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VreniSchawalder-Linder

3.2.1946 Frauenfeld, von Widnau. Sozialdemokratische Politikerin, erste Regierungsrätin des Kantons Thurgau.

Die Thurgauer Erziehungsdirektorin Vreni Schawalder-Linder (links) zusammen mit der US-Botschafterin in der Schweiz, Madeleine M. Kunin. Fotografie von Mario Gaccioli, 7. Mai 1999 (KEYSTONE, Bild 1490617).
Die Thurgauer Erziehungsdirektorin Vreni Schawalder-Linder (links) zusammen mit der US-Botschafterin in der Schweiz, Madeleine M. Kunin. Fotografie von Mario Gaccioli, 7. Mai 1999 (KEYSTONE, Bild 1490617). […]

Vreni Linder ist die Tochter des Karl Linder, freisinnigen Kantonsrats, und der Lilly geborene Bommeli. Ihre Eltern betrieben eine Zimmerei in Münchwilen (TG). 1953-1962 besuchte Linder die Primar- und Sekundarschule in Münchwilen. 1962-1967 liess sie sich – unterbrochen von einem Praktikumsjahr an der Unterstufe Tuttwil – am Lehrerseminar Kreuzlingen zur Primarlehrerin ausbilden. 1968 heiratete sie den Primarlehrer Walter Schawalder. Bis zur Geburt ihres ersten Kindes 1969 arbeitete sie als Unterstufenlehrerin in St. Margarethen bei Münchwilen, danach übernahm sie bis 1991 Stellvertretungen an diversen Schulen. Zudem war sie als freie Journalistin tätig, schrieb Glossen für das Thurgauer Tagblatt und den Thurgauer Volksfreund. 2001-2009 machte sie sich einen Namen als Rätselautorin unter anderem für die NZZ am Sonntag und die Thurgauer Zeitung. 2003 verfasste sie einen Beobachter-Ratgeber zur Gründung und Arbeit von Vereinen, der bis 2013 in mehreren überarbeiteten Auflagen erschien.

Nach ihrem Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei (SP) 1976 war Schawalder-Linder bis 1996 in der SP Romanshorn (1991-1993 Interimspräsidentin) und zeitweise in der lokalen SP-Frauengruppe aktiv. 1991-1996 amtierte sie als Gemeinderätin in der Exekutive von Romanshorn. 1988 gelangte sie in den Grossen Rat des Kantons Thurgau, den sie 1994-1995 präsidierte und dem sie bis 1996 angehörte. 1996 schaffte Schawalder-Linder als erste Frau die Wahl in den Thurgauer Regierungsrat. Hier stand sie dem Departement für Erziehung und Kultur vor. Zu den wichtigen Geschäften während ihrer Amtszeit zählten die neue Maturitätsverordnung und die neue Finanzierungsweise der Volksschulen im Thurgau. 2000 legte sie ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.

Ehrenamtlich betätigte sich Vreni Schawalder-Linder ab 1976 bis Anfang der 1980er Jahre beim Mahlzeitendienst Romanshorn und als Einsatzleiterin des Rotkreuzfahrdienstes, Institutionen, die vom lokalen katholischen Frauenverein, dem gemeinnützigen Frauenverein und den SP-Frauen verwaltet wurden. Als Mutter einer Tochter, die mit einer Behinderung geboren wurde, setzte sich Schawalder-Linder ganz besonders für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen ein: So wirkte sie 1980-1993 als Gründungspräsidentin der Vereinigung der Eltern und Freunde geistig Behinderter Oberthurgau (Insieme Thurgau), 1988-1994 im Vorstand der Betriebskommission Bildungsstätte Sommeri (ab 1990 Vizepräsidentin) und 1994-1996 in der Fachkommission für das thurgauische Behindertenwesen. 1993-2006 gründete und präsidierte sie das Regionalkomitee Bodensee-Rhein der Hilfsaktion Gemeinden gemeinsam – Hilfe für Sombor (Serbien). 2001-2009 war sie im Vorstand des Frauenarchivs Thurgau. Weiter engagierte sich Schawalder-Linder auch kulturell: Unter anderem fungierte sie 2013-2019 als Präsidentin des Vereins Feines Kino Romanshorn, der das Kino Roxy in Romanshorn betreibt.

Quellen und Literatur

  • Staatsarchiv Thurgau, Frauenfeld, Thurgauer Frauenarchiv, Vorlass  Schawalder-Linder, Vreni (in Bearbeitung).
  • Thurgauer Zeitung, 28.8.1995.
  • Büchi, Eva: "Getauschte Rollen. Vreni Schawalder-Linder", in: Verein Thurgauerinnen gestern – heute – morgen aus Anlass des Jubiläums 150 Jahre Bundesstaat / 200 Jahre Unabhängigkeit des Kantons Thurgau (Hg.): Bodenständig und grenzenlos. 200 Jahre Thurgauer Frauengeschichte(n), 1998, S. 223-225.
  • St. Galler Tagblatt, 30.6.2009.
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