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Murten - Segelboothafen

Ufersiedlung des Neolithikums am Südufer des Murtensees, in der Gemeinde Murten (FR), seit 2011 Unesco-Welterbe.

Murten - Segelboothafen: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Murten - Segelboothafen: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Die vor der Altstadt von Murten im See liegende Fundstelle Murten-Segelboothafen wurde in den 1880er Jahren von Jakob Süsstrunk entdeckt, nachdem der Seespiegel im Rahmen der 1. Juragewässerkorrektion (1868-1891) abgesenkt worden war. Nordöstlich der Einmündung des Mühlebächlis wurde 1883-1884 eine grosse Anzahl für das Neolithikum charakteristischer Funde gemacht (geschliffene Beilklingen, Pfeilspitzen und Sichelklingen aus Silex).

Die Fundstelle, von der etwa 0,7 ha untersucht wurden, liegt in der ufernahen Flachwasserzone. Bei Prospektionen in den Jahren 1999 und 2009 wurde eine beginnende Erosion der stellenweise bis zu 40 cm mächtigen archäologischen Schicht festgestellt. Im Winter 2010 ermöglichte eine taucharchäologische Untersuchung, den Erhaltungszustand der Kulturschicht genauer zu dokumentieren und die Ausdehnung des Pfahlfelds zu bestimmen. Dabei wurden auch Funde von verschiedenen Materialien gemacht (Keramik, Steinwerkzeuge, Gefässe aus Holz und Knochenartefakte, Tierreste).

Silexklingen von der Fundstelle Murten-Segelboothafen aus dem Cortaillod tardif (Amt für Archäologie des Kantons Freiburg).
Silexklingen von der Fundstelle Murten-Segelboothafen aus dem Cortaillod tardif (Amt für Archäologie des Kantons Freiburg).

Der Wirrwarr der Pfähle weist auf eine Überlagerung von mehreren Bauetappen hin; allerdings ist es auch auf der Basis der neuesten Grabungen für viele Bereiche nicht möglich, diese Etappen genau zu rekonstruieren. Wahrscheinlich sind zwei Siedlungsphasen zu unterscheiden. Die erste ist aufgrund der Funde von Tonkrügen mit Knuppen am oberen Gefässrand und mit flachen Böden sowie dendrochronologischer Untersuchungen (Schlagdaten aus der Zeit zwischen 3572 und 3552 v.Chr.) dem mittleren Jungneolithikum zuzuordnen (Cortaillod tardif). Auch im Endneolithikum (Auvernier-Cordé) dürfte das Areal besiedelt gewesen oder doch zumindest regelmässig begangen worden sein. Diese zweite Phase ist aber bis heute nur durch ein einziges Schlagdatum (2539 v.Chr.) dokumentiert.

Quellen und Literatur

  • Süsstrunk, Jakob: Bericht über den Stand der Pfahlbautenausgrabungen im Murtensee per 1884, 1885, Amt für Archäologie des Kantons Freiburg.
  • Munro, Robert: Les stations lacustres d’Europe aux âges de la pierre et du bronze (lake dwellings, Pfahlbauten, palafitti), 1908. Online: BnF Gallica, konsultiert am 02.10.2018.
  • Heierli, Jakob: "Die neolithische Periode", in: Jahresbericht der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte, 2, 1909, S. 25-58. Online: e-periodica, konsultiert am 02.10.2018.
  • Heierli, Jakob: "Die Bronzeperiode", in: Jahresbericht der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte, 2, 1909, S. 58-76. Online: e-periodica, konsultiert am 02.10.2018.
  • Heierli, Jakob: "Das Neolithikum", in: Jahresbericht der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte, 3, 1910, S. 33-65. Online: e-periodica, consulté le 02.10.2018.
  • Muller, Carl: "Les stations lacustres du Lac de Morat", in: Annales fribourgeoises, 1913, Nr. 4, S. 145-160.
  • Peissard, Nicolas: Carte archéologique du canton de Fribourg, 1941.
  • Schwab, Hanni: Jungsteinzeitliche Fundstellen im Kanton Freiburg, 1971 (Schriften zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz, 16).
  • Corboud Pierre; Pugin, Christiane et al.: Rapport sur la campagne de prospection des stations littorales du lac de Morat, 4 Bde., 1992-2001.
  • Crivelli, Caroline; Blumer, Reto et al.: "Passé, présent et avenir de l’archéologie lacustre fribourgeoise", in: Freiburger Hefte für Archäologie, 14, 2012, S. 4-87. Online: e-periodica, consulté le 01.10.2018.