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Corsier - Port

Ufersiedlungen des Neolithikums und der Bronzezeit am Südufer des Genfersees, in der Gemeinde Corsier (GE), seit 2011 unter dem Sammelnamen Corsier-Port Unesco-Welterbe.

Corsier - Port: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Corsier - Port: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Das in einer weiten Bucht gelegene Areal der Pfahlbauten von Corsier-Port wurde 1858 von Hippolyte Gosse entdeckt (früher wurde die Fundstelle La Gabiule genannt). Ab 1888 werden jeweils zwei Siedlungen erwähnt, eine neolithische, näher am Ufer gelegene, und eine bronzezeitliche weiter draussen im See. Die jüngste Erforschung des Areals setzte 1978 mit einem Projekt für den Bau eines Freizeithafens ein. Im Rahmen der dafür notwendigen Vorarbeiten wurde bis 1981 eine Serie von Prospektionen und anderer Untersuchungen vorgenommen. Das Hafenprojekt wurde schliesslich aufgegeben, aber die Beobachtungen am Ufer- und Seegrund ermöglichten, die Struktur des Fundkomplexes zu begreifen, die Grenzen der Siedlungsausdehnungen in den verschiedenen Zeitphasen zu fassen und eine kleine Grabung an der Erosionskante der Kulturschicht aus dem Jungneolithikum durchzuführen. Diese Arbeiten wurden 1990 weitergeführt und eine Reihe von Schutzmassnahmen wurde umgesetzt, um der Erosion der Kulturschicht an deren Oberfläche entgegenzuwirken.

Die Aufgabe des Dorfs von Corsier-Port. Rekonstruktion einer Szene aus dem Spätneolithikum, um 2900-2600 v.Chr. Zeichnung von André Houot aus dem Werk Des Alpes au Léman. Images de la préhistoire, herausgegeben von Alain Gallay, 20082.
Die Aufgabe des Dorfs von Corsier-Port. Rekonstruktion einer Szene aus dem Spätneolithikum, um 2900-2600 v.Chr. Zeichnung von André Houot aus dem Werk Des Alpes au Léman. Images de la préhistoire, herausgegeben von Alain Gallay, 20082. […]

Corsier-Port ist der einzige Ufersiedlungskomplex am Genfersee, an dem alle vier Hauptsiedlungsphasen (Jung- und Spätneolithikum, Früh- und Spätbronzezeit) zu fassen sind. Die älteste Kulturschicht ist am besten konserviert: In ihr bzw. auf ihrer erodierten Oberfläche kamen Reste organischer Stoffe sowie zahlreiche Gegenstände zum Vorschein, die dem Jungneolithikum (Cortaillod classique) zugeordnet werden. Die zweite Siedlungsphase fällt in das Spätneolithikum (Lüscherzkultur). Aus ihr sind nur Werkzeuge aus Silex und Grüngestein erhalten; anhand der Streuung dieser Steinartefakte lässt sich auch die Siedlungsgrösse in dieser Phase eruieren. Das Fundmaterial aus der Frühbronzezeit verteilt sich auf eine bescheidene Fläche, die südwestlich der anderen Fundzonen liegt. Dazu zählen erodierte Keramikfragmente von Gefässtypen, die für diese Zeitphase charakteristisch sind, sowie drei löffelförmige Randleistenbeile vom Typ Les Roseaux.

Die grösste Siedlung des Komplexes datiert aus der Spätbronzezeit; sie nahm fast die ganze Fläche des Areals ein, die knapp 2 ha ausmacht. Kennzeichen dieser Kulturphase ist die von Menschen angelegte Geröllaufschüttung (ténevière) mittlerer Dichte, aus der zahlreiche, ziemlich gut erhaltene Pfähle hervorragen. Erodierte Keramikfragmente von für diese Phase typischen Gefässen finden sich über die ganze Aufschüttung verstreut.

Keramikensemble, dem Cortaillod classique zugeschrieben. Das grösste Gefäss ist 25 cm hoch (Musée d'art et d'histoire Genève; Fotografie Pierre Corboud).
Keramikensemble, dem Cortaillod classique zugeschrieben. Das grösste Gefäss ist 25 cm hoch (Musée d'art et d'histoire Genève; Fotografie Pierre Corboud). […]

Die Grabung in der Kulturschicht aus dem Jungneolithikum brachte, obwohl sie sich auf eine kleine Fläche begrenzte, überaus zahlreiche Keramikfunde zutage, die für das regionale Cortaillod classique typisch sind und bis heute die einzigen im Genfersee entdeckten Tonerzeugnisse dieser Kulturphase darstellen. Zudem wurden zwei aus Rinde genähte Behälter sowie Werkzeuge aus Knochen und Hirschgeweih gefunden. Im Genferseebecken ist Corsier-Port zweifelsohne die einzige Fundstelle mit derart gut erhaltenen Gegenständen aus dieser Epoche.

Die dendrochronologische Analyse von 253 Pfählen ermöglichte es, acht Zeitspannen einzugrenzen, in denen die jeweiligen Bäume gefällt wurden. Eine einzige ist dem Jungneolithikum (um 3856 v. Chr.) zuzuweisen; die anderen Fällphasen fallen alle in die Spätbronzezeit und folgen einander im Zeitraum zwischen 891 und 850 v. Chr.

Quellen und Literatur

Kurzinformationen
Variante(n)
La Gabiule