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GeorgWigand

13.2.1808 Göttingen, 9.2.1856 Leipzig, aus dem Königreich Hannover. Buchhändler und Verleger.

Porträt des Verlegers Georg Wigand. Holzstich aus L'Illustration, Journal universel vom 21. Juli 1855 (HLS, Bestand Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte).
Porträt des Verlegers Georg Wigand. Holzstich aus L'Illustration, Journal universel vom 21. Juli 1855 (HLS, Bestand Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte). […]

Georg Wigand wuchs in Göttingen als zwölftes Kind von Friedrich und Johanna Wigand in einer angesehenen, aber infolge der Kriegsjahre verarmten Familie auf. 1822 zog er in die oberungarische Stadt Kaschau (Košice, Slowakei), um in der Sortimentsbuchhandlung seines Bruders Otto Friedrich Wigand, der sich später als Verleger und Politiker hervortat, eine Lehre zu absolvieren. 1829 übernahm er dessen Geschäft. 1831 heiratete er Caroline Heckenast, mit der er eine Tochter und zwei Söhne hatte.

1834 siedelte Wigand nach Leipzig über und baute den nach ihm benannten Verlag auf. Als grosse Erfolge erwiesen sich die erste deutsche Volksausgabe der Werke William Shakespeares sowie die ebenfalls mehrbändige Reihe Das malerische und romantische Deutschland (1836-1842). Mit Publikationen illustrierter Bücher schuf sich der Verlag Georg Wigand einen renommierten Namen. Wigand arbeitete eng mit dem bekannten Maler Ludwig Richter zusammen, der für die im Verlagskatalog erscheinenden Titel zahlreiche Zeichnungen anfertigte. Künstler wie Peter von Cornelius, Moritz von Schwind oder Julius Schnorr von Carolsfeld waren ebenfalls für ihn tätig. Mit Letzterem realisierte er ab 1852 die Bibel in Bildern. Wigands Initiativen und Erfindungen trugen dazu bei, den Druck von Holzschnitten weiterzuentwickeln. In seinem Verlag erschienen vor allem Volkskalender, Kinder- und Märchenbücher sowie Enzyklopädien, aber auch Zeitschriften und wissenschaftliche Werke. Politisch engagierte sich Wigand im Vormärz in einem Kreis gemässigter Liberaler. Er unterhielt freundschaftliche Kontakte in die Schweiz nach Lützelflüh zum Pfarrer und Volksschriftsteller Albert Bitzius, besser bekannt unter seinem Pseudonym Jeremias Gotthelf. In Wigands Deutschem Volkskalender erschienen 1851-1853 Gotthelfs Erzählungen Ein deutscher Flüchtling, Der Besenbinder von Rychiswyl, versehen mit neun Illustrationen von Richter, sowie Ich strafe die Bosheit der Väter an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied. Ausserdem publizierte Wigand einen Neudruck der Novelle Die Erbbase, die 1851 mit sieben Lithografien von Adolf Erhardt in einem Einzelheft in der Reihe Deutscher Volksbücher erschien. Nach Wigands Tod 1858 übernahm zunächst seine Ehefrau Caroline Wigand in Zusammenarbeit mit Albrecht Kirchhoff das Verlagsgeschäft, später sein jüngster Sohn Martin Wigand.

Illustration von Ludwig Richter zu Jeremias Gotthelfs Erzählung Der Besenbinder von Rychiswyl. Abgedruckt in der Reihe Wiesbadener Volksbücher 156, 1912 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, N 11130/18).
Illustration von Ludwig Richter zu Jeremias Gotthelfs Erzählung Der Besenbinder von Rychiswyl. Abgedruckt in der Reihe Wiesbadener Volksbücher 156, 1912 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, N 11130/18). […]

Quellen und Literatur

  • Pfau, Karl Friedrich: «Wigand, Georg», in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 42, 1897, S. 449-451.
  • Schmidt, Rudolf: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker, Bd. 6, 1908, S. 1043-1047 (Nachdruck 1979).
  • Hunziker, Rudolf: «Jeremias Gotthelf und Georg Wigand. Ihr Briefwechsel», in: Muschg, Walter; Hunziker, Rudolf (Hg.): Dichtung und Forschung. Festschrift für Emil Ermatinger. Zum 21. Mai 1933, 1933 (Sonderdruck).
  • Aeberhardt, Werner E.: Hundert Jahre Illustrationen zu Gotthelf und Gotthelfbilder, 1937.
  • Hundt, Martin (Hg.): Der Redaktionsbriefwechsel der Hallischen, Deutschen und Deutsch-Französischen Jahrbücher (1837-1844), Bd. 1, 2010, S. 190.
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 13.2.1808 ✝︎ 9.2.1856

Zitiervorschlag

Hofer, Markus: "Wigand, Georg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.04.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/058882/2020-04-08/, konsultiert am 28.09.2020.