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Gorgier - Les Argilliez

Ufersiedlungen des Neolithikums am Nordufer des Neuenburgersees, in der ehemaligen Gemeinde Gorgier, Gemeinde La Grande Béroche (NE), seit 2011 Unesco-Welterbe.

Die Siedlung Les Argilliez entwickelte sich in einer kleinen Bucht, landwärts abgeschlossen durch Felsen, gegen den See begrenzt durch den vor der Siedlung steil abfallenden Seegrund. Diese topografischen Bedingungen verunmöglichten die Anlage von weiteren Dörfern auf diesem Areal.

Gorgier - Les Argilliez: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Gorgier - Les Argilliez: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Neuenburger Seeufersiedlungen kam die Fundstelle Les Argilliez noch nicht bei den Arbeiten für die 1. Juragewässerkorrektion (1868-1891) zum Vorschein, bei der der Seespiegel zwischen 1876 und 1879 um 2,7 m abgesenkt wurde. Die Siedlung, die ähnlich wie andere Pfahlbaudörfer dieser Region (Saint-Aubin-Tivoli 2, Hauterive-Champréveyres) weit draussen im See lag, wurde erst 1909 entdeckt. Die wenigen Erwähnungen bezeugen eine ca. 1000 m2 grosse, flache Aufschüttung von Steinen, welche ausserdem zahlreiche Objekte aus der Cortaillodkultur in sich barg (polierte Steinbeilklingen, Stiel aus Hirschgeweihen, Grobkeramik). Dendrochronologische Untersuchungen an acht Holzproben in den 1990er Jahren legten die Annahme von zwei aufeinanderfolgenden Dörfern des Cortaillod classique (sechs Pfähle wurden zwischen 3841 und 3817 v.Chr. aufgestellt) und des Cortaillod tardif (zwei Pfähle von 3531 und 3528 v.Chr.) nahe. Die 2015 erstellte vollständige Topografie des Pfahlfelds von Les Argilliez ergab, dass die Siedlungszone sich über ein erheblich grösseres Areal erstreckte, als man zu Beginn des 20. Jahrhunderts angenommen hatte. Sie umfasste 4834 Pfähle, die sich auf einer Fläche von 7000 m2 (140 x 50 m) verteilten. In dieser Zone waren zwei unterschiedliche Bereiche auszumachen: Im Westen sind die Pfähle kaum mehr wahrnehmbar, sie stehen eng gedrängt und werden durch eine dichte Ansammlung von Steinen geschützt; im Osten ragen sie, weit verstreut liegend, mehrere Dezimeter über die kreidehaltigen Ablagerungen am Seegrund empor. Diese unterschiedlichen Erhaltungszustände sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die beiden Dörfer unmittelbar aneinandergrenzten; die Siedlung aus dem Cortaillod classique lag im Osten, diejenige aus dem Cortaillod tardif, die besser vor der Erosion geschützt war, im Westen.

Beilklingen und Dechseln aus Grüngestein (4-23 cm), im 19. Jahrhundert entdeckt. Die Funde werden dem Neolithikum bzw. genauer der Cortaillodkultur zugeordnet (Laténium, Hauterive; Fotografie Marc Juillard).
Beilklingen und Dechseln aus Grüngestein (4-23 cm), im 19. Jahrhundert entdeckt. Die Funde werden dem Neolithikum bzw. genauer der Cortaillodkultur zugeordnet (Laténium, Hauterive; Fotografie Marc Juillard). […]

Quellen und Literatur

  • Viollier, David; Vouga, Paul: "Lac de Neuchâtel", in: Pfahlbauten. Zwölfter Bericht, 1930, S. 5-43 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 30/7). Online: e-periodica, konsultiert 25.09.2018.
  • Arnold, Béat: A la poursuite des villages lacustres neuchâtelois. Un siècle et demi de cartographie et de recherche, 2009 (Archéologie neuchâteloise, 45).