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ErsiliaFossati

25.3.1921 im Veneto, 9.10.1999 Lugano, katholisch, von Meride. Christlichdemokratische Tessiner Politikerin, Präsidentin der Tessiner Sektion des Frauenhilfsdiensts, Vorkämpferin des Frauenstimmrechts.

Ersilia Fossati in der Uniform des Frauenhilfsdiensts (FHD). Porträtfotografie von 1958 (Associazione archivi riuniti delle donne Ticino, Massagno, Fondo Ersilia Fossati).
Ersilia Fossati in der Uniform des Frauenhilfsdiensts (FHD). Porträtfotografie von 1958 (Associazione archivi riuniti delle donne Ticino, Massagno, Fondo Ersilia Fossati).

Ersilia Fossati war das älteste von elf Kindern des Andrea Fossati, Ingenieurs, und der Rosa geborene Scala, von Carona. Sie wurde in einem Ort unweit des Flusses Piave im Veneto geboren, in dem ihr Vater eine Kooperative leitete. Sie besuchte die Grundschule und das Gymnasium des Istituto Ghislanzoni, das die Ursulinen von San Carlo in Mailand führten. Schon während ihrer Jugend unterhielt Fossati viele Kontakte zu Bekannten im Tessin, wo sie ihre Sommerferien im väterlichen Haus zu verbringen pflegte. Der drohende Kriegsausbruch 1939 bewog ihren Vater, mit seiner Familie nach Meride zurückzukehren. Ersilia Fossati setzte ihre Ausbildung am Lehrerseminar Locarno fort und erwarb 1941 das Patent als Primarschullehrerin. Sie blieb unverheiratet und hatte keine Kinder.

Nach einer ersten Anstellung als Italienischlehrerin am Schwesterninstitut Ingenbohl von 1941 bis 1942, wo sie Deutsch lernte, arbeitete Fossati 1942-1971 als Assistentin des Direktors des Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana, Silvio Sganzini, der ihr auch Aufgaben wissenschaftlicher Natur übertrug. 1940-1978 gehörte Fossati dem Frauenhilfsdienst (FHD) an. Anfang des Zweiten Weltkriegs als Freiwillige eingetreten, hatte sie bis Kriegsende als Bürohilfskraft und im Bereich Fürsorge zuerst in Bern und anschliessend in Cugnasco gedient, wofür sie eine Auszeichnung erhielt. 1951-1964 leitete sie die Tessiner Sektion des FHD; in dieser Funktion organisierte sie Wiederholungskurse in deutscher und italienischer Sprache. In Lugano zeichnete sie ab 1963 für die Volkshochschule verantwortlich, war 1971-1975 Sekretärin der Treuhandgesellschaft Fidinam und 1975-1983 des Hauspflegediensts Lugano und Umgebung; in ihrer Amtszeit verdreifachten sich die Letzterem angeschlossenen Gemeinden. Die in vielen Vereinen tätige Fossati war überdies Mitglied sowie 1987-1990 Präsidentin des katholischen Kantonalvereins Pro FiliaMitgründerin sowie 1964-1966 und 1970-1971 Präsidentin des Zonta Clubs Lugano und Mitglied des Stiftungsrats der Pro Senectute Tessin und Misox.

Legitimationsausweis, ausgestellt auf Ersilia Fossati, Abgeordnete in den Grossen Rat für die Legislaturperiode 1971-1975 (Associazione archivi riuniti delle donne Ticino, Massagno, Fondo Ersilia Fossati).
Legitimationsausweis, ausgestellt auf Ersilia Fossati, Abgeordnete in den Grossen Rat für die Legislaturperiode 1971-1975 (Associazione archivi riuniti delle donne Ticino, Massagno, Fondo Ersilia Fossati). […]

Ersilia Fossati engagierte sich aber nicht nur zivilgesellschaftlich, sondern auch – eng mit Ersterem verflochten – für politische Ziele. Als Mitglied des Movimento sociale femminile (ab 1962 Associazione ticinese per il voto alla donna) verwendete sie sich vor allem für das Frauenstimmrecht, indem sie als Rednerin an Veranstaltungen teilnahm, die zu diesem Thema in verschiedenen Gemeinden anlässlich der Abstimmungen auf kantonaler (1969) und nationaler Ebene (1971) abgehalten wurden. Fossati war Mitglied der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP). Sie zählte zu den ersten elf Frauen, die 1971 in den Grossen Rat des Kantons Tessin gewählt wurden. Diesen Sitz hatte sie bis 1983 inne. Sie präsidierte in den 1970er Jahren die Frauengruppe der CVP von Lugano und war erste Kassiererin der 1985 gegründeten kantonalen Frauenorganisation der CVP. Als Grossrätin setzte sich dafür ein, dass auch in Lugano (wie in Locarno) ein Kindergärtnerinnenseminar eingerichtet werde. Sie bekämpfte auch die Abschaffung der Unterhaltsvorschüsse im Fall einer Insolvenz des ehemaligen Ehegatten und forderte den Abbruch der Aushubarbeiten bei der Saceba SA in Balerna, die Schäden an der Umwelt verursachten. 2021 benannte die Gemeinde Mendrisio eine Strasse im Quartier Meride nach ihr.

Quellen und Literatur

  • Ruckstuhl, Lotti: Frauen sprengen Fesseln. Hindernislauf zum Frauenstimmrecht in der Schweiz, 1986.
  • Castelletti, Susanna; Fornara, Lisa: Donne in movimento. Storia della Federazione Associazioni Femminili Ticino 1957-2007, 2007.
  • Castelletti, Susanna; Congestrì, Marika (Hg.): Finalmente cittadine! La conquista dei diritti delle donne in Ticino (1969-1971), 2021.
Weblinks

Zitiervorschlag

Roberta Sciortino: "Fossati, Ersilia", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.11.2022, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/060159/2022-11-21/, konsultiert am 24.04.2024.