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Bewegte Bilder lesen – Film als Quelle im HLS

30.09.2019
Das HLS beginnt mit der systematischen Einbettung von bewegtem Bild und Ton in seinen Artikeln, was die dreisprachige Redaktion vor neue Herausforderungen stellt.

Im vordigitalen Zeitalter vernachlässigten die Historiker die filmischen Quellen weitgehend, weil zu deren Auswertung aufwändige technische Apparate notwendig waren und der Zugang zu den einzelnen, meist in nur wenigen Kopien überlieferten Filmen schwierig war. So bildete sich auch kein Konsens über die Formen der Quellenkritik heraus, der mit den etablierten methodischen Vorgaben bezüglich des Umgangs mit schriftlichen, bildlichen oder archäologischen Quellen auch nur annähernd vergleichbar wäre. Die Forschung liess deshalb die als notorisch unzuverlässig geltenden Filmquellen links liegen.

Zugänge zum audiovisuellen Kulturgut

Bericht über die Einführung eines digitalen Buchungssystems bei der Luftfahrtgesellschaft Swissair. Beitrag aus der Schweizer Filmwochenschau Nr. 1368 vom 4. Juli 1969 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#1368-1#1*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern. Verwendet im Artikel Informatisierung.
Bericht über die Einführung eines digitalen Buchungssystems bei der Luftfahrtgesellschaft Swissair. Beitrag aus der Schweizer Filmwochenschau Nr. 1368 vom 4. Juli 1969 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#1368-1#1*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern. Verwendet im Artikel Informatisierung.

Heute werden Filme für die Geschichtswissenschaft zunehmend wichtiger. Mit digitalen Archiven und den technischen Möglichkeiten des Internets hat sich der Zugang zur filmischen Quelle deutlich verbessert. So stehen der Forschung immer grössere Mengen an Filmbeständen zur Verfügung. Der Bedeutungsgewinn schlägt sich auch in der Entwicklung der Methoden nieder, mit denen die verschiedenen Filmtypen, deren Bandbreite von Dokumentationen über Tagesschaubeiträge bis zu Werbe- und Spielfilmen reicht, als historische Quellen bearbeitet werden. Dabei werden Filme immer als Abbild eines Ereignisses interpretiert, weil in ihnen eine oder mehrere Sichtweisen oder Interpretationen zum Ausdruck kommen. Bei der Auswertung von filmischem Material müssen Historiker deshalb versuchen, die unterschiedlichen Ebenen dieser konstruierten Narrative offenzulegen. Entscheidend ist die Frage, zu welchem Zweck bestimmte Sichtweisen dargestellt werden und auf wen sie zurückgehen.

Hauptausgabe der Tagesschau des Schweizer Fernsehens vom 14. Juni 1991 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF). Verwendet im Artikel Frauenstreik.
Hauptausgabe der Tagesschau des Schweizer Fernsehens vom 14. Juni 1991 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF). Verwendet im Artikel Frauenstreik.

Als multimediales Lexikon ist das HLS bestrebt, möglichst viele Filme für die Artikel fruchtbar zu machen. Dabei greift es vor allem auf wissenschaftlich erschlossene Bestände zurück und liefert in den Legenden zentrale Informationen für die Quellenkritik. Gleichzeitig öffnen die im HLS vorhandenen Artikel zur Film- und Fernsehgeschichte Zugänge zur Erforschung des audiovisuellen Kulturgutes (siehe Tabelle unten). Die Zusammenarbeit mit externen Partnern führt zur Überprüfung und schrittweisen Überarbeitung unseres Textkorpus. Im Kontext der Publikation von ersten Filmwochenschauen wurde zum Beispiel der Artikel Schweizer Filmwochenschau neu verfasst. Und im Zusammenhang mit der Auswertung von Leuzingers Filmarchiv aus den 1920er Jahren bereitet das HLS neben aktualisierten Biografien auch einen neuen Artikel "Wanderkino" vor.

Film und Ton

Zusammen mit den bewegten Bildern hält auch der Ton im HLS Einzug. Dass längst nicht alle Dokumente in allen Landessprachen synchronisiert oder untertitelt sind, stellt die Redaktion bei Auswahl und Aufbereitung von Tonfilmdokumenten vor neue Herausforderungen. Wegen des erhöhten Erklärungsbedarfs gilt es, den Leserinnen und Lesern eine "Hörhilfe" in Form einer etwas ausführlicheren Legende anzubieten, die es ihnen erleichtert, Beiträge in einer fremden Sprache anzuschauen.

Zusammenarbeit mit externen Partnern

Der Anfang ist gemacht. Möglich wurde die Aufschaltung der Filmdokumente nur dank der in den letzten Jahren verstärkten Zusammenarbeit mit den wichtigsten, für den Erhalt des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz verantwortlichen Institutionen. Eine zentrale Vermittlerrolle nimmt dabei der Verein Memoriav ein. So konnten für die ersten im HLS publizierten Filmbeispiele direkte Kanäle zur Cinémathèque suisse, zum Bundesarchiv und zu den Fernseharchiven von SRF, RTS und RSI genutzt werden.

Ausgewählte Artikel zur Geschichte des audiovisuellen Kulturgutes

Cinémathèque suissevon Roland Cosandey
Fernsehenvon Ursula Ganz-Blättler und Theo Mäusli
Filmvon Pierre Lachat
Filmfestival(Redaktion)
Filmproduktionvon Felix Aeppli
Kinovon Pierre Lachat
Radiovon Edzard Schade
Schweizer Filmwochenschauvon Thomas Schärer
Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaftvon Edzard Schade
Videovon Johannes Gfeller
Erste Schwarz-Weiss-Röhren-Kamera mit Zoomfunktion im Fernsehstudio Bellerive, Zürich. Zweite Hälfte der 1960er-Jahre (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich).
Erste Schwarz-Weiss-Röhren-Kamera mit Zoomfunktion im Fernsehstudio Bellerive, Zürich. Zweite Hälfte der 1960er-Jahre (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich).