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AnnaCantoni

18.8.1769 Muggio, 16.8.1846 Muggio, katholisch, von Muggio. Vertreterin einer Baumeister- und Kunsthandwerkerfamilie (Maestranze), deren Interessen sie im Valle di Muggio und in Genua wahrnahm.

Porträt von Anna Cantoni, gemalt von Domenico Pozzi. Öl auf Leinwand, ca. 1787-1790, 79 x 62 cm (Privatsammlung) © Fotografia Pinacoteca cantonale Giovanni Züst, Rancate.
Porträt von Anna Cantoni, gemalt von Domenico Pozzi. Öl auf Leinwand, ca. 1787-1790, 79 x 62 cm (Privatsammlung) © Fotografia Pinacoteca cantonale Giovanni Züst, Rancate. […]

Anna Fontana, genannt Annetta, war das jüngste von drei Kindern des Baumeisters Giuseppe Fontana, Mitarbeiter auf den Baustellen seines Schwiegervaters Pietro Lorenzo Cantoni, und der Maria Antonia Cantoni. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend als Angehörige einer der angesehensten und wohlhabendsten Familien in Muggio: Die Fontana väterlicherseits wie die Cantoni mütterlicherseits waren durch Auswanderung zu Ruhm und Reichtum gekommen. Ihr Bruder Pier Luigi Fontana arbeitete ebenfalls in Ligurien auf den Bauplätzen der Cantoni. Eine Notiz ihres Onkels und Schwagers Simone Cantoni belegt den Aufenthalt Anna Cantonis und ihrer Schwester Maria Giuseppa 1784 in einem Kloster in Como. Sie war ausserdem, wie bei Frauen aus Familien der Maestranze üblich, des Lesens und Schreibens mächtig.

1787 heiratete Anna mit päpstlicher Zustimmung ihren Onkel Gaetano Cantoni; ihre Schwester Maria Giuseppa vermählte sich gleichzeitig mit dessen Bruder Simone Cantoni. Annas Ehe blieb kinderlos. Diese zwar nicht häufigen, doch durchaus üblichen Verbindungen zwischen nahen Blutsverwandten verweisen auf die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gängige Strategie wohlhabender Familien, Heiraten auf einen sehr kleinen Kreis zu beschränken, um das Familienvermögen ungeteilt zu erhalten. Anna Cantoni folgte ihrem Mann Gaetano, der als Architekt und Ingenieur im Dienst von Genua und Ligurien arbeitete, in die ligurische Hauptstadt, wo sie bis in die 1820er Jahre lebte. Ihr Ehe- und Witwenleben war von Glück wie auch von Sorgen geprägt: Sie kämpfte mit der Schwierigkeit, weit entfernt von ihrem Heimattal zu leben, kümmerte sich 1819 während Monaten um ihren bettlägerigen Mann und versuchte trotz wiederholter Mahnungen auch nach dessen Tod vergeblich, einen der savoyischen Regierung gewährten Kredit nach der Angliederung Genuas an das Königreich Sardinien zurückzuerhalten. Von Genua aus pflegte Anna Cantoni eine umfangreiche Korrespondenz, der wir einen Grossteil der Informationen über ihr Leben verdanken. Auf diese Weise unterhielt sie weitläufige Beziehungen zu Verwandten und Bekannten im Valle di Muggio, zu Kontaktpersonen in Genua sowie zu Kollegen, Verwaltern und Sekretären ihres Mannes. Zu Letzteren gehörten etwa Giovanni Battista Nervi und die Adelsfamilie Brignole Sale – der auch der Palazzo Rosso gehörte, in dem Gaetano und Anna Cantoni eine Wohnung bezogen hatten – und vor allem Annetta Demé, ihre Patentochter, der sie den Eintritt in ein Kloster ermöglichen sollte.

Entwurf eines Antwortschreibens von Anna Cantoni an Giovanni Battista Nervi, geschrieben in Muggio am 3. April 1841. Tinte auf Papier, 26 x 18 cm (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Bellinzona, Fondo 2.1.18 Cantoni-Fontana, camicia 78a).
Entwurf eines Antwortschreibens von Anna Cantoni an Giovanni Battista Nervi, geschrieben in Muggio am 3. April 1841. Tinte auf Papier, 26 x 18 cm (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Bellinzona, Fondo 2.1.18 Cantoni-Fontana, camicia 78a). […]

Auch nachdem Anna Cantoni als Witwe nach Muggio zurückgekehrt war, reiste sie wiederholt nach Genua, um sich um die Interessen ihrer Familie zu kümmern und ihre Freundschaften zu pflegen. Noch 1839 plante die Siebzigjährige eine letzte Reise, die ihr schlechter Gesundheitszustand jedoch nicht mehr zuliess. Ihre letzten Lebensjahre widmete sie vor allem ihrem Cousin Luigi Fontana, den sie bei seinem Architektur- und Ingenieurstudium finanziell unterstützte und den sie 1846 kurz vor ihrem Tod zum Erben des Familienvermögens der Cantoni in Muggio bestimmte.

Anna Cantoni, die sich, anders als ihre Schwester Maria Giuseppa, für ein Leben an der Seite ihres Mannes in der Fremde entschied, scheint sich für Frauen der Maestranze ungewöhnlich gut im städtischen Umfeld Genuas integriert zu haben. In den zweifelsohne stark reglementierten gesellschaftlichen Strukturen ihrer Zeit wusste sie sich beachtliche Handlungs- und Entscheidungsfreiräume zu schaffen.

Quellen und Literatur

Weblinks
Kurzinformationen
Variante(n)
Anna Cantone
Anna Maria Cantone
Anna Maria Cantoni
Anna Maria Fontana (Geburtsname)
Annetta Cantone
Annetta Cantoni
Annetta Cantoni Fontana
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 18.8.1769 ✝︎ 16.8.1846

Zitiervorschlag

Stefania Bianchi: "Cantoni, Anna", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.10.2022, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/059612/2022-10-18/, konsultiert am 19.04.2024.