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Bevaix - L’Abbaye 2

Ufersiedlung der Bronzezeit am Nordufer des Neuenburgersees, in der ehemaligen Gemeinde Bevaix, Gemeinde La Grande Béroche (NE), seit 2011 Unesco-Welterbe.

Bevaix - L'Abbaye 2: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Bevaix - L'Abbaye 2: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Die Siedlung L’Abbaye 2 liegt in der Bucht von Bevaix auf einer weiten Uferterrasse, die sich bis zu den Jurahängen im Norden hinzieht und im Osten durch die Landspitze La Pointe du Grain geschützt wird. Auf dieser Terrasse wurden zwischen dem Jungneolithikum (um 3800 v.Chr.) und der Spätbronzezeit (1050-880 v.Chr.) um die 20 Dörfer errichtet. Die Ufersiedlung ist seit 1858 bekannt, detailliertere Kenntnisse wurden aber erst im Kontext der Arbeiten für die erste Juragewässerkorrektion  (1868-1891) gewonnen, als die Brüder Adolphe und Maurice Borel in den 1880er Jahren kartografische Aufnahmen der Bucht anfertigten: L’Abbaye 2 lag ca. 180 m vom Ufer entfernt und damit weiter im See als das neolithische Dorf L’Abbaye 1; es wurde über einen Weg oder Steg erreicht, der östlich dieses älteren Dorfs angelegt worden war. Die Fundstelle dehnte sich zu jener Zeit über eine Fläche von 12'000 m2 aus; heute ist sie allerdings infolge der Erosion viel kleiner. Eine 2016 erstellte topografische Aufnahme verzeichnet rund 2000 Pfähle auf einem Areal von ca. 4000 m2, was einem Drittel der Ausdehnung von 1886 entspricht.

Aquarelle spätbronzezeitlicher Funde aus der Ufersiedlung Bevaix-L’Abbaye 2, ausgeführt von Maurice Borel, 1924 (Laténium, Hauterive, MCAN B1-46 und B1-45).
Aquarelle spätbronzezeitlicher Funde aus der Ufersiedlung Bevaix-L’Abbaye 2, ausgeführt von Maurice Borel, 1924 (Laténium, Hauterive, MCAN B1-46 und B1-45). […]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden ca. 400 Objekte entdeckt: Waffen und Schmuck aus Bronze, Geschirr und ringförmige Untersätze oder Ständer aus Keramik, die vielleicht als Halterung für Gefässe mit runden Böden dienten, sowie Glasperlen. Aufgrund ihrer Typologie sind diese Objekte den Kulturphasen Hallstatt B1 und B2 (1050-880 v.Chr.) zuzuordnen, die heute zur Spätbronzezeit zählen (Hallstattzeit). Diese Datierung wird durch dendrochronologische Untersuchungen von elf Eichenpfählen gestützt, die eine Besiedlung zwischen 1053 und 878 v.Chr. belegen. Die Grösse der Anlage und die lange Siedlungsdauer von fast 200 Jahren machen deutlich, dass L’Abbaye 2, das als erstes Dorf aus der Spätbronzezeit in der Bucht von Bevaix um 1050 v.Chr. errichtet worden war, auch die wichtigste Siedlung darstellte. Es bildete das soziale Zentrum der Gemeinschaft, die sich in der Bucht niedergelassen hatte. Seine Rolle wurde durch die Anlage von zwei weiteren, bescheideneren Dörfern in unmittelbarer Nähe, Bevaix-Süd und Le Désert, die um 1010 bzw. im Jahr 900 v.Chr. entstanden, noch gestärkt. L’Abbaye 2 und Le Désert wurden 878 v.Chr. aufgegeben.

Quellen und Literatur

  • Borel, Adolphe; Borel, Maurice: "Notice sur les stations lacustres de Bevaix", in: Musée neuchâtelois, 23, 1886, S. 125-137. Online: Rero doc, konsultiert am 01.01.2019.
  • Viollier, David; Vouga, Paul: "Lac de Neuchâtel", in: Pfahlbauten. Zwölfter Bericht, 1930, S. 5-43 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 30/7). Online: e-periodica, konsultiert am 25.09.2018.
  • Arnold, Béat: A la poursuite des villages lacustres neuchâtelois. Un siècle et demi de cartographie et de recherche, 2009 (Archéologie neuchâteloise, 45).
  • Arnold, Béat; Langenegger, Fabien: Bevaix-Sud. Plongée dans le passé, fouille subaquatique d’un village du Bronze final, 2012 (Archéologie neuchâteloise, 50).