirche S. Vittore in M. Andere Familienmitglieder, darunter Martino (->), traten zur Reformation über. Weil die Tagsatzung von Baden 1554 beschloss, die Reformierten vor die Wahl zu stellen, entweder dem neuen Glauben abzuschwören oder ins Exil zu gehen, verliessen 1555 einige M. Locarno und begründeten die Zweige von Zürich und Bern (Muralt). Die Berner und Zürcher M. blieben mit ihrer Heimatstadt verbunden und erwirkten 1674 die Anerkennung als Mitglieder der Adelskorporation von Locarno. 1939 erwarben sie erneut das Bürgerrecht von Locarno.

Quellen und Literatur

  • ASTI, Nachlass Alessandro Rima
  • K. Meyer, Die Capitanei von Locarno im MA, 1916
  • R. Huber, «Gli archivi dei M., degli Orelli e della Corporazionde dei Nobili di Locarno», in Bollettino della Società storica locarnese, 2005, 49-53