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Collonge-Bellerive - Bellerive I

Ufersiedlung der Bronzezeit am Südufer des Genfersees, in der Gemeinde Collonge-Bellerive (GE), seit 2011 Unesco-Welterbe.

Collonge-Bellerive - Bellerive I: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Collonge-Bellerive - Bellerive I: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Die Fundstelle liegt ca. 170 m vom Ufer entfernt im See, etwa auf der Höhe der Schiffsanlegestelle von Bellerive. Sie umfasst die am besten erhaltene Siedlung aus der Spätbronzezeit am Schweizer Ufer des Petit-Lac (Westteil des Genfersees). Eine zweite, bescheidenere und stark erodierte Niederlassung (Bellerive II) befindet sich näher am Ufer und gehört zur Kultur des Auvernier-Cordé im Endneolithikum (Neolithikum).

1870 wies Hippolyte Gosse als Erster auf die Fundstelle Bellerive I hin. Doch erst 1986 wurden mittels Tauchgängen erste Erkundungen unternommen und Dokumentationen erstellt. Bohrungen ermöglichten, die flächenmässige Ausdehnung der Kulturschicht zu umreissen, deren Mächtigkeit abzuschätzen und drei gegen den See abfallende Kulturschichthorizonte zu identifizieren. 1988 wurden 45 Pfähle zur dendrochronologischen Bestimmung entnommen.

Bellerive I erstreckt sich über die verhältnismässig grosse Fläche von 390 x 95 m. Die sehr gut erhaltene archäologische Schicht, die über eine Länge von etwa 200 m verfolgt werden kann, beschränkt sich auf die Partien der Fundstelle, die am weitesten draussen im See liegen. Pfähle sind in grosser Dichte vorhanden, ebenso viele Fundobjekte, die an der Erosionskante der Kulturschicht zum Vorschein kamen. Eine von Menschen angelegte Aufschüttung aus Kies und Geröll (ténevière) breitet sich über das gesamte archäologische Areal aus, doch nimmt deren Dichte vom See in Richtung Land zu. Trotz ihrer Entfernung zum heutigen Ufer sind die Oberflächen der archäologischen Schichten am Seegrund bei sturmbedingtem Wellenschlag regelmässig der Erosion ausgesetzt.

Korbboden aus Haselruten, gefunden bei den Prospektionsarbeiten 1986, gezeichnet von Françoise Burri (Service cantonal d'archéologie Genève).
Korbboden aus Haselruten, gefunden bei den Prospektionsarbeiten 1986, gezeichnet von Françoise Burri (Service cantonal d'archéologie Genève). […]

Das reiche Fundmaterial setzt sich aus Keramikbruchstücken, Werkzeugen aus Bronze, Schmuckgegenständen, Spinnwirteln und ringförmigen Untersätzen oder Ständern aus Keramik zusammen. Es wird im Musée d’art et d’histoire in Genf aufbewahrt. Während der Untersuchungen 1986 wurden viele Keramikfragmente geborgen, anhand derer sich die Gefässformen rekonstruieren lassen. Der ebenfalls damals aufgefundene Korbboden aus Haselnusszweigen stellt eines der seltenen Zeugnisse urgeschichtlicher Korbflechterei am Genfersee dar.

Eine erste Reihe dendrochronologischer Datierungen bestätigte die Belegung von Bellerive I in der Spätbronzezeit zwischen 998 und 880 v.Chr. Damit war die Fundstelle im gleichen Zeitraum besiedelt wie die Seeufersiedlung Chens-sur-Léman-Tougues, die 9 km nördlich in Frankreich liegt.

Quellen und Literatur

  • Heierli, Jakob: "Les stations lacustres du Léman", in: Pfahlbauten. Neunter Bericht, 1888, S. 82-87 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 22/2). Online: e-periodica, konsultiert am 08.10.2018.
  • Forel, François-Alphonse: Le Léman. Monographie limnologique, 3 Bde., 1892-1904 (19692).
  • Viollier, David: "Lac Léman", in: Pfahlbauten. Zwölfter Bericht, 1930, S. 44-56 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 30/7) Online: e-periodica, konsultiert am 08.10.2018.
  • Corboud, Pierre: Inventaire et étude archéologique des sites préhistoriques immergés du Léman. Rapport préliminaire sur les recherches réalisées en 1986. Station Bronze final de Collonge-Bellerive, [1987].