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Versoix - Bourg

Ufersiedlung der Bronzezeit am Nordufer des Genfersees, in der Gemeinde Versoix (GE), seit 2011 Unesco-Welterbe.

Versoix - Bourg: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Versoix - Bourg: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Bei der weiträumigen, rund 170 m vor dem heutigen Ufer liegenden Siedlung handelt es sich um eines der am tiefsten im Genfersee versunkenen prähistorischen Dörfer; die Überreste liegen bis zu 5 m unter der Wasseroberfläche. Die Siedlung erstreckte sich über mehr als 3 ha und zeichnete sich durch einen aus Steinen und Pfählen errichteten Steg aus, der vom damaligen Ufer in den zentralen Teil der Siedlung führte. Er wurde auf einer Länge von 125 m nachgewiesen.

1854 wurde die Siedlung in einem Vortrag von Hippolyte Gosse in der Genfer Société d'histoire et d'archéologie erstmals erwähnt. Der Umstand, dass die Fundstelle tief unter Wasser liegt, schützte sie lange vor Plünderungen, bis 1960 ein Genfer Tauchclub Keramikscherben und weitere Objekte auf der erodierten Kulturschicht des Seegrunds einsammelte. Die jüngsten Untersuchungen stammen aus dem Jahr 1983, als ein Plan der Fundstelle erstellt und mit Hilfe von Geländeprofilen deren Topografie bestimmt wurde.

Vase aus Keramik (14 cm hoch) aus der Spätbronzezeit (Musée d'art et d'histoire Genève; Fotografie Pierre Corboud).
Vase aus Keramik (14 cm hoch) aus der Spätbronzezeit (Musée d'art et d'histoire Genève; Fotografie Pierre Corboud). […]

Auf dem Seegrund sind schätzungsweise mindestens 4500 Holzpfähle der Siedlung sichtbar. Die dem Ufer zugewandte Hälfte der Fundstelle ist von einer dichten Steinaufschüttung bedeckt, die sich mit den Kieselsteinen des Uferstegs vermischt. Bei den Fundgegenständen handelt es sich vor allem um Keramikscherben auf der Kulturschicht, die der Spätbronzezeit zugerechnet werden, eine Datierung, die durch ältere Fundgegenstände aus dem Genfer Musée d’art et d’histoire bestätigt wird. Allerdings weist die Sammlung ein eigenartiges Objekt aus Grüngestein auf, eine Art durchbohrter Hammer mit Spitzen, der aus dem Spätneolithikum stammen dürfte.

Hälfte einer zweischaligen Gussform aus Stein (19 cm hoch) zur Herstellung von Bronzeringen (Musée d'art et d'histoire Genève; Fotografie Pierre Corboud).
Hälfte einer zweischaligen Gussform aus Stein (19 cm hoch) zur Herstellung von Bronzeringen (Musée d'art et d'histoire Genève; Fotografie Pierre Corboud). […]

Versoix-Bourg ist wohl die interessanteste, aber auch die am schlechtesten erforschte Fundstelle am Genfersee. Für präzisere Angaben zur Besiedlung und Geschichte sind weitere Untersuchungen nötig. Keine andere spätbronzezeitliche Ufersiedlung der Schweiz verfügt über eine derart grosse Ausdehnung. Im Vergleich mit den anderen Siedlungen am Genfersee aus dieser Zeit liegt sie zudem in ungewöhnlicher Tiefe. Analog zu den spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen in den Buchten von Auvernier und Bevaix am Nordufer des Neuenburgersees hatte Versoix-Bourg in der Region des Petit-Lac (westlicher Teil des Genfersees) möglicherweise eine Zentrumsfunktion inne.

Quellen und Literatur

  • Corboud, Pierre: Inventaire et étude archéologique des sites préhistoriques immergés du Léman. Rapport sur les recherches réalisées en 1983. Station de Versoix, rives de Mies à Céligny, [1983]