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MariliTerribilini-Fluck

22.12.1925 Bellinzona,30.9.2011 Sorengo, von Zürich, nach der Heirat von Vergeletto. Sozialdemokratische Tessiner Politikerin und Gründerin des Konsumentinnenvereins der italienischen Schweiz.

Marili Terribilini-Fluck vor dem Palazzo civico auf der Piazza Riforma in Lugano während ihrer Ansprache als Vertreterin der Unione donne socialiste ticinesi (UDST) anlässlich der Demonstration am Tag der Arbeit 1968 (Fondazione Pellegrini-Canevascini, Bellinzona).
Marili Terribilini-Fluck vor dem Palazzo civico auf der Piazza Riforma in Lugano während ihrer Ansprache als Vertreterin der Unione donne socialiste ticinesi (UDST) anlässlich der Demonstration am Tag der Arbeit 1968 (Fondazione Pellegrini-Canevascini, Bellinzona).

Maria Antonietta Fluck, genannt Marili, war die älteste von drei Töchtern des Hans Fluck, Kulturingenieurs aus Zürich, und der Amalia (Mimi) geborene Bonalini, aus Roveredo (GR). Ihr Vater leitete 1931-1942 die Gesamtmelioration der Magadinoebene, bevor er zum Oberingenieur der Melioration der Rheinebene ernannt wurde. Marili Fluck besuchte in Bellinzona die Grundschule, das Gymnasium sowie die kantonale Handelsschule, die sie vorzeitig beendete, und erwarb 1946 in Basel ein Diplom als Laborantin. Danach arbeitete sie einige Jahre in der chemischen Industrie für die Société de la Viscose Suisse und für die Lederfabrik Beretta-Piccoli in Viganello. 1951 heiratete sie den promovierten Juristen Bruno Terribilini, der ab den 1950er Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei war und als Jugendanwalt und später als Appellationsrichter amtierte. Das Paar hatte zwei Töchter. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1956 lebte Terribilini-Fluck in der zweiten Hälfte ihres Lebens mit dem Antifaschisten und Sozialisten Leone Viviani zusammen. Stark prägte sie ausserdem ihre Tante mütterlicherseits, die Journalistin, Liberale und führende Persönlichkeit des Tessiner Frauenstimmrechtsvereins Rezia Tencalla-Bonalini.

Nach dem Tod ihres Gatten arbeitete Terribilini-Fluck zunächst als Sekretärin des Istituto europeo di studi e relazioni intercomunali in Lugano sowie später als Übersetzerin für das Radio und das Fernsehen der italienischen Schweiz. In dieser Zeit nahm sie auch ihr Engagement in der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Tessin auf. Als Mitglied (1956) und Präsidentin (1958) der Unione donne socialiste ticinesi (UDST) vertrat sie diese in der Kantonalsektion und der Parteileitung der Sozialdemokratischen Partei sowie in der Zentralkommission der Sozialdemokratischen Frauen Schweiz. Dabei kämpfte sie besonders für eine bessere Stellung der Frauen innerhalb der Partei und für das Frauenstimmrecht. Sie war die einzige Sozialistin unter den elf Grossrätinnen, die 1971 erstmals ins Tessiner Kantonsparlament einzogen. Dem Rat gehörte sie bis 1979 an und stand ihm während ihrer zweiten Amtszeit 1978 als Vizepräsidentin vor; 1982-1983 hatte sie als nachgerückte Ersatzkandidatin erneut ein Mandat inne. In ihrer parlamentarischen Arbeit setzte sie sich vorrangig für Schul- und Umweltthemen, für die Preisüberwachung sowie für die Gleichstellung von Frau und Mann ein. 1976-1989 war sie zudem Gemeinderätin von Sorengo.

Interview mit Marili Terribilini-Fluck, Präsidentin der Associazione consumatrici della Svizzera italiana (Acsi). Beitrag von Carlo Ponzi für Il Regionale des Schweizer Fernsehens der italienischen Schweiz vom 4. Mai 1980 (Radiotelevisione svizzera, Comano, Play RSI).
Interview mit Marili Terribilini-Fluck, Präsidentin der Associazione consumatrici della Svizzera italiana (Acsi). Beitrag von Carlo Ponzi für Il Regionale des Schweizer Fernsehens der italienischen Schweiz vom 4. Mai 1980 (Radiotelevisione svizzera, Comano, Play RSI). […]

Neben ihrer politischen Tätigkeit war Marili Terribilini-Fluck massgeblich an der Gründung der Associazione consumatrici della Svizzera italiana (Acsi) beteiligt, der sie als erste Präsidentin 1974-1984 vorstand (Konsumenten). Unter ihrer Ägide baute die Acsi ihre Organisationsstruktur auf und veranstaltete zahlreiche Sensibilisierungsaktionen. Geleitet von einem frühen ökologischen Bewusstsein verband sie etwa den Kampf gegen den Anstieg der Preise mit der Forderung nach einem zurückhaltenden, kritischen und der Umwelt gegenüber achtsamen Konsum (Ökologische Bewegung). Während diese Aktionen bezeichnend für ein neues Selbstverständnis von Frauen in der Öffentlichkeit sowie deren Suche nach alternativen Organisationsformen waren, blieb Terribilini-Fluck in anderen Bereichen der traditionelleren Frauenvereinskultur verpflichtet und stand 1973-1980 der Federazione ticinese delle società femminili als Vizepräsidentin vor (Frauenzentralen der Schweiz).

Quellen und Literatur

  • Castelletti, Susanna; Fornara, Lisa: Donne in movimento. Storia della Federazione Associazioni Femminili Ticino 1957-2007, 2007.
  • Barcella, Paolo; Villa, Roberto: «Le carte dell’Associazione delle Consumatrici della Svizzera Italiana all’Archivio di Stato di Bellinzona», in: Archivio storico ticinese, 158, 2015, S. 96-109.
  • Binaghi, Maurizio: «Il paradosso della cittadinanza. La partecipazione femminile nei partiti politici ticinesi (1949-1993)», in: Castelletti, Susanna; Congestrì, Marika (Hg.): Finalmente cittadine! La conquista dei diritti delle donne in Ticino (1969-1971), 2021, S. 203-228.
Weblinks
Kurzinformationen
Variante(n)
Maria Antonietta Fluck (Taufname)
Lebensdaten ∗︎ 22.12.1925 ✝︎ 30.9.2011

Zitiervorschlag

Isabella Rossi: "Terribilini-Fluck, Marili", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.11.2022, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/060156/2022-11-21/, konsultiert am 15.04.2024.