de fr it

JosefaFritsche-Koch

9.11.1860 Gonten, 23.5.1949 Gontenbad, katholisch, von Appenzell. Ferggerin, Stickereiunternehmerin mit europaweiten Geschäftsniederlassungen.

Josefa Fritsche-Koch in Innerrhoder Tracht. Porträtfotografie von Jakob Müller, Appenzell, um 1910 (Museum Appenzell, Inv. M6437).
Josefa Fritsche-Koch in Innerrhoder Tracht. Porträtfotografie von Jakob Müller, Appenzell, um 1910 (Museum Appenzell, Inv. M6437).

Josefa Koch wuchs als Tochter des Landwirts, Ratsherrn und Bezirksrichters Johann Baptist Koch und der Stickerin, Ferggerin und Stickereiverkäuferin Maria Josefa geborene Huber auf dem Hof Loos in Gonten auf, einem der grössten Bauernbetriebe in Appenzell Innerrhoden. Sie war die ältere Schwester von Johann Baptist Koch, der später das elterliche Anwesen übernehmen und ebenfalls im internationalen Stickereihandel erfolgreich sein sollte (Stickerei). Bereits in jungen Jahren sammelte sie berufliche Erfahrungen als Verkäuferin in einem Stickereigeschäft im hessischen Wiesbaden. 1881 heiratete sie den Bauern und späteren Innerrhoder Landessäckelmeister Josef Anton Fritsche und zog auf seinen Hof am Hirschberg bei Appenzell. Das Paar hatte elf Kinder, von denen drei im Säuglingsalter verstarben. Fritsche-Koch war eine der bekanntesten Ferggerinnen, die als Zwischenhändlerinnen zwischen den St. Galler bzw. Herisauer Fabrikanten und den Innerrhoder Heimstickerinnen (Heimarbeit) Aufträge und Waren transportierten, die Arbeiten koordinierten und den Verlegern Qualität sowie termingerechte Ablieferung garantierten. Ab 1902 eröffnete sie unter dem Namen ihres Mannes Stickereigeschäfte in Ferien- und Kurorten wie Davos, Interlaken, Vevey, Montreux, Karlsbad und Ostende. Obwohl sie selber ihren Wohnitz am Hirschberg behielt, reiste sie viel und kontrollierte die Geschäfte durch regen Briefkontakt. In den Geschäftsstellen setzte sie wenn möglich ihre Kinder ein. Als ihr Mann 1914 verstarb, überschrieb sie das heimische Bauerngut ihrem Sohn Josef Anton Fritsche und baute für sich ein neues Wohnhaus in Gontenbad, von wo aus sie bis ins hohe Alter ihre Geschäfte führte. Die erfolgreiche Unternehmerin engagierte sich auch für ihre Mitmenschen, indem sie beispielsweise als geistliche Mutter junge Priester an deren Primizaltar begleitete und in finanzielle Schwierigkeiten geratene Studenten unterstützte.

Quellen und Literatur

  • Nisple, Agathe: «Josefa Fritsche-Koch: Beispiel einer Unternehmerin», in: Bräuniger, Renate (Hg.): FrauenLeben Appenzell. Beiträge zur Geschichte der Frauen im Appenzellerland, 19. und 20. Jahrhundert, 1999, S. 76.
Weblinks
Kurzinformationen
Variante(n)
Hubers Josepha (Übername)
Huebere Josefe (Übername)
Hueberi (Übername)
Josefa Koch (Taufname)
Josepha Fritsche-Koch
Josepha Koch
Lebensdaten ∗︎ 9.11.1860 ✝︎ 23.5.1949

Zitiervorschlag

Rebekka Dörig Sutter: "Fritsche-Koch, Josefa", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.03.2022. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/060452/2022-03-03/, konsultiert am 06.02.2023.