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DidierBurkhalter

17.04.1960 Auvernier, reformiert, von Neuenburg und Sumiswald. Stadtpräsident von Neuenburg, Nationalrat, Neuenburger Ständerat, Bundesrat der FDP.Die Liberalen.

Bundespräsident Didier Burkhalter trifft Wladimir Putin in Wien. Fotografie vom 24. Juni 2014 (Keystone / APA / Georg Hochmuth, Bild 216686743).
Bundespräsident Didier Burkhalter trifft Wladimir Putin in Wien. Fotografie vom 24. Juni 2014 (Keystone / APA / Georg Hochmuth, Bild 216686743). […]

Didier Burkhalter ist das jüngere von zwei Kindern des Eric Burkhalter, Ingenieurs HTL für Sportzeitmessung bei Longines in Saint-Imier, und der Sonia geborene von Büren, Chefsekretärin der Electricité neuchâteloise SA und später Hausfrau. Nach der Primarschule in Auvernier und der Sekundarschule in Colombier (NE) besuchte Burkhalter das Gymnasium in Neuenburg, wo er 1978 die Matura machte. Er begeisterte sich für Fussball und gewann die kantonale Meisterschaft im Freistilschwimmen über 100 m. 1982 schloss er sein Wirtschaftsstudium an der Universität Neuenburg mit dem Lizenziat ab und arbeitete 1984-1986 als Wirtschaftsredaktor für die Geschäftsstelle der Gesellschaft zur Förderung der schweizerischen Wirtschaft in Genf. 1986 heiratete er Friedrun Sabine Schuchter, Tochter des aus einer Bauern- und Handwerkerfamilie stammenden Josef Otto Eugen Schuchter und der Irmengard geborene Schmid. Die Sprachlehrerin aus dem österreichischen Feldkirch arbeitet seit 2017 als Botschafterin des Schweizerischen Roten Kreuzes; das Paar hat drei Kinder.

1985 trat Burkhalter der Neuenburger Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) bei, die sich 2008 mit der Liberalen Partei zur FDP.Die Liberalen zusammenschloss. Rasch stieg er zum kantonalen, später zum Westschweizer Sekretär im Generalsekretariat der FDP Schweiz auf. Der umtriebige Politiker war ausserdem Chefredaktor von Politique, dem Mitgliedermagazin der Partei für die Romandie. Seine politische Karriere begann er 1988 in der Legislative (Generalrat) von Hauterive (NE), wo er bis 1990 verblieb. Danach war er 1991-2005 in der Exekutive der Stadt Neuenburg und 1994-1995, 1998-1999 sowie 2001-2002 Stadtpräsident. Als Regierungsmitglied beschäftigte er sich mit der Renovation des SBB-Bahnhofs und der Kläranlage, der Eröffnung der Landesausstellung Expo.02 am Ufer des Neuenburgersees, mit dem Spitalneubau Nouvel Hôpital Pourtalès sowie mit dem Bau des neuen, multifunktionalen Stadions La Maladière. Als Mitglied des Grossen Rats von Neuenburg 1990-2001 übernahm er verschiedene Aufgaben, darunter das Präsidium der Finanzkommission.

Didier Burkhalter fait le bilan d'une année 2014 très remplie. Beitrag in der Hauptausgabe der Tagesschau 19:30 des Fernsehens der französischen Schweiz vom 16. Dezember 2014 (Radio Télevision Suisse, Genève, Play RTS).
Didier Burkhalter fait le bilan d'une année 2014 très remplie. Beitrag in der Hauptausgabe der Tagesschau 19:30 des Fernsehens der französischen Schweiz vom 16. Dezember 2014 (Radio Télevision Suisse, Genève, Play RTS). […]

