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Chevroux - Village

Ufersiedlungen des Neolithikums  am Südufer des Neuenburgersees, in der Gemeinde Chevroux (VD), seit 2011 unter dem Sammelnamen Chevroux-Village Unesco-Welterbe.

Chevroux - Village: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Chevroux - Village: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Sämtliche Fundstellen der Gemeinde Chevroux liegen auf heute trockengefallenen Böden und sind von einer Schlickschicht bedeckt, die eine maximale Mächtigkeit von 1 m erreicht. Die mit einem Auwald und einem Schilfgürtel bewachsene Uferzone gehört zum Naturschutzgebiet Grande Cariçaie. An diese grenzt eine kleine Tourismuszone mit einer Ferienhaussiedlung an, welche die Fundstelle Chevroux-Village teilweise überlagert.

In der Fundzone sind zwei sich zum Teil überlappende Niederlassungen zu unterscheiden, die dem Spät- und dem Endneolithikum zuzuordnen sind. Die ältere im Südosten, die früher als Chevroux 11 bezeichnet wurde, gehört zur Horgener Kultur (3168-3035 v.Chr.). Für die jüngere Ufersiedlung, die unmittelbar nordwestlich anschliesst und teilweise über der älteren liegt, war früher der Name Denévaraz-en-Deçà gebräuchlich. Sie war während der frühen (2917-2902 v.Chr.) und der späten Lüscherzkultur (2813-2652 v.Chr.) sowie zuletzt während des sogenannten Auvernier-Cordé (2640-2427 v.Chr.) belegt.

Hammeräxte mit Schaftlöchern aus Grüngestein, gefunden in Chevroux zwischen 1942 und 1972, der Kultur des Auvernier-Cordé im Endneolithikum zugeordnet. Die grössten Exemplare sind etwa 18 cm lang (Musée cantonal d'archéologie et d'histoire, Lausanne; Fotografie Fibbi-Aeppli, Grandson).
Hammeräxte mit Schaftlöchern aus Grüngestein, gefunden in Chevroux zwischen 1942 und 1972, der Kultur des Auvernier-Cordé im Endneolithikum zugeordnet. Die grössten Exemplare sind etwa 18 cm lang (Musée cantonal d'archéologie et d'histoire, Lausanne; Fotografie Fibbi-Aeppli, Grandson). […]

Diese Ufersiedlungen sind schon in der Karte des Obersten Louis-Alphonse de Mandrot von 1881 wiedergegeben. Erste genauere Informationen über sie  wurden allerdings erst zwischen 1942 und 1950 während der Sondiergrabungen gewonnen, die Jean-Charles Hübscher durchführte. Seine Arbeiten brachten zwei archäologische Schichten in einer Tiefe von etwa 25 bzw. 50 cm zum Vorschein. Der südöstliche Teil des Fundareals ist heute aufgeschüttet und mit Ferienhäusern überbaut. Nur die nordwestliche Hälfte liegt im Feuchtgebiet und weist noch eine intakte archäologische Schicht und erhaltene Pfähle auf. 2006-2008 wurde eine Rettungsgrabung im Zusammenhang mit Sanierungsmassnahmen, für die auch Gräben zu ziehen waren, in und unmittelbar vor der Ferienhaussiedlung durchgeführt. Dank dieser Untersuchungen liessen sich der Erhaltungszustand der Fundstelle bestimmen, die Abfolge der Kulturschichten präzisieren und die verschiedenen Dörfer gegeneinander abgrenzen. Ausserdem konnten Pfähle für dendrochronologische Analysen geborgen werden.

Die mit Pfählen bestückte Fläche erstreckt sich über ein Gebiet, das grösser ist als die Fläche der anthropogenen Schichten. Es handelt sich um eines der am besten erhaltenen Fundareale im gesamten Ufersiedlungskomplex der Gemeinde Chevroux. Was dieses Ensemble aus dem Spät- und Endneolithikum besonders auszeichnet, ist die Informationsdichte über die Siedlungsausdehnung für einen Zeitraum von etwa 700 Jahren. Das archäologische Fundmaterial ist sehr reich und gut erhalten, sowohl in den alten Sammlungen als auch im Fundgebiet. Entdeckt wurde Werkzeug aus geschliffenem Grüngestein, darunter durchlochte Hammeraxtklingen sowie verschiedene Gerätschaften aus Knochen.

Quellen und Literatur