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ElsyLeuzinger

7.2.1910 Kilchberg (ZH), 27.4.2010 Zürich, reformiert, von Zürich und Glarus. Kunstethnologin, Professorin der Universität Zürich, Direktorin des Museums Rietberg in Zürich, eine der ersten Museumsdirektorinnen der Schweiz.

Elsy Leuzinger in Ägypten, fotografiert im Frühjahr 1953 (Museum Rietberg, Zürich).
Elsy Leuzinger in Ägypten, fotografiert im Frühjahr 1953 (Museum Rietberg, Zürich).

Elsy Leuzinger, Tochter des Kaufmanns Ferdinand Leuzinger und der Barbara Leonie geborene Streiff, wuchs in Kilchberg mit zwei Geschwistern auf. Beeinflusst von ihrer kunstbegeisterten Mutter entwickelte Leuzinger früh ein Interesse für die Kunst. Nach dem Abschluss der Höheren Töchterschule in Zürich, Sprachaufenthalten in London und dem Besuch der Handelsschule in Lausanne wurde sie 1930 Mitarbeiterin und später Konservatorin am Völkerkundemuseum der Universität Zürich. Leuzinger, die unverheiratet und ohne Nachkommenschaft blieb, studierte berufsbegleitend Ethnologie und verfasste erste kleinere Schriften. In ihrer Dissertation, vorgelegt 1949, behandelte sie Wesen und Form des Schmuckes afrikanischer Völker. Trotz ihrer Gehbehinderung, einer Folge von Kinderlähmung, unternahm sie mehrere Reisen nach Afrika, Zentral- und Südamerika sowie nach Indien, Kambodscha, Japan und Indonesien. Besondere Aufmerksamkeit richtete sie auf das Kunstschaffen des subsaharischen Afrika, damals als Schwarzafrika bezeichnet, wo sie 1951 und 1952 mit dem Kunsthändler Emil Storrer sowie 1954 und 1955 mit der Flugpionierin und Ethnologin Jolantha Tschudi ausgedehnte Feldforschung betrieb, Letztere bei den Afo im nigerianischen Hochland.

Plakat zur Austellung Die Kunst von Schwarz-Afrika im Kunsthaus Zürich (128 × 90 cm), entworfen von Walter Bangerter unter Verwendung einer Fotografie von Walter Dräyer, 1970 (Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel, Münchenstein).
Plakat zur Austellung Die Kunst von Schwarz-Afrika im Kunsthaus Zürich (128 × 90 cm), entworfen von Walter Bangerter unter Verwendung einer Fotografie von Walter Dräyer, 1970 (Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel, Münchenstein).

Von 1956 bis 1972 leitete Elsy Leuzinger das Museum Rietberg in Zürich, dessen Sammlung sie durch Ankäufe und Schenkungen erweiterte. Sie legte grossen Wert auf sachgerechte Inventarisation der Bestände, förderte die wissenschaftliche Bearbeitung und deren Publikation und machte damit das Museum Rietberg zu einem der bedeutendsten Museen aussereuropäischer Kulturen. 1970 realisierte sie gemeinsam mit René Wehrli, dem Direktor des Kunsthauses Zürich, die Ausstellung Die Kunst von Schwarz-Afrika, die zu einem kulturellen Grossereignis wurde. Leuzinger war 1953 Mitgründerin des International Council of Museums (ICOM) Schweiz und viele Jahre die einzige Frau in diesem Gremium. Sie habilitierte sich 1960 und lehrte fortan an der Universität Zürich als Privatdozentin für die Kunst aussereuropäischer Völker. 1968 wurde sie Titularprofessorin. Elsy Leuzinger betrachtete Kunstwerke aussereuropäischer Kulturen nicht nur aus der Sicht der Ethnologie, sondern erforschte und würdigte sie mit Methoden und Kriterien der Kunstwissenschaft. Zu ihren Hauptwerken gehören denn auch der Katalog zur oben erwähnten Ausstellung und ihr 1978 erschienener Band der Propyläen-Kunstgeschichte über die Kunst der Naturvölker. Sie war Gründungs-, Vorstands- und Ehrenmitglied der Rietberg-Gesellschaft und wurde 1980 zum Ständigen Ehrengast der Universität Zürich ernannt.

Quellen und Literatur

  • Leuzinger, Elsy: Wesen und Form des Schmuckes afrikanischer Völker, 1950.
  • Leuzinger, Elsy: Afrika. Kunst der Negervölker, 1959 (Kunst der Welt, 1/3).
  • Leuzinger, Elsy: «Die Schnitzkunst im Leben der Afo von Nord-Nigeria», in: Geographica Helvetica, 21, 1966/4, S. 152-161.
  • Leuzinger, Elsy: Die Kunst von Schwarz-Afrika, 1970 (Ausstellungskatalog).
  • Leuzinger, Elsy: Die Kunst der Naturvölker, 1978 (Propyläen-Kunstgeschichte, Supplementbd. 3).
  • Museum Rietberg, Zürich, Schriftenarchiv, Akten von Elsy Leuzinger in den Beständen Korrespondenz, Sammlung, Handakten, Tageskopien und Rietberg-Gesellschaft.
  • Privatarchiv Do (Margrit Dora) Zeller-Briner, Zürich, Teilnachlass Elsy Leuzinger.
  • Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Zürich, Schriftenarchiv.
Weblinks
Kurzinformationen
Variante(n)
Elsa Leuzinger (Taufname)
Lebensdaten ∗︎ 7.2.1910 ✝︎ 27.4.2010

Zitiervorschlag

Peter-Kubli, Susanne: "Leuzinger, Elsy", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24.08.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/060087/2021-08-24/, konsultiert am 28.11.2021.