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GuyParmelin

9.11.1959 Bursins, reformiert, von Bursins. Landwirt und Weinbauer, Waadtländer Nationalrat, Bundesrat der Schweizerischen Volkspartei.

Empfang des neu gewählten Bundesrats Guy Parmelin in Nyon. Fotografie vom 17. Dezember 2015 (KEYSTONE / Jean-Christophe Bott, Bild 264296090).
Empfang des neu gewählten Bundesrats Guy Parmelin in Nyon. Fotografie vom 17. Dezember 2015 (KEYSTONE / Jean-Christophe Bott, Bild 264296090). […]

Guy Parmelin ist das älteste von drei Kindern (ein Mädchen und zwei Knaben) des Landwirts und Weinbauern Richard Parmelin und der Jeannine geborene Favre. Nach der Matura 1977 in Lausanne erwarb er 1979 ein Diplom der kantonalen Landwirtschaftsschule Marcelin in Morges und bestand 1985 die eidgenössische Meisterprüfung in Landwirtschaft und Weinbau. Anschliessend arbeitete er im Familienbetrieb, den er zusammen mit seinem Bruder Christophe Parmelin übernahm. 1995 heiratete er die Lehrerin Caroline Merotto, von Zürich, Tochter des Ingenieurs Aldo Merotto und der Maria geborene Moosrainer. Das Paar hat keine Kinder.

Parmelin trat schon als junger Mann der Schweizerischen Volkspartei (SVP) bei, die im Kanton Waadt noch bis 1985 unter der Bezeichnung Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB-SVP) auftrat. Er folgte damit seinem Onkel Maurice Parmelin, der für dieselbe Partei 1982-1991 im Waadtländer Grossen Rat sass. Im Parteiorgan Le Pays vaudois veröffentlichte er 1987 seinen ersten Artikel, in dem er die Ansicht vertrat, dass die Bauern aufgrund ihres Berufs zum Schutz der Umwelt verpflichtet seien. Parmelin begann seine politische Karriere 1993 als Gemeinderatspräsident von Bursins (bis 1999). 1994-2003 war er Grossrat im Kanton Waadt. Parallel stieg er auch innerhalb der Waadtländer SVP auf; er präsidierte die Parteisektion von Rolle und gehörte dem Vorstand der Kantonalpartei an, erst als Vizepräsident, dann als Präsident (2000-2004). Von 2012 bis 2015 war er Mitglied des Verwaltungsrats der Gebäudeversicherung des Kantons Waadt. Parmelin setzte sich für die bäuerlichen Interessen ein (Agrarpolitik) und sass in zahlreichen Vorständen von Landwirtschaftsverbänden, so auch in jenem des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands (SGPV). 1996-2015 war er Verwaltungsmitglied der Fenaco Genossenschaft, ab 2009 als dessen Vizepräsident (Landwirtschaftliche Genossenschaften).

Im Zuge des Richtungswechsels vom traditionellen, sich an einer Wählerschaft in der politischen Mitte orientierenden Kurs zu jenem der Zürcher SVP gewann die Kantonalpartei in der Waadt zunehmend an Bedeutung. So gelang Parmelin 2003 die Wahl in den Nationalrat, wo er ab 2003 der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (Präsident 2013-2015) und ab 2007 jener für Umwelt, Raumplanung und Energie angehörte. Als Staatsrat Jean-Claude Mermoud 2011 im Amt verstarb, galt Parmelin als möglicher Nachfolger. Doch verzichtete er zu Gunsten seiner bundespolitischen Ambitionen auf eine Kandidatur. Die SVP verlor daraufhin einen Sitz in der Waadtländer Kantonsregierung, den sie seither nicht mehr zurückerobern konnte.

