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CorneliaFüeg

5.6.1941 Zürich, von Hauenstein-Ifenthal und Olten. Freisinnige Politikerin, erste Nationalrätin und erste Regierungsrätin des Kantons Solothurn.

Cornelia Füeg als wilde FDP-Regierungsratskandidatin mit den Mitbewerbern Rolf Ritschard (SP, links) und dem von der FDP nominierten Willy Pfund während eines Streitgesprächs in den Redaktionsräumen der Solothurner Zeitung, 1987 (Fotografie Alois Winiger).
Cornelia Füeg als wilde FDP-Regierungsratskandidatin mit den Mitbewerbern Rolf Ritschard (SP, links) und dem von der FDP nominierten Willy Pfund während eines Streitgesprächs in den Redaktionsräumen der Solothurner Zeitung, 1987 (Fotografie Alois Winiger). […]

Cornelia Hitz, Tochter des Heinrich Hitz und der Maria Anna geborene Wegmann, besuchte die erste Klasse in Stallikon und setzte die Schule ab der zweiten Klasse im nahe gelegenen Tägerst und in Horgen fort. Das Gymnasium absolvierte sie an der Töchterschule in Zürich. Das anschliessende Jurastudium an den Universitäten Zürich und Berlin schloss sie 1965 mit dem Lizenziat ab. 1966 heiratete sie den Agraringenieur und Lehrer an der kantonalen Landwirtschaftsschule Kurt Füeg, mit dem sie vier Kinder hatte. Zusammen führten sie den familieneigenen Bauernhof in Wisen (SO). 1972 erwarb Füeg das Fürsprecher- und Notariatspatent des Kantons Solothurn und praktizierte als Rechtsanwältin und Notarin. Im Auftrag der Frauenzentrale Solothurn bot sie eine kostenlose Rechtsberatung an. 1983 liess sich Füeg am Wallierhof in Riedholz zur eidgenössisch diplomierten Bäuerin ausbilden.

Am 7. Februar 1971, dem Tag der Annahme des eidgenössischen Frauenstimmrechts, wurde Cornelia Füeg als erste Frau im Kanton Solothurn zur Gemeindeschreiberin gewählt. Das Amt versah sie in Wisen bis 1974. Seit 1971 Mitglied der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP), schaffte Füeg 1973 zusammen mit fünf anderen Frauen die Wahl in den Solothurner Kantonsrat, in dem sie unter anderem Mitglied der ständigen Justiz-, Rekurs- und Petitionskommission war. Das Kantonsratsmandat hatte sie bis 1977 inne. Wiederum als erste Frau vertrat sie den Kanton Solothurn 1975-1983 im Nationalrat. Hier setzte sich Füeg insbesondere für die rechtliche Gleichstellung von Frau und Mann ein und präsidierte die vorberatende Parlamentskommission zum Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung. 1976-1983 wirkte sie als Präsidentin der 1974 gegründeten Arbeitsgruppe Frau und Politik der FDP Schweiz, die sich mehrheitlich aus etablierten freisinnigen Politikerinnen zusammensetzte und stets von einer Nationalrätin geleitet wurde. Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich in ihrer Präsidialzeit mit Themen wie Mutterschaftsversicherung, Schwangerschaftsabbruch, Entkriminalisierung des Drogenkonsums, Besserstellung der Frauen in der Alters- und Hinterlassenenversicherung oder Fortpflanzungstechnologien. 1987 setzte sich Füeg als wilde Kandidatin bei den Regierungsratswahlen gegen den offiziellen FDP-Kandidaten durch, was ihr heftige Anfeindungen und eine lange innerparteiliche Gegnerschaft eintrug. Als erste Frau in der Solothurner Regierung führte sie bis zu ihrem Rücktritt 1997 das Bau- und Justizdepartement.

Füeg präsidierte 1997-2002 den Rat für Raumordnung, eine ausserparlamentarische Kommission, die den Bundesrat und die Bundesstellen berät. 2000-2002 sass sie im Stiftungsrat der Pro Senectute und amtierte 2001-2011 als erste Ombudsfrau des Verbands öffentlicher Verkehr. Ausserdem war Füeg seit dem Ende ihrer politischen Karriere wieder vermehrt auf dem Bauernhof in Wisen tätig.

Quellen und Literatur

  • Solothurner Zeitung, 10.10.2015; 15.4.2017.
  • Amlinger, Fabienne: Im Vorzimmer der Macht? Die Frauenorganisationen von SPS, FDP und CVP (1971-1995), 2017.
  • Heim, Peter; Saner, Fabian: "Geschichte des Kantons Solothurn, 20. Jahrhundert. Politik und Staat – Kirchen und Religion – Kultur", in: Regierungsrat des Kantons Solothurn (Hg.): Solothurnische Geschichte, Bd. 5, Teil 2, 2018, S. 122-123.
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