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Greng - Spitz

Ufersiedlungen des Neolithikums und der Bronzezeit am Südufer des Murtensees, in der Gemeinde Greng (FR), seit 2011 unter dem Sammelnamen Greng-Spitz Unesco-Welterbe.

Greng - Spitz: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Greng - Spitz: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Zwei Kilometer südwestlich der Stadt Murten fällt die Halbinsel Grengspitz, die einzige am Murtensee, als vorspringendes Element am Südufer besonders auf. Die Fundstelle Spitz, seit 1860 bekannt, erbrachte Überreste aus dem Neolithikum und der Spätbronzezeit. Auf Letztere deuten auch Luftaufnahmen, Oberflächenfunde und Datierungen einer Reihe von Pfählen hin. Diese lassen eine ausgedehnte Siedlung erkennen, die sich hauptsächlich am Nordende der Halbinsel entwickelte. Auf ihrer Westseite findet sich ein Dorf aus dem Jungneolithikum, das zur Cortaillodkultur gehört. Das spätneolithische Fundareal auf der Ostseite der Halbinsel wurde am Ende des 19. Jahrhunderts stark beschädigt, als Graf Wilhelm de Pourtalès dort eine künstliche Insel aufschütten liess.

Carl Muller, in die Tribune de Lausanne vertieft, sitzt inmitten der Fundstelle von Greng-Spitz. Anonyme Fotografie, Winter 1901-1902 (Amt für Archäologie des Kantons Freiburg).
Carl Muller, in die Tribune de Lausanne vertieft, sitzt inmitten der Fundstelle von Greng-Spitz. Anonyme Fotografie, Winter 1901-1902 (Amt für Archäologie des Kantons Freiburg). […]

Dank der archäologischen Untersuchungen zu Beginn der 2000er Jahre und der systematischen Kartierung des Pfahlfelds 2014 und 2015 konnte der Komplex von Ufersiedlungen detaillierter beschrieben werden. Einige Siedlungen, die sich über eine Fläche von rund 7,5 ha (maximale Ausdehnung, Belegung über mindestens drei Zeitperioden hinweg) erstrecken, liegen teils unter Wasser, teils an Land. Die Position von fast 600 mehrheitlich spätbronzezeitlichen Pfählen wurde georeferenziert. Der so erhaltene Plan liess einige Reihen erkennen, die grösseren oder kleineren Wohneinheiten entsprechen. Die wichtigste Entdeckung aufgrund der neuesten Forschungen ist eine zwischen See und Dorf verlaufende Palisade aus kleinen, eingeschlagenen Pfählen aus weissem Holz. In Anbetracht ihrer relativ bescheidenen Ausmasse handelt es sich vermutlich um einen Wellenbrecher oder um eine Einzäunung. Ermittelt wurden mehrere Holzschlagphasen: zwischen 3864 und 3820 sowie zwischen 1065 und 954 v.Chr. Die verschiedenen, in diesem Ensemble von Pfahlbausiedlungen vorgenommenen Grabungen förderten sehr ergiebiges Fundmaterial aus Stein, Keramik und Metall sowie organischen Stoffen zutage, das heute in zahlreichen in- und ausländischen Museen aufbewahrt wird.

Grundriss des Fundareals Greng-Spitz im Jahr 1913 (links) und Fotografie der Pfahlreste im Winter 1902-1903 (rechts). Die abgebildeten Seiten stammen aus Carl Mullers "Les stations lacustres du lac de Morat", publiziert in den Annales fribourgeoises, 1913, Heft 4, S. 145-160 (Amt für Archäologie des Kantons Freiburg).
Grundriss des Fundareals Greng-Spitz im Jahr 1913 (links) und Fotografie der Pfahlreste im Winter 1902-1903 (rechts). Die abgebildeten Seiten stammen aus Carl Mullers "Les stations lacustres du lac de Morat", publiziert in den Annales fribourgeoises, 1913, Heft 4, S. 145-160 (Amt für Archäologie des Kantons Freiburg). […]

Quellen und Literatur

  • Süsstrunk, Jakob: Bericht über den Stand der Pfahlbautenausgrabungen im Murtensee per 1884, 1885, Amt für Archäologie des Kantons Freiburg.
  • Keller, Ferdinand: Pfahlbauten. Dritter Bericht, 1860 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 13/2.3). Online: e-periodica, konsultiert am 01.10.2018.
  • Troyon, Frédéric: Habitations lacustres des temps anciens et modernes, 1860 (Mémoires et documents de la Société d'histoire de la Suisse romande, 17).
  • Keller, Ferdinand: Pfahlbauten. Fünfter Bericht, 1863 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 14/6). Online: e-periodica, konsultiert am 01.10.2018.
  • Uhlmann, Johann: "Greng, am südlichen Ufer des Murtnersees, circa 1/3 Stunden westlich von Murten", in: Keller, Ferdinand: Pfahlbauten. Sechster Bericht, 1866, S. 264-267 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 15/7). Online: e-periodica, konsultiert am 1.10.2018.
  • Bonstetten, Gustave de: Second supplément au recueil d’antiquités suisses, 1867 (Recueil d’antiquités suisses, 3).
  • Keller, Ferdinand: Pfahlbauten. Siebenter Bericht, 1876, S. 41 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 19/3). Online: e-periodica, konsultiert am 01.10.2018.
  • Bonstetten, Gustave de: Carte archéologique du canton de Fribourg, 1878.
  • Gremaud, Jean: "Bec de Greng", in: Archives de la Société d’histoire du canton de Fribourg, 1886, H. 4, S. 41.
  • Muller, Carl: "Les stations lacustres du Lac de Morat", in: Annales fribourgeoises, 1913, Nr. 4, S. 145-160.
  • Corboud, Pierre; Pugin, Christiane et al.: Rapport sur la campagne de prospection des stations littorales du lac de Morat, 4 Bde., 1992-2001.
  • Arnold, Béat, Hafner, Albert et al.: "Die Region der drei Seen - im Grenzraum zwischen Romandie und Deutschschweiz", in: Archäologie Schweiz, 2004, Nr. 2, S. 42-53. Online: e-periodica, konsultiert am 27.09.2018.