Les 100 jours de Guy Parmelin dans son nouveau département de l'Economie. Beitrag in der Hauptausgabe der Tagesschau 19:30 des Fernsehens der französischen Schweiz vom 10. April 2019 (Radio Télévision Suisse, Genf, Play RTS).
Les 100 jours de Guy Parmelin dans son nouveau département de l'Economie. Beitrag in der Hauptausgabe der Tagesschau 19:30 des Fernsehens der französischen Schweiz vom 10. April 2019 (Radio Télévision Suisse, Genf, Play RTS). […]

Parmelin wurde 2015 im spannungsgeladenen Kontext der Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf, die damals die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) vertrat, in den Bundesrat gewählt. Diese war 2007 als SVP-Mitglied, aber gegen den Willen der eigenen Partei Bundesrätin geworden; die SVP setzte daher alles daran, neben Ueli Maurer wieder einen zweiten von ihr vorgeschlagenen Kandidaten in die Landesregierung zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Bundesrat aus drei Frauen und vier Männern (zwei aus der Romandie und fünf aus der Deutschschweiz). Die SVP nominierte mit dem Zuger Nationalrat Thomas Aeschi, dem Tessiner Staatsrat und Mitglied der Lega dei Ticinesi Norman Gobbi und Guy Parmelin drei Bewerber, wobei Letzterer als der moderateste galt. Am 9. Dezember 2015 wurde Parmelin im dritten Wahlgang mit 138 Stimmen von der Vereinigten Bundesversammlung gewählt.

Bundespräsident Guy Parmelin gibt zusammen mit Karin Keller-Sutter (links) und Ignazio Cassis (rechts) den Abbruch der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU bekannt. Fotografie aufgenommen während der Pressekonferenz vom 26. Mai 2021 im Medienzentrum des Bundes in Bern (KEYSTONE / Peter Schneider, Bild 456067063).
Bundespräsident Guy Parmelin gibt zusammen mit Karin Keller-Sutter (links) und Ignazio Cassis (rechts) den Abbruch der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU bekannt. Fotografie aufgenommen während der Pressekonferenz vom 26. Mai 2021 im Medienzentrum des Bundes in Bern (KEYSTONE / Peter Schneider, Bild 456067063).

Von seinem Parteikollegen Maurer übernahm Parmelin das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Nachdem der Kauf des Gripen bei der Referendumsabstimmung vom 18. Mai 2014 abgelehnt worden war, musste er das Dossier zur Beschaffung des zukünftigen Kampfflugzeugs der Schweizer Armee (Luftwaffe) wieder aufnehmen. Parmelin gestaltete das Ausschreibungsverfahren nun so, dass in jedem Fall das Volk die endgültige Wahl treffen sollte. Im Dezember 2018 übergab er das VBS an die neu gewählte Viola Amherd und wechselte anstelle des zurücktretenden Johann Schneider-Ammann an die Spitze des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Hier sah er sich mit einer Reihe von Fragen rund um den Freihandel (Verhandlungen mit den Staaten des Mercado Común del Sur, Mercosur; Volksabstimmung über ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Indonesien), die Agrarpolitik und die Beziehungen zur Europäischen Union (EU) konfrontiert. Hinzu kam bald darauf der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie (Epidemien); als für die Wirtschaft zuständiger Departementsvorsteher oblag ihm die Umsetzung der Unterstützungsmassnahmen zugunsten der Unternehmen. In seiner Funktion als Bundespräsident 2021 gab Guy Parmelin den Verhandlungsabbruch des Rahmenabkommens mit der EU bekannt und führte am Rand des Genfer Gipfeltreffens vom 16. Juni 2021 Gespräche mit Joe Biden und Wladimir Putin.

Quellen und Literatur

  • Archiv für Zeitgeschichte, ETH Zürich, Zürich, Biographische Sammlung, Guy Parmelin.
  • Perrin, Yvan: Election de Guy Parmelin. L’autre lecture, 2016.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Olivier Meuwly: "Parmelin, Guy", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.03.2022, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/059656/2022-03-15/, konsultiert am 23.05.2022.