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Auvernier - Les Graviers

Ufersiedlungen des Neolithikums und der Bronzezeit am Nordufer des Neuenburgersees, in der ehemaligen Gemeinde Auvernier, Gemeinde Milvignes (NE), seit 2011 Unesco-Welterbe.

Auvernier - Les Graviers: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Auvernier - Les Graviers: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Die Fundstelle Les Graviers erscheint auf mehreren kartografischen Darstellungen der Bucht von Auvernier, die aus der 2. Hälfte des 19. und dem frühen 20. Jahrhundert stammen. Edouard Desor bezeichnete sie in der ersten Karte von 1861 als «Steinberg», d.h. als eine flache Erhebung im Boden, die als Ansammlung von Materialien infolge der an dieser Stelle ausgeübten menschlichen Aktivitäten entstand. Die Fundstelle ist auch in den Plänen von Oberst Louis-Alphonse de Mandrot (1880) und Maurice Borel (1905) eingetragen. 1924 nahm die Neuenburger Kommission für urgeschichtliche Archäologie unter der Leitung von Paul Vouga im Zentrum des Areals eine erste Sondierung vor. Dabei konnten vier neolithische Siedlungshorizonte belegt werden, die der Cortaillodkultur Typ Port-Conty, der Horgener Kultur, der Lüscherzkultur und dem sogenannten Auvernier-Cordé zuzuordnen sind (Auvernierkultur). Die massive Konzentration von Gewichtssteinen aus der Horgener Kultur auf einer sehr begrenzten Fläche bestärkte Vouga in seiner Annahme, hier hätte eine "Weberwerkstatt" bestanden.

Pfahlfeld von Les Graviers bei Niedrigwasser 1891. Montage dreier anonymer Fotografien (Laténium, Hauterive).
Pfahlfeld von Les Graviers bei Niedrigwasser 1891. Montage dreier anonymer Fotografien (Laténium, Hauterive).

In den Jahren 1973 und 1974, in denen die vorbereitenden Geländearbeiten für den Bau der Autobahn A5 in der Bucht von Auvernier rasch voranschritten, unterblieb eine archäologische Kontrolle des Fundorts Les Graviers. Erst beim Aushub von zwei Rohrleitungsgräben (Tranchée du Tram und Tranchée du Gaz) wurde eine Notfallgrabung durchgeführt, die verschiedene Einzelfunde und Pfahlreste im Aushub erbrachte und einige allgemeine Beobachtungen erlaubte. Die chronotypologische Auswertung der Funde und die dendrochronologischen Untersuchungen bestätigten die 1924 postulierte Stratigrafie und erlaubten zum Teil sogar deren präzisere zeitliche Bestimmung: Die Siedlungshorizonte der Horgener Kultur datieren demnach in die Zeit zwischen 3159-3110 und 3083-3054 v.Chr., die Kulturschicht aus der älteren Phase der Lüscherzkultur in die Zeit zwischen 3010-2946 v.Chr. und diejenige aus der jüngeren Phase der Lüscherzkultur in den Zeitraum 2789-2701 v.Chr. Ausserdem wurde die Besiedlung für zwei weitere Phasen nachgewiesen, von denen die erste in die Frühbronzezeit (1648-1610 v.Chr.), die zweite in die Spätbronzezeit (1055-944 v.Chr.) zu datieren ist. Am Ufer des Neuenburgersees wurden mit den Dörfern Les Graviers und Les Ténevières, das ca. 800 m weiter östlich liegt, bislang erst zwei frühbronzezeitliche Siedlungen entdeckt.

Quellen und Literatur

  • Viollier, David; Vouga, Paul: "Lac de Neuchâtel", in: Pfahlbauten. Zwölfter Bericht, 1930, S. 5-43 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 30/7). Online: e-periodica, konsultiert am 25.09.2018.
  • Ramseyer, Denis: L’industrie en bois de cerf du site néolithique des Graviers, 1982, S. 73-113 (Cahiers d’archéologie romande, 23).
  • Schifferdecker, François: "La baie d’Auvernier. Topographie et stratigraphies", in: Billamboz, André; Brochier, Jacques-Léopold et al.: La station littorale d’Auvernier-Port. Cadre et évolution, 1982, S. 131-141 (Cahiers d’archéologie romande, 25).
  • Arnold, Béat: A la poursuite des villages lacustres neuchâtelois. Un siècle et demi de cartographie et de recherche, 2009 (Archéologie neuchâteloise, 45).