Burkhalter rückte 2003 für seinen Parteikollegen Claude Frey in den Nationalrat (Bundesversammlung) nach, dem er bis 2007 als Mitglied der Kommission für Rechtsfragen sowie der Sicherheitspolitischen Kommission angehörte. 2007-2009 vertrat er den Kanton Neuenburg zusammen mit der Sozialdemokratin Gisèle Ory im Ständerat. Hier war er Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission sowie der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Seine weiteren Funktionen als Vizepräsident der Finanzkommission und der Efta/EU-Delegation, die er während seiner Amtszeit ausübte, lassen auf einen gewissen politischen Einfluss in der kleinen Kammer schliessen. Als Pascal Couchepin im Juni 2009 seinen Rücktritt aus dem Bundesrat bekannt gab, bekundete Burkhalter als Erster Interesse an einer Kandidatur. Er trat gegen den Genfer Nationalrat Christian Lüscher, den zweiten offiziellen Kandidaten der FDP.Die Liberalen, sowie gegen zwei Ständeratskollegen an: den Freisinnigen Dick Marty, der den Sitz für das Tessin reklamierte, und den Freiburger Urs Schwaller, der den 2003 verlorenen Bundesratssitz der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) zurückerobern wollte. Am 16. September 2009 behauptete sich Burkhalter im vierten Wahlgang gegen Schwaller mit 129 zu 106 Stimmen. Zunächst Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI), setzte er sich für die Senkung des gesetzlichen Mindestumwandlungssatzes der zweiten Säule (Pensionskassen) sowie für die Einführung des neuen Verfassungsartikels 118b über die Forschung am Menschen ein; Ersteres wurde 2010 vom Volk abgelehnt, Letzteres angenommen. Nach zwei Jahren übernahm er als Nachfolger von Micheline Calmy-Rey das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Hier engagierte sich Burkhalter besonders für die Beziehungen der Schweiz zur Europäischen Union (EU). Seine Absicht, die Annahme eines von der EU seit 2008 geforderten institutionellen Rahmenabkommens voranzutreiben, um den bilateralen Weg zu erneuern und zu sichern, wurde von den Aussenpolitischen Kommissionen des Parlaments unterstützt. Gleichzeitig lehnten vor allem die Schweizerische Volkspartei (SVP), aber auch Teile der FDP das Verhandlungsmandat mit der EU entschieden ab. Burkhalter fand in der Folge nicht die notwendige Unterstützung für sein Anliegen, weder im Bundesrat noch bei den Parteien, einschliesslich der FDP. Überdies wurden die Verhandlungen mit der EU von der sogenannten Masseneinwanderungsinitiative durchkreuzt, deren Annahme bei der Volksabstimmung 2014 im Widerspruch zum Abkommen über die Personenfreizügigkeit stand. 2014 wurde Burkhalter zum Bundespräsidenten gewählt; im gleichen Jahr übernahm er das Präsidium der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die Strahlkraft dieses Doppelmandats gestattete es ihm insbesondere, eine aktive Rolle bei der Entspannung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine zu spielen, der nach der russischen Annektierung der Krim im März 2014 zum Krisenherd in Europa geworden war.

Im Juni 2017 gab Burkhalter überraschend seinen Rücktritt als Bundesrat bekannt. Die Verteidigung humanistischer Werte stand für ihn zu oft im Widerstreit mit der Einhaltung des Kollegialitätsprinzips im Gesamtbundesrat. Tatsächlich dürfte dieser unüberbrückbar gewordene Graben seinen Entscheid zur Demission beeinflusst haben. Sein Nachfolger an der Spitze des EDA wurde sein Tessiner Parteikollege Ignazio Cassis. Burkhalter widmet sich seither dem Schreiben. Bereits kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Bundesrat veröffentlichte er einen ersten Erzählband mit dem Titel Kinder der Erde (deutsch 2018, französisch 2017), in dem er auf die Wertvorstellungen eingeht, die seine politische Karriere prägten. Es folgten weitere literarische Werke, wovon einige auf Deutsch übersetzt wurden.

Quellen und Literatur

  • Archiv für Zeitgeschichte, ETH Zürich, Zürich, Biographische Sammlung, Didier Burkhalter.
  • Burkhalter, Didier: «Der bilaterale Weg der Schweiz. Erneuerung – statt Erosion», in: Kellerhals, Andreas (Hg.): Bilateralismus im multilateralen Europa. Referate zu Fragen der Zukunft Europas 2013, 2014, S. 203-218.
  • Burkhalter, Didier: Kinder der Erde. Geschichten aus aller Welt, 2018 (französisch 2017).
  • Ribeaud, José: Didier Burkhalter. Humaniste et homme de convictions, 2018.
  • Ribeaud, José: «Didier Burkhalter», in: Altermatt, Urs (Hg.): Das Bundesratslexikon, 2019, S. 708-714.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Grégoire Schneider: "Burkhalter, Didier", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.06.2022, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/059641/2022-06-02/, konsultiert am 29.06.2022.