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Anna BarbaraZellweger

27.5.1775 Speicher, 27.11.1815 Trogen, reformiert, von Trogen. Landammannsfrau und Beraterin ihres Mannes Jacob Zellweger in politischen Fragen.

Porträt von Anna Barbara Zellweger, Pastell, um 1804, 7 x 5,5 cm (Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, Trogen, KB-017162).
Porträt von Anna Barbara Zellweger, Pastell, um 1804, 7 x 5,5 cm (Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, Trogen, KB-017162).

Anna Barbara Zuberbühler war die zweitgeborene Tochter des Johann Georg Zuberbühler, Arztes und Ratsherrn, und der Katharina Barbara Tobler sowie Enkelin des Johann Jakob Zuberbühler, Arztes und Landammanns, und ältere Schwester des Johann Ulrich Zuberbühler, Kaufmanns und Ratsherrn in Speicher. Als Zehnjährige verlor sie ihren Vater, sonst ist über ihre Kindheit und Jugend kaum etwas bekannt. Nachdem ihre Schwester Catharina Barbara Zuberbühler 1791 den späteren Garnhändler und Landeszeugherrn Michael Tobler geheiratet hatte, vermählte sich Zuberbühler 1793 mit Jacob Zellweger. Dieser führte ab 1792 mit seinem Vater Johannes Zellweger und zwei Brüdern, darunter dem späteren Philanthropen Johann Caspar Zellweger, ein Textilfernhandelsgeschäft in Trogen und Genua und waltete zwischen 1802 und 1818 als Landammann von Appenzell Ausserrhoden sowie als Tagsatzungsgesandter. Ab dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts lebten beide Schwestern mit ihren Familien in Trogen.

Als verheiratete Frau ist Anna Barbara Zellweger biografisch besser fassbar. Aus der Zeit von 1795 bis zu ihrem Tod 1815 sind 120 Originalbriefe und rund 80 Abschriften verschollener Briefe der Eheleute überliefert – ein seltener Glücksfall für die Dokumentation einer Ehe und eines Frauenlebens innerhalb der Führungsschicht in dieser politisch bewegten Zeit. Dabei besticht nicht nur die ebenmässige Handschrift von «Frau Landammann», Anna Barbara Zellweger war ihrem Mann auch gebildete Briefpartnerin wie persönliche Beraterin, verfügte über diplomatisches Gespür und vertrat eine eigenständige politische Meinung. 1804 kommentierte sie etwa mit spitzer Feder die Kaiserkrönung Napoleons I. in Paris, der sie zusammen mit ihrem Mann und der eidgenössischen Gesandtschaft beiwohnte.

Die Familie Zellweger liess 1802-1805 von Konrad Langenegger ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus am Landsgemeindeplatz in Trogen errichten, dessen Bau Anna Barbara Zellweger leitete. Der Baubeginn fiel in die Wintermonate 1802 und 1803, als ihr Mann mit einer Gruppe Föderalisten, darunter Alois Reding, auf der Festung Aarburg inhaftiert war. Zellweger war als Gastgeberin und Gesellschafterin allseits beliebt. Neben den Repräsentationspflichten beaufsichtigte sie alle Arbeiten im Haushalt sowie in der angeschlossenen Landwirtschaft und betreute die Kinder. In 22 Ehejahren gebar sie elf Mädchen und sechs Knaben. Von ihnen erreichten acht das Erwachsenenalter, darunter Jacob, Ulrich und Salomon Zellweger. Sie selbst starb 40-jährig im Kindbett.

Quellen und Literatur

  • Anna Barbara Zellweger-Zuberbühler (1775-1815), hg. von der Gemeinde Trogen und der Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, o.J.
  • Schläpfer, Walter: Landammann Jacob Zellweger von Trogen, 1770-1821. Der Kanton Appenzell A.-Rh. 1797-1818, 1939.
  • Knüsel, Livia: Anna Barbara Zellweger-Zuberbühler (1775-1815). Eine Frau im Brennpunkt ihrer Zeit, 2008 (Ausstellungskatalog).
  • Eisenhut, Heidi: «Wunderlich kommt mir die Baute vor.» Der Fünfeckpalast in Trogen und die Familie Zellweger, 2019.
Weblinks
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Kurzinformationen
Variante(n)
Anna Barbara Zellweger-Zuberbühler
Anna Barbara Zuberbühler (Taufname)
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 27.5.1775 ✝︎ 27.11.1815

Zitiervorschlag

Heidi Eisenhut: "Zellweger, Anna Barbara", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.06.2023. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/060639/2023-06-20/, konsultiert am 20.07.2024.